Medical Tribune
3. März 2026Traumatherapie als Bonus zur OP?

Wie uns Träumen unter Narkose helfen könnte

Nicht wenige Menschen träumen während einer Anästhesie – häufig mit positivem Grundton. Einzelne Fallberichte legen nahe, dass solche Erlebnisse bei Patienten mit posttraumatischen Belastungssymptomen psychisch entlastend wirken können. Eine US-amerikanische Forschergruppe um Dr. Pilleriin Sikka untersuchte nun, ob sich ein traumförderndes Anästhesieprotokoll routinemässig und sicher umsetzen lässt.

Nachdenkliche Frau in stiller Naturlandschaft – Symbolbild für innere Bilder, Traumzustände und emotionale Verarbeitung.
Cristina Conti/stock.adobe.com
In Fallberichten berichteten einzelne Patienten mit PTBS nach dem Verlust eines Angehörigen über psychische Entlastung nach Träumen unter Narkose.

In die Machbarkeitsstudie schlossen sie 452 Patienten mit geplanten, nicht dringlichen Operationen unter Propofol-Narkose ein.

Das Ausleiten der Anästhesie erfolgte nach einem standardisierten Fünf-Punkte-Protokoll: verbale Vorbereitung auf mögliches Träumen, Propofol als zentrales Anästhetikum, EEG-gestützte Steuerung (SedLine), mindestens zehn Minuten reizarmes Umfeld vor dem Erwachen sowie eine unmittelbare Befragung zu Trauminhalten und subjektiver Schlafqualität.

Ziel war ein kontrollierter Übergang aus der tiefen Narkose in einen traumähnlichen Bewusstseinszustand.

Die meisten träumten

69 Prozent der Teilnehmenden berichteten von Träumen unter Narkose, bei vollständiger Protokollumsetzung sogar 93%. Die Inhalte waren überwiegend positiv (86%), sehr negative Inhalte berichtete keiner der Probanden. Personen mit Traumerinnerung beschrieben zudem eine bessere subjektive Schlafqualität.

Sicherheitsbedenken ergaben sich nicht: Kein Teilnehmer berichtete eine intraoperative Erinnerung. Auch Aufwachzeiten sowie der Bedarf an Analgetika und Antiemetika unterschieden sich nicht zwischen Träumern und Nicht-Träumern. Adhärenz an das Protokoll war hoch (100 % für verbale Vorbereitung und Propofol-Gabe; ≥ 90 % für EEG-Monitoring; 95 % für die unmittelbaren Interviews). Lediglich die reizarme Phase vor dem Erwachen gelang selten (14%).

Das Ermöglichen von Narkoseträumen ist damit prinzipiell praktikabel, schreiben die Autoren. Nun wollen sie prüfen, ob sich aus dem gezielten Fördern positiver Träume während der Narkose tatsächlich therapeutische Effekte ableiten lassen.