Gewichtsreduktion im Alter: Kann mehr Protein den Knochenverlust bremsen?
Wenn ältere Menschen abnehmen, leidet oft die Knochengesundheit. Eine neue Studie hat untersucht, ob eine höhere Proteinaufnahme diesem Problem entgegenwirken kann.

Trotz der gesundheitlichen Vorteile einer gezielten Gewichtsreduktion geht diese bei älteren Menschen mit Adipositas häufig zulasten der Knochengesundheit. Denn ein Gewichtsverlust erhöht das Risiko für Muskel- und Knochenabbau – in einer Gruppe, die ohnehin anfällig für Frakturen ist. Ein weiteres Problem: Einmal verlorene Knochenmasse kann sich auch dann nicht erholen, wenn die Senioren wieder an Gewicht zulegen.
UPLIFT-Studie testete Gewichtsreduktion mit zusätzlicher Proteinzufuhr
Eine Möglichkeit, Knochenverlust zu verhindern, ist eine Steigerung der Proteinaufnahme, wie Studien an Erwachsenen im mittleren Lebensalter und postmenopausalen Frauen zeigen konnten. Auch generell nimmt man an, dass die empfohlene Tagesdosis von 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht basierend auf Daten junger Erwachsener für Senioren zu niedrig sein könnte.
Die UPLIFT-Studie verglich den Effekt einer höheren Proteinzufuhr (1,2 g/kg/Tag) mit der Standardempfehlung von 0,8 g/kg/Tag. 187 überwiegend inaktive, adipöse Senioren mit eingeschränkter Mobilität nahmen teil. Die Intervention umfasste eine sechsmonatige Gewichtsreduktionsphase mittels moderater Kalorienrestriktion kombiniert mit aerobem Ausdauertraining (Laufband), gefolgt von einer zwölfmonatigen Erhaltungsphase. Die Teilnehmer waren im Schnitt 71,5 Jahre alt, 65,7 % waren Frauen und der durchschnittliche Body-Mass-Index lag zu Studienbeginn bei 34,3 kg/m2.
Die Probanden wurden in drei Gruppen aufgeteilt: eine Kontrollgruppe mit Standard-Proteinzufuhr und zwei Gruppen mit erhöhter Proteinzufuhr – entweder für die ersten sechs Monate oder über die gesamte Studiendauer von 18 Monaten. Zur Unterstützung der Proteinaufnahme erhielten die Senioren in den Hochprotein-Gruppen ein Proteinsupplement.
Um frühe frakturrelevante Veränderungen am Skelett festzustellen, nutzten die Forscher Surrogat-Endpunkte aus der Bildgebung. Als koprimäre Endpunkte dienten die trabekuläre volumetrische Knochendichte (vBMD) sowie die femorale kortikale Dicke, gemessen mittels quantitativer CT. Zudem wurde auf Basis der CT-Daten mittels Finite-Elemente-Modellierung eines seitlichen Sturzes die Hüftknochenfestigkeit simuliert.
Längere Einnahme von Proteinsupplements verhinderte Knochenverlust
Nach sechs Monaten hatten die Teilnehmer aus allen Gruppen im Schnitt 8 % ihres Körpergewichts verloren, nach 18 Monaten waren es noch 5 %. Signifikante Unterschiede gab es hier keine.
Auch bei den primären Knochen-Endpunkten zeigten sich keine signifikanten Gruppenunterschiede nach sechs und 18 Monaten. Eine detailliertere Analyse ergab jedoch, dass in der Kontrollgruppe und der Gruppe mit nur sechsmonatiger Proteinsupplementierung die trabekuläre Hüft-vBMD nach 18 Monaten signifikant um 1–2 % sank. Diese Verluste entsprechen laut den Autoren einem um rund 10–20 % erhöhten Frakturrisiko. In der 18-Monats-Proteingruppe zeigte sich hingegen kein signifikanter Rückgang.
Zudem schnitt die 18-Monats-Proteingruppe nach sechs Monaten gegenüber der Kontrollgruppe bei der Hüftknochenfestigkeit besser ab: Sie stieg um knapp 4 % – gegenüber 0,5 % in der Kontrollgruppe. Nach Korrektur für multiples Testen war dieser Unterschied jedoch nicht mehr signifikant. In allen Gruppen stieg die kortikale Hüft-vBMD um 1–2 %, vermutlich durch das Laufbandtraining, das die muskuläre und skelettale Belastung bei der überwiegend inaktiven Population erhöhte.
Einfluss auf Frakturrisko bleibt unklar
Eine längerfristige Proteinsupplementierung während und nach einer Gewichtsreduktion könnte also helfen, die Knochendichte besser zu erhalten und die Knochenfestigkeit zumindest kurzfristig zu verbessern. Ob dies einen klinisch relevanten Einfluss auf das Frakturrisiko hat, bleibt hingegen auch nach dieser Studie offen.
Weaver AA et al. Effect of protein supplementation on hip bone mineral density, cortical thickness, and bone strength in older adult participants during a caloric restriction and aerobic exercise weight loss intervention: a randomized controlled trial. Osteoporos Int. 2026 Jan 19. doi: 10.1007/s00198-026-07845-6.
