Medical Tribune
17. März 2026Mediterrane Kost für Frauen

Sinkt das Risiko für einen Schlaganfall durch die Mittelmeerdiät?

Studien belegen seit Jahren, dass Menschen mit mediterraner Ernährung seltener Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickeln. Eine grosse prospektive Kohortenstudie untersuchte nun über mehr als zwei Jahrzehnte den Zusammenhang zwischen dieser Ernährungsform und dem Risiko für ischämische und hämorrhagische Schlaganfälle bei Frauen.

Olivenöl, frisches Gemüse und gemeinsame Mahlzeiten im Freien: Elemente der mediterranen Ernährung.
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Die mediterrane Ernährung ist reich an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Sie enthält wenig gesättigte Fette, wenig Fleisch- und Milchprodukte sowie moderate Mengen an Fisch und Alkohol. Olivenöl dient als Hauptfettquelle und liefert vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren. Hohe Adhärenz steht in Verbindung mit einer längeren Lebenserwartung und einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen sowie Krebs. Die Mittelmeerdiät verringert auch die Wahrscheinlichkeit für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz oder kognitive Beeinträchtigungen.

Wissenschaftler um Dr. Ayesha Sherzai­ von der Charles R. Drew University of Medicine and Science in Los Angeles prüften, ob mediterrane Kost das Risiko für Schlaganfälle bei Frauen senken kann. Die Analyse basiert auf Daten auf der prospektiven Kohortenstudie «The California Teachers Study», die 1995 startete und bis heute läuft. Die Forscher schlossen 105 614 Frauen ohne vorherigen Schlaganfall ein. Das mittlere Alter lag bei 52,5 Jahren. Die Nachbeobachtungszeit betrug durchschnittlich 20,5 Jahre.

Zu Studienbeginn erhoben die Autoren die Ernährung mit einem validierten Food-Frequency-Fragebogen. Daraus erstellten sie einen Mediterranean-Diet-Score (MeDi) von 0 bis 9 Punkten. Hohe Werte spiegeln eine stärkere Adhärenz wider. Die Wissenschaftler erfassten neu aufgetretene Schlaganfälle mithilfe von Spitaldaten und Sterberegistern zwischen 1996 und 2020. Insgesamt traten 4083 Schlaganfälle auf, davon 3358 ischämische und 725 hämorrhagische Ereignisse.

Hohe Adhärenz senkte Schlaganfall-Risiko signifikant

Eine hohe Adhärenz zur mediterranen Ernährung senkte das Schlaganfall-Risiko signifikant. Frauen mit den höchsten MeDi-Scores (6–9) hatten im vollständig adjustierten Modell ein um 18 % geringeres Risiko für alle Schlaganfälle als Frauen mit niedriger Adhärenz (0–2). Mit jedem zusätzlichen Punkt im MeDi-Score sank das Gesamt-Schlaganfall-Risiko um etwa 3 %.
Auch bei den Subtypen zeigte sich ein klarer Effekt: Eine hohe Adhärenz reduzierte das Risiko für ischämische Schlaganfälle um 16 %. Besonders deutlich fiel der Zusammenhang bei hämorrhagischen Schlaganfällen aus, bei denen das Risiko um 25 % sank. Diese inverse Beziehung bestand unabhängig von Alter, Lebensstil- und vaskulären Risikofaktoren und zeigte sich sowohl bei prä- als auch bei postmenopausalen Frauen sowie unabhängig von einer Hormontherapie.

Die mediterrane Diät kann Blutdruck, Lipidprofil und Insulinresistenz positiv beeinflussen. Sie wirkt sich günstig auf Endothelfunktion, Adipositas und Entzündungsmarker aus. Polyphenole, etwa aus Zitrusfrüchten, können das Risiko ischä­mischer Ereignisse senken. Dass auch hämorrhagische Schlaganfälle seltener auftraten, ist besonders relevant, da frühere Studien hier uneinheitliche Ergebnisse zeigten.