Medical Tribune
12. Jan. 2026Vom Ultraschall zur Tumor-DNA

Endometriumkarzinom: Fortschritte in Diagnostik, Klassifikation und Therapie

Das Endometriumkarzinom ist in der Schweiz das zweithäufigste Malignom der Frau. Meist wird es früh erkannt, da Blutungsstörungen oft erste Hinweise liefern. Fortschritte in der molekularen Klassifikation und minimalinvasive Operationstechniken verbessern die Prognose. Eine Schweizer Expertin präsentierte aktuelle Entwicklungen.

Robotergestützte Hysterektomie im Operationssaal: Der chirurgische Eingriff erfolgt minimalinvasiv mit Unterstützung eines
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In der Schweiz erkranken jährlich knapp 950 Frauen an einem Endometriumkarzinom. Die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa 22 % und ähnelt der des Mammakarzinoms, erklärte Prof. Dr. Rosanna Zanetti Dällenbach, Chefärztin der Klinik für Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie am Claraspital Basel (1).

Pathologische uterine Blutungen treten in 75–90 % der Fälle auf und gelten als Hauptsymptom. Häufig machen postmenopausale Blutungen (91 %) oder Menometrorrhagien in der Prämenopause die Erkrankung sichtbar. Allerdings liegt bei nur 9 % der Frauen mit postmenopausaler Blutung tatsächlich ein Endometriumkarzinom vor. Die Diagnose erfolgt meist frühzeitig mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von 80–90 %.

Ein sonografisch suspektes, hoch aufgebautes (> 4 mm) und/oder schlecht abgrenzbares Endometrium sollte abgeklärt werden. Pathologische PAP-Abstriche haben kaum Relevanz. Die Standarddiagnostik kombiniert Ultraschall, Hysteroskopie und fraktionierte Kürettage.

Tumor-DNA im vaginalen Blut bestimmen

Eine neue diagnostische Möglichkeit bietet der WID®-easy-Test, bei dem vaginales Blut aufgefangen und Tumor-DNA durch ein Labor bestimmt wird. Eine Lancet-Studie (2023) mit fast 400 Frauen über 45 Jahren mit pathologischer Blutung zeigte eine höhere Spezifität als der Ultraschall (2).

Während der Ultraschall (Endome­triumsdicke > 3 mm) in über 50 % der Fälle falsch-positive Ergebnisse lieferte, lag die Rate beim WID®-easy-Test bei nur rund 3 %. In der Schweiz müssen Patientinnen die Kosten von 420 CHF derzeit selbst tragen.

POLE-mutierte Karzinome haben eine gute Prognose

Die histologische Einteilung in den nichtaggressiven Typ I und den aggressiven Typ II reicht heute nicht mehr aus. Eine molekulare Klassifikation ergänzt sie (3). «Hochinteressant ist, dass die verschiedenen molekularen Klassen ganz unterschiedliche Prognosen haben», betonte Prof. Zanetti Dällenbach. POLE-mutierte Karzinome haben eine sehr gute Prognose, Karzinome mit Mikrosatelliteninstabilität (Mismatch-Reparatur-Defizienz) eine mittlere. Dagegen gelten p53-mutierte Karzinome als prognostisch ungünstig. Die meisten Karzinome zeigen kein spezifisches molekulares Profil (NSMP) und liegen prognostisch dazwischen.

Insbesondere ältere, adipöse und komorbide Patientinnen mit erhöhtem Operationsrisiko profitieren von der operativen Deeskalation. In den FIGO-Stadien I und II erfolgt eine Staging-Operation: eine laparoskopische Hysterektomie mit bilateraler Adnexektomie und Sentinel-Lymphknoten-Biopsie. Eine Tumorinfiltration des zervikalen Stromas (Stadium II) stellt keine Indikation für eine radikale Hysterektomie dar. Eine Omentektomie wird bei aggressiven Karzinomen durchgeführt, nicht jedoch beim klarzelligen Endometriumkarzinom.

Chirurgische Strategie bei fortgeschrittenem Endometriumkarzinom

Patientinnen mit Stadium III und IV erhalten eine sogenannte Debulking-Operation. Ziel ist die komplette Tumorresektion (R0). Vergrösserte Lymphknoten werden ebenfalls entfernt. Es erfolgt keine systematische Lymphonodektomie. Gelingt keine R0-Resektion, sollte eine neoadjuvante Therapie mit anschliessender Operation folgen. «Aktuell hat die molekulare Klassifizierung noch keinen Einfluss auf die Wahl der operativen Therapie, aber ich denke, das wird sich in den nächsten Jahren ändern», sagte die Expertin.

Radikale Hysterektomien bei Zervixinfiltration gelten als überholt. Intraoperative Schnellschnitte sind heute obsolet ebenso Morcellierungen, da sie das Risiko einer Tumor­aussaat erhöhen. Die Spülzytologie gehört nicht zur FIGO-Klassifikation, und ihr Einfluss auf Therapieentscheidungen bleibt unklar. Eine positive Spülzytologie verschlechtert jedoch die Prognose (4).

Therapie nach FIGO und molekularer Klassifizierung

Die überarbeitete FIGO-Klassifikation 2023 berücksichtigt nun aggressives oder nichtaggressives Wachstum, das Ausmass der lymphovaskulären Invasion (LVSI) und das Auftreten synchroner Ovarialkarzinome (neues Stadium FIGO IA3). Kombiniert mit der molekularen Klassifikation ergibt sich eine postoperative Risikokategorisierung, die sich auf die anschliessende adjuvante Therapieempfehlung auswirkt.

Die Low-Risk-Risikogruppe benötigt keine weitere Therapie. Patientinnen mit «intermediate risk» erhalten meist eine Brachytherapie. Bei «high intermediate risk» erfolgt eine Strahlentherapie und High-Risk-Patientinnen bekommen eine kombinierte Radio- und Chemotherapie.

Prof. Zanetti Dällenbach präsentierte den Fall einer 32-jährigen Patientin mit synchronem Ovarial- und Endometriumkarzinom (L0 V0 G1 p53 wt, mikrosatellitenstabiles endometrioides Adenokarzinom, no specific molecular profile [NSMP ], FIGO IA3). Sie galt als «low risk» und benötigte keine adjuvante Therapie.

Eine 87-jährige Patientin mit mikrosatellitenstabilem Karzinom und äusserer Myometriuminfiltration (pT1b, pN0(sn) (0/2), L0 V0 G2 p53 wt, NSMP) stuften die behandelnden Ärzte in die intermediate-Risk-Gruppe ein und sie erhielt eine Brachytherapie. Wäre sie POLE-mutiert, gehörte sie in die Low-Risk-Gruppe und bräuchte keine weitere Therapie.

Neue Tests könnten die Diagnostik künftig erleichtern. Um die adjuvante Therapie individuell zuschneiden zu können, ist das FIGO-Staging und die molekulare Klassifizierung unerlässlich.