Medical Tribune
23. März 2026Kranker Nachwuchs, kranke Mütter Kindliche AD belastet die Psyche der Mütter

Kindliche AD belastet die Psyche der Mütter

Mütter von Kindern mit atopischer Dermatitis zeigen häufiger depressive Symptome – insbesondere bei kleinen Kindern und wenn sie aus sozial benachteiligten Familien stammen. Eine Langzeitstudie beleuchtet, wann man besonders auf pflegende Elternteile achten sollte.

Hand eines Erwachsenen hält die eines Kindes mit atopischer Dermatitis und trockener, gereizter Haut.
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Bis zu 20 Prozent der Kinder weltweit leiden an atopischer Dermatitis (AD). Die chronisch-rezidivierende Hauterkrankung verursacht nicht nur Schmerzen und Juckreiz, sondern auch Schlafprobleme und seelischen Stress. Sie beeinträchtigt die Lebensqualität der betroffenen Kinder und ihrer Familien erheblich.

Eine neue Untersuchung prüfte nun erstmals, ob die Betreuung eines Kindes mit AD langfristige Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Mutter hat. Dieser Aspekt wurde bisher möglicherweise unterschätzt. Frühere Querschnittsstudien legen nahe, dass die Belastung in Familien mit AD-Kindern grösser sein könnte als bei Kindern mit Typ-1-Diabetes.

Depressions-Score zu allen Zeitpunkten leicht erhöht

Das Team um Dr. Hannah Eunhae Kang, University of California, San Francisco, analysierte dazu Daten der longitudinalen ALSPAC-Studie, die zwischen 1990 und 2014 erhoben wurde. Sie analysierten dazu depressive Symptome der Mütter, die mittels der validierten, mütter-spezifischen Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) erfasst wurden. Ein Score von 13 gilt als Hinweis auf ein hohes Depressionsrisiko.

Insgesamt gab es zwölf Untersuchungszeitpunkte: von der Schwangerschaft bis zum Alter von 22 Jahren des Kindes. Zusätzlich berücksichtigten die Forscher Störfaktoren wie Geschlecht und Alter des Kindes, Alter der Mutter bei der Geburt, ethnische Zugehörigkeit, den sozioökonomischen Status sowie frühere Depressionen oder eigene AD der Mutter.

Die Studie umfasste 12.124 Mutter-Kind-Paare (52% Söhne, 48% Töchter). Zwischen dem 2 und 18 Lebensjahr lag die jährliche Prävalenz aktiver AD bei 12,9 und 19,7%. 21,9 bis 40,1% der Kinder mit aktiver Erkrankung berichteten innerhalb der vorangegangenen 12 Monate über moderate bis schwere Symptome. Mütter von Kindern mit aktiver AD hatten häufiger eine eigene AD in der Vorgeschichte, ein höheres Bildungsniveau und einen höheren sozioökonomischen Status.


Nach Adjustierung der Störfaktoren war der EPDS-Score bei Müttern von Kindern mit aktiver AD über alle Messzeitpunkte hinweg im Mittel um 0,33 Punkte erhöht – bei leichter AD um 0,31, bei mittelschwerer oder schwerer AD um 0,68 Punkte. Zwischen 10 und 18% der Mütter in der Analyse zeigten Hinweise auf eine klinisch relevante Depression (EPDS ≥ 13). Bei moderater und schwerer Erkrankung war das Risiko für relevante depressive Symptome signifikant um 45% erhöht.

Über die gesamte Kindheit hinweg bestand ein schweregradabhängiger Zusammenhang zwischen AD und mütterlichen Depressionssymptomen. Die grösste Effektstärke trat im Kindesalter von 3 bis 7 Jahren auf.

Rechtzeitig psychosoziale Unterstützung anbieten

Bei Müttern von moderat bis schwer betroffenen Kindern aus sozial benachteiligten Familien war der Zusammenhang mit einem durchschnittlichen EPDS-Anstieg von 0,98 Punkten stärker ausgeprägt als bei sozial bessergestellten Müttern (0,40 Punkte).

Im Alter von drei Jahren und bei schweren Verläufen liessen sich 44% des Zusammenhangs zudem durch eine schlechtere Schlafqualität bei den Müttern erklären. Zum selben Zeitpunkt gingen 15,7% der Assoziation auf begleitende allergische Erkrankungen zurück. Im langfristigen Verlauf bestätigte sich jedoch keiner dieser Faktoren als stabiler Einflussfaktor.

Auch wenn der absolute Anstieg der EPDS-Werte gering war, erhält die um 45% erhöhte Wahrscheinlichkeit klinisch relevanter depressiver Symptome bei den Müttern angesichts der hohen Prävalenz der Erkrankung auf Bevölkerungsebene Gewicht, schreiben die Autoren. Sie empfehlen, bei pflegenden Familienangehörigen früh auf Depressionszeichen zu achten, und rechtzeitig psychosoziale Unterstützung anzubieten.