Medical Tribune
9. Jan. 2026Killer der Intimität?

Wie sich eine radikale Prostatektomie auf die Sexualität auswirkt

Nach einer radikalen Prostatektomie lassen Potenz und Libido häufig nach, doch das Bedürfnis nach Sexualität und Intimität bleibt bestehen. Laut einer neuen Studie finden viele Betroffene Alternativen zum penetrativen Geschlechtsverkehr.

Sexualität bleibt ein wichtiges Bedürfnis.
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Urogenitale Tumor­operationen stellen ein potenzielles Risiko für die sexuelle Gesundheit dar, wie PD Dr. ­Yannic Volz, LMU Klinikum München, erinnerte. In einer laufenden pro­spektiven Analyse werten er und sein Team diesbezüglich Patient-reported Outcomes (PRO) aus (1). Die Erhebung über mehrere validierte Fragebögen erfolgte sowohl vor der Resektion als auch drei und zwölf Monate postoperativ.

100 Patienten mit Prostatakrebs befragt

Die Befragung von über 100 Prostatakrebspatienten zeigte: Drei Monate nach der radikalen Prostatektomie nahmen zwar Erektionsfähigkeit, Libido, Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und sexuelle Befriedigung ab, der Stellenwert der Sexualität blieb jedoch unverändert. «Die Patienten möchten weiterhin Sexualität in ihrem Leben», betonte Volz.

Dr. Volz ergänzte, dass die Kommunikation mit dem Gesundheitspersonal nach der Operation zwar zunahm, aber weiterhin auf niedrigem Niveau blieb. «Da gibt es definitiv noch Luft nach oben», so der Experte. .»

Viele Betroffene entwickeln neue sexuelle Praktiken

Dr. Victoria Alexandra Göldner vom Klinikum Rechts der Isar in München kritisierte, dass die postoperative Bewertung des Sexuallebens zu stark auf die Erektionsfähigkeit fokussiert sei.

Sie und ihr Team untersuchten prospektiv nicht nur den Geschlechtsverkehr, sondern auch andere Formen sexueller Aktivität vor und fünf Jahre nach der Prostatektomie. Insgesamt befragten sie 718 Patienten, die fünf Jahre nach der Operation im Durchschnitt 70,7 Jahre alt waren und zu 91,9 % in einer Partnerschaft lebten.

Während vor dem Eingriff 76,2 % sexuell aktiv waren und 73,2 % Geschlechtsverkehr praktizierten, betrugen diese Raten fünf Jahre später 39,8 % und 28,6 %. Besonders häufig nannten Befragte als neu entwickelte oder vermehrt ausgeübte Praktiken Masturbation, Kuscheln und Streicheln, Oralverkehr sowie die Nutzung von Hilfsmitteln für beide Geschlechter.

Sexualität wird anders nach Prostatektomie

«Man sieht deutlich, dass die Patienten ihr Sexualleben verändern, kreativer werden, andere Formen der sexuellen Aktivität nutzen oder den Fokus auf die Intimität verlagern», so die Referentin. Sie schlussfolgerte, dass Erkrankte auch nach der Prostatektomie in gewissem Ausmass sexuell aktiv bleiben, wobei Praktiken ausser penetrativem Geschlechtsverkehr an Bedeutung gewinnen.

Somit sollten Ärzte die Beurteilung des Sexuallebens nicht nur auf die erektile Funktion beschränken, sondern weitere Aspekte in das Gespräch mit Patienten einbeziehen.ls