Medical Tribune
25. Feb. 2026Wie TikTok, Instagram & Co. Entscheidungen zur Hautpflege beeinflussen

Soziale Medien als Chance in der Dermatologie

Viele Menschen nutzen Plattformen wie Instagram, TikTok oder Facebook zunehmend auch zur Information über Hauterkrankungen, Hautpflege und ästhetische Verfahren. Diese Informationen stammen nicht immer von Gesundheitsfachkräften. Eine neue Studie zeigt, wo ungenutztes Potenzial für Dermatologen liegt.

Laien-Influencer und Experten teilen im Internet gleichermassen dermatologische Inhalte.
ChayTee/stock.adobe.com

«Nur 4 bis 15 Prozent der Beiträge mit medizinischem Inhalt kommen wirklich von Ärzten», fasst Dr. Maximilian Lammer (Medizinische Universität Innsbruck) das aktuelle Hauptproblem zusammen. Der Rest kommt von Laien, Influencern oder der Industrie.

Die Folge: Ein hoher Anteil an Fehlinformationen. Als Beispiel verweist der Forscher und Dermatologe auf eine Analyse zu YouTube-Inhalten bei atopischer Dermatitis: «Nur 30 Prozent der Inhalte erfüllten medizinische Standards.»

Online-Befragung mit 34-Fragen

Um den Einfluss sozialer Medien auf Hautgesundheit, Prävention und Pflege systematisch zu erfassen, führte eine Arbeitsgruppe unter Lammers Führung zwischen Oktober 2024 und Jänner 2025 eine Querschnittsstudie durch. Die Forscher erstellten dabei einen 34-Item-Fragebogen, mit dem sie erwachsene Social-Media-Nutzer befragten, unter anderem zu

  • besuchten sozialen Plattformen
  • konsumierten dermatologischen Inhalten
  • Auswirkungen auf Hautpflegeroutinen und Selbstwertgefühl
  • Anzahl der verwendeten Pflegeprodukte, und
  • kosmetischen Eingriffen.

Von 494 retournierten Fragebögen konnten 454 ausgewertet werden – 70% der Teilnehmer waren Frauen, das Durchschnittsalter lag bei 24,8 Jahren. 64% der Befragten waren zwischen 18 und 25 Jahre alt – lediglich 9% waren älter als 30 Jahre.

Ärztlicher Rat führt eher zur Anwendung von Hautpflegeroutinen

Die Mehrheit der Befragten verbrachte täglich ein bis zwei Stunden auf sozialen Plattformen, rund 44% sogar zwei bis vier Stunden. Mit zunehmender Nutzungsdauer änderte sich dabei auch die Selbsteinschätzung: Während soziale Medien bei kurzer Nutzung subjektiv kaum als Einflussfaktor wahrgenommen wurden, gaben Personen mit intensiverer täglicher Nutzung signifikant häufiger an, dass Social Media ihr Hautgesundheits- und Pflegeverhalten beeinflussen.

Wie hoch das Potenzial für verantwortungsvolle Gesundheitsinformationen in den sozialen Medien ist, zeigte die Quelle der Inhalte. Teilnehmer, die öfter dermatologische Inhalte von Ärzten angezeigt bekamen, setzten signifikant häufiger eine Hautpflegeroutine um. Zwar gaben 65 Prozent an, Inhalte von Influencern zu Hautpflege, Hauterkrankungen oder Ästhetik zu konsumieren, aber nur 40 Prozent folgten explizit dermatologischen Accounts. «Und nur weil sich jemand wie ein Arzt kleidet, ist er noch kein Mediziner», erinnert Lammer. Rund 70 Prozent der Befragten wünschten sich explizit mehr evidenzbasierte Inhalte von Dermatologen auf sozialen Medien.

Junge Zielgruppen gezielt erreichbar

65 Prozent der Befragten gaben an, Inhalte von Influencern zu den Themen Hautpflege, Hauterkrankungen oder Ästhetik erhalten zu haben. Inhalte von dermatologischen Accounts zu diesen Themen erhielten hingegen nur 40 Prozent. «Der Anteil, der Soziale Medien verwendet, um sich über Hautgesundheit/Pflege sowie Prävention zu informieren, ist statistisch signifikant jünger», so Lammer. Zudem ergaben sich auch wenig überraschende Geschlechterunterschiede. So gaben Frauen häufiger an, regelmässig Hautpflegeroutinen zu verwenden oder ästhetische Eingriffe durchführen zu lassen.

Für Lammer zeigen diese Ergebnisse einen klaren Auftrag an die Dermatologie. Denn wenn soziale Medien die Wahrnehmung von Hautgesundheit und Pflegeverhalten der Nutzer messbar beeinflussen, eröffnen algorithmusbasierte Plattformen auch die Möglichkeit, evidenzbasierte Inhalte mit grosser Reichweite zu verbreiten.

Der bislang geringe Anteil ärztlich ausgearbeiteter Beiträge sei daher «eine Handlungsaufforderung an uns alle, dass dieser Anteil in Zukunft deutlich steigen muss.» Eine moderne dermatologische Patientenversorgung und Aufklärungsarbeit und soziale Medien gehen für den Dermatologen Hand in Hand.