Medical Tribune
31. März 2026Abwicklung per Telecare versus kognitive Verhaltenstherapie

Musiktherapie bei Angst nach Krebserkrankung?

Kann Musiktherapie mit kognitiver Verhaltenstherapie mithalten, wenn es um die Reduktion von Angstsymptomen bei Überlebenden einer Krebserkrankung geht? Dieser Frage sind US-Forscher in einer Studie nachgegangen.

Krebspatientin hört Musik über Kopfhörer – ein möglicher Ansatz zur Linderung von Angstsymptomen.
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Angst ist bei Krebspatienten ein häufiger Begleiter. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität und geht oft auch Hand in Hand mit anderen Symptomen wie Fatigue. Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist eine etablierte Therapieform, aber nicht alle haben Zugang dazu oder sprechen darauf an. Musiktherapie hat sich in einem Cochrane-Review als wirksames Instrument bei Angst und Fatigue bei Menschen mit einer Krebserkrankung im «akuten Setting» erwiesen (1). Dr. Kevin Liou und sein Team vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York prüften nun, ob Musiktherapie auch langfristig Angst bei Krebsüberlebenden reduzieren kann (2). Ziel der randomisierten klinischen Studie MELODY war es, die Nichtunterlegenheit der Musiktherapie gegenüber CBT unter Beweis zu stellen. Beide Interventionen wurden ausschliesslich telemedizinisch angeboten.

Eingeschlossen waren 300 Krebsüberlebende mit klinisch relevanten Angstsymptomen. Sie waren zu rund 75 % weiblich, hatten ihre aktive Krebsbehandlung bereits abgeschlossen und befanden sich in einer stabilen Krankheitsphase. Die Forscher erfassten die Angstsymptome mit der "Hospital Anxiety and Depression Scale – Anxiety subscale" (HADS-A), einem sieben Punkte umfassenden Selbstbeurteilungs-Fragebogen für Angstzustände bei körperlich kranken Menschen (Skala: 0 bis 21). Einschlusskriterium war ein HADS-A-Score von ≥ 8.

Die Patienten erhielten entweder sieben wöchentliche Online-Sitzungen Musiktherapie oder CBT. Die Musiktherapie kombinierte rezeptive Methoden wie musikgeleitete Entspannung mit aktiven Ansätzen wie kollaborativem Songwriting, das belastende Erfahrungen emotional verarbeiten sollte. Die CBT folgte einem standardisierten kognitiv-verhaltenstherapeutischen Protokoll mit Psychoedukation, kognitiver Umstrukturierung, Entspannungsverfahren und verhaltensbezogenen Strategien.

Musiktherapie war CBT nicht unterlegen

Primäre Endpunkte waren Veränderungen im HADS-A-Score nach acht Wochen (Ende der Intervention) und nach 26 Wochen (Follow-up). Die Forscher definierten eine Nichtunterlegenheitsgrenze von 0,35 Standardabweichungen, entsprechend einer minimal klinisch relevanten Differenz von 1,7 Punkten. Sekundäre Endpunkte umfassten Fatigue, depressive Symptome, Schlafstörungen, Schmerz, kognitive Beeinträchtigungen sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Nach acht Wochen reduzierte sich der HADS-A-Wert im Mittel um 3,12 Punkte in der Musiktherapie-Gruppe und um 2,97 Punkte in der CBT-Gruppe. Der Unterschied lag klar innerhalb der definierten Nichtunterlegenheitsgrenze. Die Angstreduktion hielt auch noch nach 26 Wochen in beiden Gruppen an (–3,31 vs. –3,00 Punkte), ebenfalls ohne klinisch relevante Unterschiede. Insgesamt erreichten rund 70 % der Teilnehmer in beiden Gruppen eine klinisch bedeutsameVerbesserung der Angstsymptome.

Beide Interventionen führten zudem zu vergleichbaren Verbesserungen in allen sekundären Endpunkten, darunter Fatigue, depressive Symptome, Schlafqualität, Schmerz, kognitive Funktion und physische sowie psychische Lebensqualität. Die Einnahme von Angst-Medikamenten blieb über den Studienverlauf stabil und unterschied sich nicht zwischen den Gruppen. Die Behandlungsadhärenz war hoch, mit etwas besseren Abschlussraten in der Musiktherapie-Gruppe. Subgruppenanalysen deuteten darauf hin, dass Musiktherapie unabhängig vom Bildungsniveau und von der Zeit seit der Krebsdiagnose wirksam war, während die Effektivität der CBT bei höherem Bildungsgrad grösser und mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur Diagnose geringer ausfiel.

Zusammengenommen sprechen die Ergebnisse der MELODY-Studie dafür, Musiktherapie als gleichwertige evidenzbasierte Alternative zur CBT in der psychosozialen Versorgung von Krebsüberlebenden zu berücksichtigen und damit das therapeutische Angebot zu erweitern.