Medical Tribune
17. März 2026Nicht nur Auswirkungen auf die Haut

Höheres Krebsrisiko bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis

Weltweit leiden über 60 Millionen Menschen an Psoriasis – vor allem in wohlhabenden Ländern mit älterer Bevölkerung. Die Krankheit betrifft nicht nur die Haut, sondern geht oft mit systemischen Begleiterkrankungen einher, darunter ein erhöhtes Krebsrisiko. Eine aktuelle Studie liefert dazu erstmals belastbare Daten.

Dermatologische Untersuchung: Eine Ärztin begutachtet Hautveränderungen bei einem Patienten während der Konsultation.
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Das gesteigerte Krebsrisiko bei Psoriasis hat mehrere Ursachen: Die chronische Entzündung schädigt die DNA, während immunmodulatorische Therapien und häufige Risikofaktoren wie Adipositas, Rauchen und Alkoholkonsum das Risiko zusätzlich erhöhen. Frühere Studien zeigten widersprüchliche Ergebnisse, meist wegen uneinheitlicher Studiendesigns – etwa bei der Auswahl der Psoriasis-Patienten, den Methoden oder den berücksichtigten Krebsarten. Ziel der neuen Untersuchung war es, das Krebsrisiko von Psoriasis-Patienten anhand einheitlicher Analysen zu bewerten und den Zusammenhang mit dem Schweregrad der Erkrankung zu prüfen.

Ein Forscherteam um Dr. Alex Trafford von der University of Manchester führte dazu bevölkerungsbasierte Kohortenstudien in Dänemark, England, Israel und Taiwan durch. Die Daten stammten aus elektronischen Gesundheitsakten. Die Wissenschaftler verglichen Erwachsene mit Psoriasis-Diagnose mit bis zu sechs Personen ohne Psoriasis. Sie untersuchten das Gesamtkrebsrisiko, 26 organspezifische Krebsarten und den Einfluss des Schweregrads der Psoriasis. Als mittelschwer bis schwer galt die Erkrankung, wenn Patienten systemische Therapien, Phototherapie oder Biologika erhielten. Alter, Geschlecht, Kalenderzeit, ethnische Zugehörigkeit und sozioökonomischer Status flossen als potenzielle Störfaktoren in die Analyse ein. Das Datum der ersten Psoriasis-Diagnose diente als Ausgangspunkt, der Beobachtungszeitraum reichte bis zur ersten Krebsdiagnose, zum Tod oder zum Studienende.

Mechanismen bleiben unklar

Die Studie zeigte: Das Gesamtkrebsrisiko war leicht erhöht (gepoolte Hazard Ratio [HR] 1,05) und stieg mit der Schwere der Psoriasis (moderate bis schwere Verläufe: HR 1,09). Psoriasis-Patienten hatten ein höheres Risiko für bestimmte Krebsarten, darunter solche mit schlechter Prognose wie Lungen-, Leber- oder Speiseröhrenkrebs. Besonders häufig traten bösartige Tumoren in Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre, Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere und Harnblase auf, ebenso Keratinozyten-Karzinome, Hodgkin- und Non-Hodgkin-Lymphome sowie Leukämien. Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis stieg das Risiko für alle Krebsarten weiter an. Zudem war das Risiko für Lungen-, Kehlkopf- und Eierstockkrebs erhöht, während es für Prostatakrebs leicht sank.

Die genauen Mechanismen, die Psoriasis und Krebs verbinden, sind noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich spielen genetische Veranlagung, Lebensstil, Begleiterkrankungen und Psoriasis-Therapien eine Rolle. Das erhöhte Krebsrisiko unterstreicht jedoch die Bedeutung gezielter Prävention. Aufklärung, die Förderung eines gesunden Lebensstils und regelmässige Früherkennungsuntersuchungen können helfen, das Risiko zu senken und Krebserkrankungen frühzeitig zu erkennen.