Tai-Chi gegen chronische Insomnie
Tai-Chi ist in China weit verbreitet, erfreut sich allerdings auch in westlichen Ländern zunehmender Beliebtheit. Ob sich die Bewegungskunst als Therapieoption bei Patienten mit chronischer Insomnie im mittleren bis höheren Alter eignet, prüften Wissenschaftler in einer aktuellen Studie.

Die chronische Insomnie ist eine der häufigsten Schlafstörungen im mittleren und höheren Alter. Die weltweite Prävalenz beläuft sich auf 4–22 % – je nach verwendeten Diagnosekriterien, schreiben Prof. Dr. Parco Siu, Universität Hongkong, und Kollegen. Aufgrund ihrer sehr guten Wirksamkeit und minimalen Nebenwirkungen ist die kognitive Verhaltenstherapie bei Insomnie (CBT-I) die erste Wahl bei der Behandlung. Da jedoch der Zugang zur CBT-I aufgrund fehlender Verfügbarkeit oder hoher Kosten oft eingeschränkt ist, besteht ein Bedarf an alternativen Verfahren zur Therapie der chronischen Insomnie.
Tai-Chi – eine Form von «Geist-Körper-Übungen» – ist in chinesischen Gemeinschaften weit verbreitet und erfreut sich auch in westlichen Ländern zunehmender Beliebtheit. Es gilt als geeignete Trainingsform für Menschen mittleren und höheren Alters – selbst für diejenigen, die inaktiv oder nicht fit sind. Tai-Chi ist zudem kostengünstig und leicht zugänglich.
Dreimonatige Programme in beiden Gruppen
In einer randomisierten Studie prüften Wissenschaftler um Prof. Siu, ob eine Tai-Chi-Intervention bei Patienten mit chronischer Insomnie der CBT-I nicht unterlegen ist. Sie rekrutierten 200 Probanden im Alter von ≥ 50 Jahren. Es erfolgte eine Randomisierung von je 100 Patienten in die beiden Gruppen. Die Tai-Chi-Intervention bestand aus einem dreimonatigen, durch einen Instruktor geführten Programm mit einstündigen Sessions zweimal wöchentlich. Die Teilnehmer der CBT-I-Gruppe absolvierten über den gleichen Zeitraum ebenfalls einstündige Sitzungen zweimal wöchentlich.
Der primäre Endpunkt der Untersuchung war die Veränderung des Insomnia Severity Index (ISI). Dieser besteht aus sieben Items, für die jeweils 0 bis 4 Punkte vergeben werden. Das ergibt eine maximale Punktzahl von 28 Punkten. Zur Baseline betrug der ISI der Tai-Chi-Gruppe 16,45 Punkte und jener der CBT-I-Gruppe 17,41 Punkte, was einer moderaten Insomnie entspricht.
Nichtunterlegenheit nach 15 Monaten
Von den 200 eingeschlossenen Patienten komplettierten 166 das Assessment nach drei Monaten (also direkt nach Ende der Interventionsperiode) und 167 jenes nach 15 Monaten (ein Jahr nach Intervention). In der Tai-Chi-Gruppe zeigte sich nach drei Monaten eine ISI-Reduktion um 6,67 Punkte. In der CBT-I-Gruppe sank dieser hingegen um 11,19 Punkte. Die Differenz zwischen den Gruppen betrug 4,52 Punkte und lag somit über der vordefinierten Nichtunterlegenheitsgrenze von 4 Punkten. Das bedeutet, dass Tai-Chi nach drei Monaten der CBT-I unterlegen war.
Bei der Erhebung nach 15 Monaten zeigte sich in der Tai-Chi-Gruppe eine Reduktion im ISI um 9,51 Punkte und in der CBT-I-Gruppe um 10,18 Punkte. Somit betrug der Unterschied zwischen den Gruppen nur noch 0,68 Punkte. Tai-Chi war der CBT-I zu diesem Zeitpunkt also nicht mehr unterlegen.
Darüber hinaus hatten Tai-Chi und CBT-I vergleichbare Vorteile hinsichtlich subjektiver Schlafparameter, Lebensqualität, psychischer Gesundheit und körperlicher Aktivität. Die Autoren kommen zum Schluss, dass die Ergebnisse ihrer Studie Tai-Chi als alternativen Behandlungsansatz für die langfristige Behandlung chronischer Insomnie bei Patienten im mittleren und höheren Alter unterstützen.
Siu PM et al. Tai chi or cognitive behavioural therapy for treating insomnia in middle aged and older adults: randomised non-inferiority trial. BMJ. 2025; 391: e084320. doi: 10.1136/bmj-2025-084320.