Medical Tribune
9. Feb. 2026Natives Olivenöl extra schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl

Die mediterrane Ernährung gilt als Musterbeispiel gesunder Kost. Studien belegen ihren Schutz für das Herz-Kreislauf-System – mit Olivenöl als Schlüsselfaktor. Doch Olivenöl ist nicht gleich Olivenöl, wie eine grosse spanische Studie erneut zeigt.

Brot in hochwertigem Olivenöl mit Kräutern – Symbol für die mediterrane Ernährung und den kardiovaskulären Nutzen von
Ruslan Mitin/stock.adobe.com

Natives Olivenöl extra (Extra Virgin Olive Oil, EVOO) unterscheidet sich klar von raffiniertem Olivenöl (Common Olive Oil, COO). Bei der schonenden Kaltpressung bleiben wertvolle Pflanzenstoffe, sogenannte Polyphenole, erhalten. Beim Raffinieren gehen diese fast vollständig verloren. Obwohl beide Öle ähnlich viele einfach ungesättigte Fettsäuren enthalten, wirken sie unterschiedlich stark antioxidativ und entzündungshemmend.

Die aktuelle Studie untersuchte, wie sich natives Olivenöl extra im Vergleich zu raffiniertem Olivenöl auf die kardiovaskuläre Gesundheit auswirkt. Spanische Wissenschaftler um Dr. Javier Pérez de Rojas nutzten dafür Daten der PREDIMED-Studie, einer multizentrischen, randomisierten Untersuchung zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Anders als frühere Arbeiten analysierten sie ein breites Spektrum kardiovaskulärer Endpunkte, darunter periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK), Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern. Zudem erfassten sie die Ernährung der Teilnehmer regelmässig über Jahre hinweg. Frühere Studien stützten sich meist nur auf Ernährungsdaten zu Beginn und ignorierten spätere Veränderungen.

Die Forscher analysierten 7.102 Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko, die zu Studienbeginn noch keine manifeste Herz-Kreislauf-Erkrankung hatten. Sie erfassten den Olivenöl-Konsum jährlich und berechneten Durchschnittswerte für EVOO und COO. Der primäre Endpunkt umfasste Myokardinfarkt, Schlaganfall, pAVK, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern oder kardiovaskulären Tod – je nachdem, welches Ereignis zuerst eintrat. Zusätzlich untersuchten sie die einzelnen Endpunkte separat.

Hoher Konsum von nativem Olivenöl schützt

Die Langzeitanalyse zeigte klar: Patienten mit hohem Konsum von nativem Olivenöl extra erlitten seltener Schlaganfälle, pAVK und Vorhofflimmern. Teilnehmer im obersten Terzil, die täglich 49,2 g EVOO zu sich nahmen, senkten ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa 25 % im Vergleich zu Personen im niedrigsten Terzil (6,3 g täglich). Im obersten Dezil (60,9 g täglich) halbierte sich das Risiko im Vergleich zum niedrigsten Dezil (0,0 g täglich). Zudem zeigte sich ein linearer Zusammenhang: Jede zusätzliche Aufnahme von 10 g EVOO pro Tag senkte das Risiko um etwa 9 %. Für Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz und kardiovaskulären Tod fanden die Forscher jedoch keine klaren Schutzwirkungen.

Bemerkenswert ist, dass raffiniertes Olivenöl trotz der ähnlichen Fettzusammensetzung nur geringe bis gar keine Vorteile zeigte. Das spricht dafür, dass vor allem die bioaktiven Inhaltsstoffe des nativen Olivenöls extra, insbesondere die Polyphenole, für die herzschützende Wirkung verantwortlich sind. Ihre antioxidativen Eigenschaften könnten z. B. bei einem Schlaganfall helfen, Gewebeschäden durch Sauerstoffmangel zu begrenzen, indem sie die zerebrale Durchblutung verbessern und die Thrombusbildung hemmen.

Damit bestätigen die Ergebnisse frühere Studien, die den günstigen Einfluss von nativem Olivenöl auf die Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen bereits nachgewiesen hatten. Allerdings ist es nur ein Baustein unter vielen: Auch soziale Faktoren wie ein niedriger sozioökonomischer Status und chronischer Stress erhöhen das Risiko wesentlich, so das Autorenteam.

Die Studie hatte zudem gewisse Schwächen. Bei den Teilnehmern handelte es sich z. B. nur um ältere Menschen mit hohem Risiko, zudem sind Ernährungsangaben nie völlig exakt. Aber dennoch: Das lange Follow-up, die wiederholten Messungen und die differenzierte Betrachtung der Öltypen unterstreichen die hohe Aussagekraft der Ergebnisse.