Medical Tribune
11. März 2026Hospitalisierte, Betagte und Vorerkrankte gefährdet

RSV-Infektion erhöht langfristig das Herz-Kreislauf-Risiko

Eine Infektion mit dem Respiratory Syncytial Virus (RSV) erhöht nicht nur kurzfristig das kardiovaskuläre Risiko, sondern wirkt sich auch langfristig auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit aus.

Ältere Menschen haben nach einer RSV-Infektion nicht nur ein erhöhtes Risiko für respiratorische Komplikationen, sondern
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Immer deutlicher zeigt sich, dass RSV-Infektionen bei älteren Menschen eine erhebliche Krankheitslast und höhere Sterblichkeit verursachen, vor allem bei bestehenden Vorerkrankungen. Dabei führen nicht nur Atemwegskomplikationen zu Morbidität, Krankenhausaufenthalten und Todesfällen, sondern auch das vorübergehend erhöhte Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Bisherige Studien konzentrierten sich vor allem auf die akute Phase nach der Infektion. Zu den langfristigen Folgen gibt es bislang wenig belastbare Daten.

Ein Forscherteam um Dr. Anders Hviid vom Staatlichen Serum Institut in Kopenhagen untersuchte nun das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse innerhalb eines Jahres nach einer laborbestätigten RSV-Infektion bei Erwachsenen ab 45 Jahren. Dabei quantifizierten sie das absolute zusätzliche Risiko für verschiedene kardiovaskuläre Ereignisse in diesem Zeitraum.

Die Studie basiert auf dänischen Gesundheitsregister-Daten und umfasst den Zeitraum von 2019 bis 2024. Insgesamt wurden 8747 Erwachsene mit erstmalig labor­bestätigter RSV-Infektion identifiziert und im Verhältnis 1:1 mit 8747 Personen ohne Infektion gematcht. In beiden Gruppen lag der Anteil an Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen bei 11,5 %. Rund 70 % der Teilnehmer in der RSV-Gruppe wurden im Rahmen der Infektion hospitalisiert. Das Durchschnittsalter betrug rund 72 Jahre, knapp 58 % der Teilnehmer waren Frauen. Die Nachbeobachtungszeit betrug bis zu 365 Tage ab dem Indexdatum. Primäre Endpunkte waren MACE (Major Adverse Cardiovascular Events), definiert als ischämische Herzerkrankung, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz sowie ein erweiterter kombinierter Endpunkt, der zusätzlich Arrhythmien, venöse Thromboembolien und entzündliche Herzerkrankungen umfasste.

Wichtige Argumente für präventive Massnahmem

Im Verlauf eines Jahres traten bei den RSV-Infizierten deutlich mehr kardiovaskuläre Ereignisse auf als in der Kontrollgruppe (655 vs. 257). Dies entspricht einer absoluten Risikodifferenz von 4,69 Prozentpunkten zugunsten der Kontrollgruppe. Anders ausgedrückt kam es innerhalb eines Jahres zu rund fünf zusätzlichen kardiovaskulären Ereignissen pro 100 Personen nach RSV-Infektion. Auch für MACE zeigte sich ein signifikanter Anstieg mit einer Risikodifferenz von 2,37 Prozentpunkten.

Der grösste Teil des zusätzlichen Risikos manifestierte sich bereits in den ersten 30 Tagen nach der Infektion, nahm jedoch über das gesamte Jahr weiter zu. Besonders ausgeprägt war das Risiko bei hospitalisierten und sehr alten Patienten sowie bei vorbestehender kardiovaskulärer Erkrankung oder Diabetes. In diesen Gruppen lagen die absoluten Risikodifferenzen teils deutlich über dem Gesamtdurchschnitt. Bei Personen ohne Spitalbehandlung zeigte sich hingegen kein signifikanter Anstieg des kardiovaskulären Risikos.

Nach Ansicht der Autoren unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von RSV als Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und liefern wichtige Argumente für präventive Massnahmen, insbesondere Impfstrategien, bei älteren und vorerkrankten Bevölkerungsgruppen.