Kniearthrose und Kortison: Alternative Injektionsstrategie ohne Zusatznutzen
Schmerzen sind für viele Patienten mit einer Kniearthrose Alltag. Kortisonspritzen bieten dabei oft schnelle Hilfe. Doch ihr Nutzen ist umstritten und Schäden am Knorpel möglich. Eine neue Studie verfolgte nun einen anderen Ansatz: Glukokortikoide gezielt in den infrapatellaren Fettkörper und nicht direkt in das Gelenk zu injizieren. Aber die Ergebnisse dämpfen die Erwartungen.

Die Kniearthrose gilt schon lange nicht mehr als rein mechanischer Verschleiss, sondern als komplexe Erkrankung mit unterschiedlichen Ausprägungen. Ein wichtiger Subtyp ist die entzündliche Gonarthrose. Die Entzündung nimmt dabei häufig im sog. infrapatellaren Fettkörper ihren Ursprung. Dabei handelt es sich um ein spezialisiertes Fettgewebe unterhalb der Patella, das in enger Nachbarschaft zur Synovia liegt. Es ist reich an Adipozyten und Immunzellen und kann entzündliche Botenstoffe freisetzen. Diese schädigen jedoch Knorpel, Synovia sowie den darunterliegenden Knochen und beschleunigen so das Fortschreiten der Arthrose.
Zur Entzündungshemmung werden seit Langem Glukokortikoid-Injektionen eingesetzt. Ihr Nutzen ist jedoch begrenzt: Zwar lindern sie kurzfristig Schmerzen, doch der Effekt hält meist nur wenige Wochen an. Zudem mehren sich Hinweise, dass wiederholte intraartikuläre Injektionen den Knorpel schädigen können. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein neuer Ansatz an Interesse: die gezielte Injektion von Glukokortikoiden in den infrapatellaren Fettkörper. Ziel ist es, die Entzündung direkt an ihrem Ursprung zu bremsen, ohne den Gelenkknorpel zu belasten. Ein Forscherteam um Yan Zhang von der Southern Medical University, Guangzhou, China, ging dieser Behandlungsstrategie auf den Grund.
Intraartikuläre Hyaluronsäure als Hintergrundtherapie
An der randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie nahmen 60 Patientinnen und Patienten ab 45 Jahren mit entzündlicher Kniearthrose an vier Zentren in China teil. Alle Patienten erhielten jeweils eine ultraschallgestützte Injektion mit entweder Glukokortikoiden (Behandlungsgruppe) oder Kochsalz (Placebogruppe) in den infrapatellaren Fettkörper. Dazu kam bei allen eine intraartikulär verabreichte Hintergrundtherapie mit Hyaluronsäure. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen erfassten die Forscher etwaige Veränderungen der Knieschmerzen auf der visuellen Analogskala (VAS) sowie das Volumen des Kniegelenkergusses (Erguss-Synovitis) im MRT.
Ausserdem untersuchten sie Veränderungen in verschiedenen Scores wie im Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC) und bei dem im MRT erfassten Hoffa-Synovitis-Score. Weitere sekundäre Endpunkte waren die Lebensqualität, der Verbrauch von Schmerzmedikamenten, das Volumen des infrapatellaren Fettkörpers sowie das Auftreten unerwünschter Ereignisse.
Kaum Unterschiede bei Schmerzen und Synovitis
Zwar gingen die Schmerzen in der Behandlungsgruppe etwas stärker zurück, allerdings ohne signifikanten Unterschied zur Placebogruppe. Am stärksten liessen die Schmerzen innerhalb der ersten vier Wochen nach, danach veränderten sie sich nur noch gering. Die Erguss-Synovitis nahm in beiden Gruppen nahezu im gleichen Ausmass ab.
Bei den sekundären Endpunkten schnitt die Behandlungsgruppe insgesamt etwas besser ab. Auffällig war, dass die Patienten seltener zusätzliche Schmerzmittel benötigten. Nebenwirkungen gab es in beiden Gruppen nur wenig. Hinweise auf eine gefürchtete Schrumpfung des infrapatellaren Fettkörpers fanden sich nicht. Auch im MRT ergaben sich keine Unterschiede bei der Hoffa-Synovitis – möglicherweise hätte jedoch eine kontrastmittelgestützte Untersuchung entzündliche Veränderungen sensibler erfassen können, so die Autoren.
Verbesserung der Knorpeldefekte
Die Post-hoc-Analyse zeigte hingegen statistisch signifikante Unterschiede zwischen den Gruppen. Nach der Glukokortikoid-Injektion nahmen die Schmerzen gemessen im WOMAC-Score deutlich stärker ab. Die Schmerzlinderung blieb zwar unterhalb der Schwelle, die als klinisch eindeutig relevant gilt. Auffällig ist jedoch, dass der Effekt deutlicher ausfiel als in früheren Studien mit klassischen intraartikulären Kortison-Injektionen. Das deutet darauf hin, dass die Injektion in den infrapatellaren Fettkörper möglicherweise wirksamer sein könnte.
Bemerkenswert war auch die Verbesserung der Knorpeldefekte in der Behandlungsgruppe. Dies könnte ebenso klinisch bedeutsam sein, da frühere Untersuchungen gezeigt haben, dass ausgeprägte Knorpelschäden das Risiko für einen späteren Gelenkersatz deutlich erhöhen. Aufgrund der kleinen Fallzahl lässt sich allerdings ein Zufallsergebnis nicht sicher ausschliessen.
Weitere Forschung notwendig
Insgesamt zeigen die Studienergebnisse jedoch, dass die gezielte Glukokortikoid-Injektion in den infrapatellaren Fettkörper keinen klaren Zusatznutzen gegenüber Placebo bietet. Weder Knieschmerzen noch Erguss-Synovitis reduzierten sich bei den Patienten mit entzündlicher Kniearthrose signifikant. Gleichzeitig fielen einzelne Post-hoc-Analysen zugunsten der Glukokortikoid-Behandlung aus. Um den tatsächlichen Stellenwert dieses Therapieansatzes zu klären, sind daher weitere Untersuchungen erforderlich. Studien, die Fettkörper-Injektionen direkt mit klassischen intraartikulären Injektionen vergleichen, könnten hier eine Antwort bringen.
Zhang Y et al. Infrapatellar Fat Pad Glucocorticoid Injection in Knee Osteoarthritis. JAMA Netw Open. 2026; 9(1): e2549938. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.49938