Medical Tribune
4. Apr. 2026Ansatz über Opioidrezeptoren

Naldemedin senkt Rezidivrisiko bei wiederkehrender akuter Pankreatitis

Endogene und exogene Opioide könnten eine Rolle in der Pathogenese wiederkehrender akuter Pankreatitiden spielen. Der µ-Opioid-Rezeptor-Antagonist Naldemedin scheint tatsächlich das Rezidivrisiko zu senken.

Pancreas issues medical concept. Photo of female doctor, empty space.
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Die Möglichkeiten der Rezidivprophylaxe bei wiederkehrenden Pankreatitiden sind limitiert und beschränken sich auf jene Fälle, deren Ätiologie bekannt ist. Um Chronifizierung und Schmerzen sowie exokrine und endokrine Insuffizienz bei Patienten mit unbekannter Ätiologie zu verhindern, gingen Forscher um Mathias Ellgaard Cook vom Universitätsspital Aalborg nun einem Ansatz nach, der auf der Blockade von peripheren µ-Opioid-Rezeptoren beruht. Denn sowohl endogene als auch exogene Opioide können über eine Erhöhung des Sphinkter-Oddi-Tonus und des Drucks im Ductus pancreaticus zur Krankheitsentstehung beitragen.

In einer multizentrischen, randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie untersuchten die Wissenschaftler, ob Naldemedin, ein "peripherally acting µ-Opioid-Rezeptor-Antagonist" (PAMORA), das Risiko für erneute Episoden einer rezidivierenden akuten Pankreatitis (RAP) zu senken vermag. Das Medikament blockiert gezielt µ-Opioid-Rezeptoren im Darm, um die im Rahmen einer Opioid-Therapie auftretende Verstopfung zu vermindern, ohne dabei die schmerzlindernde Wirkung der Opioide zu beeinträchtigen.

Insgesamt schlossen die Forscher 74 erwachsene Patienten zwischen 18 und 25 Jahren mit RAP an vier dänischen Zentren ein. Die Probanden erhielten entweder Naldemedin (0,2 mg täglich) oder Placebo.

Der primäre Endpunkt war das Auftreten erneuter akuter Episoden gemäss revidierten Atlanta-Kriterien innerhalb eines Jahres. Sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem:

  • Schmerzschübe ohne gesicherte Pankreatitis,
  • gastrointestinale Symptome,
  • Lebensqualität,
  • Sicherheit sowie
  • das Auftreten eines neu manifestierten Diabetes oder einer exokrinen Pankreasinsuffizienz.

Wirkung besser bei Chronizität und Opioid-Gebrauch

In der primären Intention-to-treat-Analyse reduzierte Naldemedin das Risiko einer wiederkehrenden akuten Pankreatitis numerisch um fast 50% im Vergleich zu Placebo (HR 0,54; p = 0,05). In der sekundären Per-Protocol-Analyse, die Patientinnen und Patienten mit mindestens zwölfmonatiger Behandlung umfasste, war die Risikoreduktion statistisch signifikant (HR 0,49; p = 0,04). Hinweise auf einen stärkeren Effekt ergaben sich insbesondere bei Teilnehmern mit gleichzeitig bestehender chronischer Pankreatitis und bei regelmässigem Opioid-Gebrauch.

Für sekundäre Endpunkte, einschliesslich Schmerzereignissen, Lebensqualität und gastrointestinaler Symptomatik, zeigten sich keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Die Behandlung war insgesamt gut verträglich, und es traten keine sicherheitsrelevanten Signale auf.

Zusammenfassend liefert die Studie erste klinische Hinweise darauf, dass Naldemedin das RAP-Risiko senken könnte. Aufgrund der begrenzten Fallzahl und der insgesamt niedrigen Inzidenzrate (1 Episode in der Placebo-Gruppe vs. 0,5 Episoden in der Verum-Gruppe pro Jahr) sind die Ergebnisse jedoch als vorläufig zu interpretieren. Sie müssen erst in grösseren Studien bestätigt werden.