Behandlungsoptionen bei akuter Appendizitis im Langzeitvergleich
Bei einer akuten unkomplizierten Appendizitis stellt sich die Frage: operieren oder konservativ mit Antibiotika behandeln? Finnische Forscher untersuchten, wie sich beide Ansätze über zehn Jahre in Wirksamkeit, Komplikationen und dem Auftreten von Neoplasien unterscheiden.

Randomisierte Studien zeigen, dass Antibiotika eine sichere Alternative zur Operation bei CT-bestätigter unkomplizierter Appendizitis sind, schreibt ein Team um Prof. Dr. Paulina Salminen vom Universitätsspital Turku. Doch die konservative Therapie birgt die Sorge, Tumoren der Appendix zu übersehen, vor allem bei älteren Patienten.
Neoplasierisiko und Langzeitvergleich der Therapiestrategien
Das Risiko für Neoplasien der Appendix hängt vom Schweregrad der Appendizitis ab. Frühere Studien zeigten ein Risiko von 1,5 % bei der unkomplizierten und 2,4 % bei der komplizierten Form. Am höchsten war die Prävalenz bei komplizierter Appendizitis mit periappendikulärem Abszess (14,3 %).
Bisher fehlten randomisierte Studien, die langfristig eine Appendektomie mit der Antibiotikatherapie vergleichen. Deshalb führten die Autoren ein Zehn-Jahres-Follow-up der APPAC-Studie durch (1). In dieser Studie wurden Patienten zwischen 18 und 60 Jahren mit unkomplizierter Appendizitis entweder operiert oder zunächst drei Tage intravenös mit Ertapenem und anschliessend sieben Tage oral mit Levofloxacin und Metronidazol behandelt. Ergebnisse nach einem und fünf Jahren hatte das Team bereits veröffentlicht (2,3).
Rezidiv bei 37,8 % in der Antibiotika-Gruppe
Initial hatten 530 Patienten (62,1 % Männer, 37,9 % Frauen) an der APPAC-Studie teilgenommen. Bei 257 von ihnen (medianes Alter: 33 Jahre) war eine antibiotische Therapie erfolgt, 273 von ihnen (medianes Alter: 35 Jahre) hatten sich einer Appendektomie unterzogen.
In die Primäranalyse des Zehn-Jahre-Follow-ups konnten die Wissenschaftler 253 Personen aus der Antibiotika-Gruppe einschliessen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 3,2 % der Probanden gestorben. Sämtliche Todesfälle standen nicht in Zusammenhang mit der akuten Appendizitis. 37,8 % der Teilnehmer in der Antibiotika-Gruppe erlitten innerhalb von zehn Jahren ein histologisch bestätigtes Appendizitis-Rezidiv. Die kumulative Appendektomie-Inzidenz betrug 27,3 % nach einem Jahr, 39,1 % nach fünf Jahren und 44,3 % nach zehn Jahren.
Nach zehn Jahren hatten noch 143 der konservativ behandelten Patienten eine intakte Appendix, die per MRI auf eine potenzielle Neoplasie untersucht werden konnte. 102 von ihnen unterzogen sich diesem bildgebenden Verfahren. Bei zwei Betroffenen ergab das MRI einen starken Verdacht auf einen appendikalen Tumor und sie wurden appendektomiert. Bei beiden zeigte die Histologie eine LAMN (low-grade appendiceal mucinous neoplasm) und es waren keine weiteren Behandlungen notwendig.
Die Zehn-Jahres-Prävalenz appendikaler Tumoren in diesem Kollektiv von Patienten mit unkomplizierter akuter Appendizitis betrug 1,2 %. Zwischen der Appendektomie-Gruppe (1,5 %) und den konservativ behandelten Patienten (0,9 %) fand sich keine signifikante Differenz (p = 0,70).
Sehr geringes Risiko für appendikale Neoplasie
Die kumulative Rate an Komplikationen – wie z. B. Wundinfektionen, persistierende Abdominalschmerzen oder Nebenwirkungen der Antibiotika-Gabe – unterschied sich nach zehn Jahren signifikant zwischen den beiden Kollektiven: Während es bei 27,4 % der Patienten in der Appendektomie-Gruppe zu einer Komplikation kam, waren nur 8,5 % der Probanden in der Antibiotika-Gruppe betroffen (p < 0,001).
Da mehr als die Hälfte der konservativ behandelten Patienten eine Operation im weiteren Verlauf vermeiden konnten, bestätigt diese Zehn-Jahres-Analyse der APPAC-Studie aus Sicht der Autoren die langfristige Umsetzbarkeit und die Sicherheit der antibiotischen Therapie bei unkomplizierter akuter Appendizitis. 1,2 % der Patienten entwickelten in Zusammenhang mit der Erkrankung eine appendikale Neoplasie – ein Risiko, das die Wissenschaftler um Prof. Salminen als sehr gering einstufen. Insgesamt kommen die Autoren zum Schluss, dass die Resultate ihrer Studie den Einsatz von Antibiotika als Therapieoption bei erwachsenen Patienten mit unkomplizierter akuter Appendizitis unterstützen.
- Salminen P et al. Antibiotic Therapy for Uncomplicated Acute Appendicitis: Ten-Year Follow-Up of the APPAC Randomized Clinical Trial. JAMA. 2026 Jan 21:e2525921. doi: 10.1001/jama.2025.25921.
- Salminen P et al. Antibiotic Therapy vs Appendectomy for Treatment of Uncomplicated Acute Appendicitis: The APPAC Randomized Clinical Trial. JAMA 2015; 313(23): 2340–2348. doi: 10.1001/jama.2015.6154.
- Salminen P et al. Five-Year Follow-up of Antibiotic Therapy for Uncomplicated Acute Appendicitis in the APPAC Randomized Clinical Trial. JAMA. 2018; 320(12): 1259–1265. doi: 10.1001/jama.2018.13201.