Medical Tribune
25. März 2026Auswirkungen auf die Körperzusammensetzung

Effekt von GLP1-RA und bariatrischer Chirurgie auf Fett und Muskelmasse

Bei der Adipositas-Therapie geht es um mehr als um reine Gewichtsreduktion. Chirurgische Massnahmen und GLP1-Rezeptoragonisten (GLP1-RA) senken nicht nur das Gewicht effektiv, sondern beeinflussen auch die Körper­zusammensetzung: Sie bauen gezielt Fett ab, in geringerem Ausmass aber auch Muskelmasse. Das zeigt eine aktuelle Studie zeigt.

Frau hält eine Hautfalte am Bauch – ein sichtbares Zeichen erhöhter Fettmasse.
Zireael/stock.adobe.com

Sowohl die medikamentöse Behandlung mit GLP1-RA wie Sema­glutide bzw. GLP1-/GIP-RA (Tirzepatid) als auch die bariatrische Chirurgie (z. B. Roux-en-Y-Magenbypass) ermöglichen einen deutlichen und zum Teil langfristigen Gewichtsverlust.

Entscheidender als der reine Gewichtsverlust scheint jedoch das Verhältnis zwischen fettfreier, insbesondere Muskelmasse, und Fettmasse zu sein. Denn während Fettmasse das Mortalitäts- und Herz-Kreislauf-Risiko erhöht, wirkt fettfreie Masse protektiv.

Sarkopenische Adipositas besonders schädlich

Zunehmend an Bedeutung gewinnt deshalb die sogenannte sarkopenische Adipositas, also die Kombination aus verminderter Muskelmasse und erhöhtem Körperfettanteil. Sie ist insbesondere im höheren Lebensalter häufig und geht mit einer erhöhten Sterblichkeit und einem gesteigerten Risiko für metabolische Erkrankungen einher. Vor diesem Hintergrund rücken nun gezielte Strategien, die zusätzlich Fettmasse abbauen und zugleich die Muskulatur erhalten oder möglichst verbessern, in den Fokus.

Die Studie von Zicheng Wang und Kollegen vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville hatte deshalb das Ziel, die langfristigen Veränderungen der Körperzusammensetzung nach einem bariatrischen Eingriff bzw. nach einer Behandlung mit GLP1-RA zu analysieren. Dazu nutzten sie die Bioelektrische Impedanzanalyse (BIA).

In die retrospektive Kohortenstudie waren insgesamt über 3000 Personen im Alter von 18 bis 65 Jahren eingeschlossen. Etwa 1200 Patienten wurden operiert, ca. 1800 erhielten eine Therapie mit GLP1-RA. Operierte Patienten hatten im Schnitt einen höheren BMI und litten etwas häufiger an Diabetes. In der Medikamentengruppe waren Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen verbreiteter. Der Grossteil der Patienten erhielt Semaglutide, ein kleiner Teil Tirzepatid.

Männer können Muskelmasse besser erhalten

Sowohl der chirurgische Eingriff als auch die Medikamente führten zu einer deutlichen Abnahme der Fettmasse, wobei die Operation den stärkeren Effekt hatte. Nach zwei Jahren hatten Operierte rund die Hälfte ihrer Fettmasse verloren, unter GLP1-RA-Therapie waren es 18 %.

In geringerem Ausmass nahm auch die fettfreie Masse ab: Zwei Jahre nach der OP betrug der Muskelverlust ca. 12 %, nach der medikamentösen Therapie ca. 3 %. Das Verhältnis von fettfreier zu Fettmasse nahm in beiden Gruppen jedoch signifikant zu, mit etwas besseren Werten nach einer Operation.

Ähnliche Trends zeigten sich in stratifizierten Analysen nach Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, BMI, Diabetesstatus und Dauer der medikamentösen Behandlung. Männer konnten ihre Muskelmasse dabei tendenziell besser erhalten als Frauen, vor allem unter GLP1-RA-Therapie. Die Forscher führen diesen Umstand auf die physiologischen Gegebenheiten zurück. Denn zum einen haben Männer durchschnittlich mehr Muskelmasse und eine höhere Knochendichte, zum anderen beeinflusst Östrogen sowohl die Fettverteilung als auch den Energiestoffwechsel. Frauen scheinen unter Kalorienrestriktion schneller Muskelmasse zu verlieren, was vermutlich mit dem niedrigeren Spiegel anaboler Hormone und der reduzierten Muskelproteinsynthese zusammenhängt. Die Studie zeigt damit auch die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Aspekte zu berücksichtigen.

Insgesamt bewerten die Autoren die Veränderung der Körperzusammensetzung sowohl der operativen als auch der GLP1-RA-Therapie als günstig.