Kardiovaskuläre Sicherheit hormoneller Kontrazeptiva bei psychischen Erkrankungen
Eine grosse Kohortenstudie zeigt: Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel erhöhen bei Frauen mit Depressionen oder Angststörungen nicht das kardiovaskuläre Risiko. Im Gegenteil! Anders könnte es bei Frauen mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) aussehen.

Stress und seine psychischen Folgen beeinflussen die Herz-Kreislauf-Gesundheit von Frauen erheblich. Doch wie wirken sich hormonelle Verhütungsmittel in diesem Zusammenhang aus? Eine retrospektive Kohortenstudie aus den USA untersuchte den Zusammenhang zwischen der Anwendung kombinierter hormoneller Kontrazeptiva und dem Risiko für kardiovaskuläre sowie thrombotische Ereignisse. Dabei berücksichtigten die Forschenden stressbedingte psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und PTBS, die bei Frauen häufig auftreten und das kardiovaskuläre Risiko erhöhen.
Fast ein Drittel der Frauen mit Depressionen
Die Analyse basiert auf elektronischen Gesundheitsdaten einer grossen US-amerikanischen Datenbank. Eingeschlossen wurden 31 824 Frauen im Alter zwischen 18 bis 55 Jahren, die laut ICD-10 im Laufe ihres Lebens an Depressionen, Angststörungen oder PTBS erkrankt waren. Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva in der Medikamentenanamnese wurden mithilfe des standardisierten Benennungssystems für Medikamente, RxNorm, erfasst.
Als primäre Endpunkte galten das Auftreten schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse (Major Adverse Cardiovascular Events, MACE) sowie tiefe Venenthrombosen (TVT). Die Auswertung erfolgte unter Berücksichtigung relevanter kardiovaskulärer und thrombotischer Risikofaktoren.
Bei rund 38 % der Frauen war im Laufe ihres Lebens die Verschreibung kombinierter hormoneller Kontrazeptiva dokumentiert. Stressassoziierte psychische Erkrankungen waren häufig: Etwa 29 % der Frauen litten an Depressionen, 11 % an Angststörungen und 6 % an PTBS. Insgesamt traten MACE bei 1,5 % und TVT bei 0,9 % der Teilnehmerinnen auf.
Vorsicht mit Kontrazeptiva bei PTBS geboten?
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild je nach psychischer Erkrankung. Weder Depressionen noch Angststörungen beeinflussten den Zusammenhang zwischen hormoneller Kontrazeption und dem Risiko für MACE oder TVT signifikant. Die Anwendung kombinierter hormoneller Kontrazeptiva war – unabhängig von diesen beiden Diagnosen – mit einem geringeren Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert. Für thrombotische Ereignisse ergaben sich keine belastbaren Zusammenhänge.
Dagegen modifizierte PTBS signifikant den Zusammenhang zwischen hormoneller Kontrazeption und kardiovaskulären Ereignissen. In stratifizierten Analysen war die Anwendung hormoneller Kontrazeptiva bei Frauen ohne PTBS mit einer etwa 30%igen Reduktion des MACE-Risikos verbunden. Bei Frauen mit PTBS zeigte sich hingegen kein protektiver Effekt; vielmehr lag die geschätzte Odds Ratio für MACE über 1, erreichte jedoch keine statistische Signifikanz. .
Zusätzliche explorative Analysen, die verschiedene Generationen hormoneller Kontrazeptiva berücksichtigten, zeigten keine konsistenten Unterschiede im Hinblick auf kardiovaskuläre oder thrombotische Risiken, unabhängig vom Vorliegen psychischer Erkrankungen.
PTBS als Sonderfall bei hormoneller Kontrazeption
Das Autorenteam schlussfolgert, dass kombinierte hormonelle Kontrazeptiva bei Frauen mit Depressionen oder Angststörungen nicht mit einem erhöhten kardiovaskulären oder thrombotischen Risiko assoziiert sind und möglicherweise sogar protektive Effekte aufweisen. Diese günstigen Assoziationen scheinen jedoch nicht auf Frauen mit PTBS übertragbar zu sein. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass PTBS im Kontext hormoneller Kontrazeption und kardiovaskulärer Gesundheit eine besondere Rolle einnimmt und möglicherweise durch spezifische pathophysiologische Mechanismen wie eine erhöhte sympathische Erregung gekennzeichnet ist. Aufgrund der methodischen Einschränkungen von Routinedatenanalysen betonen die Forscherinnen und Forscher den Bedarf an weiterführenden Untersuchungen.
Thomas JL et al. Hormonal Contraceptive Use, Stress Disorders, and Cardiovascular and Thrombotic Risk in Women. JAMA Network Open. 2026; 9(1): e2551878. doi:10.1001/jamanetworkopen.2025.51878
