Was die KI mit der Psyche macht
Für viele Menschen ist Künstliche Intelligenz (KI) längst Teil des Alltags. Wie stark und in welcher Form die Nutzung von KI mit negativen affektiven Symptomen bei Anwendern zusammenhängt, haben nun US-amerikanische Wissenschaftler untersucht.

Dr. Roy Perlis vom Massachusetts General Hospital in Boston und sein Team analysierten Daten aus einer Internet-Umfrage des Civic Health and Institutions Project (CHIP-50). Die Befragten, alle mindestens 18 Jahre alt, gaben an, wie oft und wofür sie KI-Anwendungen nutzen. Zudem erfassten die Forscher negative Gefühlszustände: Depressionen mit dem 9-item Patient Health Questionnaire (PHQ-9), Angst mit dem 2-item Generalized Anxiety Disorder Screen (GAD-2) und Reizbarkeit mit dem Brief Irritability Test (BITe-5).
Über 20.000 Personen mit einem Durchschnittsalter von 47,3 Jahren nahmen teil. 49,8 % waren Männer, 49,5 % Frauen und 0,6 % nonbinär. 10,3 % der Befragten nutzten KI mindestens einmal täglich – 87,1 % privat, 48,0 % beruflich und 11,4 % für schulische Zwecke. Männer, jüngere Erwachsene, Menschen mit höherem Bildungsgrad und Einkommen sowie Stadtbewohner griffen signifikant häufiger täglich auf KI zurück.
Sind diese Zusammenhänge kausal?
Das Ausmass des KI-Gebrauchs war mit signifikant höheren PHQ-9-Scores und somit mit stärkeren depressiven Symptommen assoziert (β = 1,08 für täglichen und β = 0,86 für mehrmals tägliche Verwendung im Vergleich zu keiner KI-Nutzung) – sowie mit einer höhere Wahrscheinlichkeit, zumindest moderate depressive Symptome zu entwickeln (OR 1,29). Ähnliche Zusammenhänge zeigten sich für Angst und Reizbarkeit. Zudem stand die Nutzung von KI signifikant mit stärkeren depressiven Symptomen in Zusammenhang bei Inanspruchnahme für den persönlichen Gebrauch (β = 0,31) sowie bei Personen im Alter von 25–44 Jahren (β = 1,22) und 45–64 Jahren (β = 1,38), jedoch nicht bei den restlichen Altersgruppen.
Die Autoren kommen zum Schluss, dass weitere Forschungsarbeiten erforderlich sind, um zu klären, ob es sich um kausale Zusammenhänge handelt und wie die heterogenen Effekte zu erklären sind.
Perlis RH et al. Generative AI Use and Depressive Symptoms Among US Adults. JAMA Netw Open. 2026; 9(1): e2554820. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2025.54820.