MASLD bei Normalgewicht: Kein Schutz vor Komplikationen
Auch schlanke Menschen bleiben vor MASLD nicht verschont: Im Gegenteil, sie tragen ein deutlich höheres Risiko für Leberkomplikationen und sterben häufiger – ein niedriger BMI schützt nicht.

Nicht alle Patienten mit einer durch Stoffwechselstörung verursachten Fettleber (MASLD) sind übergewichtig oder adipös. Ein niedriger BMI bringt bei dieser Krankheit keinen Vorteil – im Gegenteil: Schlanke MASLD-Patienten erleiden häufiger Leberkomplikationen und sterben öfter als Übergewichtige, wie eine chinesische Studie zeigt.
Dr. Zhenyu Huo und sein Team vom Peking Friendship Hospital wollten wissen, wie sich schlanke und übergewichtige MASLD-Patienten bei Leberkomplikationen und Sterblichkeit unterscheiden. Die Daten für die Analyse lieferten die UK-Biobank, die Kailuan-Kohorte und die China-Kadoorie-Biobank. Insgesamt 186 221 Teilnehmer der drei Kohorten litten an einer MASLD. 5030 Personen entsprachen einem schlanken Phänotyp, das heisst ihr BMI lag unter 23 kg/m2 (China) bzw. unter 25 kg/m2 (Grossbritannien). Die übrigen 181 191 Personen hatten einen höheren BMI.
Entwicklung zielgerichteter Therapiestrategien gefordert
Die gepoolte Analyse über einen Zeitraum von im Median 14 Jahren ergab: Schlanke MASLD-Patienten hatten im Vergleich zu Übergewichtigen ein um 114 Prozent höheres Risiko für Leberkomplikationen (Hepatozelluläres Karzinom, Leberdekompensation, Lebertransplantation, leberbedingte Sterblichkeit; HR 2,14). Ihr Gesamtsterberisiko lag um 26 Prozent höher (HR 1,26), die leberassoziierte Sterblichkeit um 131 Prozent (HR 2,31) und die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit um 22 Prozent (HR 1,22). Die kardiovaskuläre Sterblichkeit war dabei im Wesentlichen auf erhöhten Alkoholkonsum zurückzuführen. Allerdings erkrankten die schlanken MASLD-Betroffenen signifikant seltener an Herz-Kreislauf-Leiden (HR 0,89). Bezüglich des Risikos für ein HCC oder extrahepatische Malignome unterschieden sich die beiden Kollektive nicht.
Ein gesunder BMI ist diesen Ergebnissen zufolge keine Garantie für einen günstigen MASLD-Verlauf, unterstreichen die Forscher abschliessend. Dies sei bei der Betreuung der Betroffenen zu berücksichtigen. Ihrer Ansicht nach verschlechtern chronische Entzündungen, Muskelschwund, Darmdysbiose und genetische Faktoren die Prognose schlanker MASLD-Patienten. Die Forschung muss diese Zusammenhänge prüfen und gezielte Therapien entwickeln.
Huo Z et al. Gut 2025;
doi: 10.1136/gutjnl-2025-336127