Medical Tribune
7. Jan. 2026Es besteht Handlungsbedarf

Alternatives Overlap-Syndrom erhöht Exazerbationsrisiko

Das alternative Overlap-Syndrom wird vielfach unterschätzt. Doch ein gleichzeitiges Auftreten von Asthma bronchiale und obstruktiver Schlafapnoe verschärft sowohl die pulmonale als auch die kardiovaskuläre Situation der Betroffenen. Eine frühzeitige Diagnostik und Therapie kann dem womöglich entgegenwirken.

Mann schnarcht
New Africa/stock.adobe.com

Zwischen Asthma bronchiale und obstruktiver Schlafapnoe (OSA) gibt es einen engen Zusammenhang. Einer Metaanalyse zufolge erhalten fast 50 % der Asthma-Kranken auch eine OSA-Diagnose.

Daraus ergibt sich im Vergleich zur Normalbevölkerung ein 2,6-fach erhöhtes Risiko. Für Patienten mit schwerem bzw. schwer zu kontrollierendem Asthma liegt die Gefahr, eine OSA zu entwickeln, sogar 4,4-fach höher. Umgekehrt wird bei etwa 35 % der von einer Schlaf­apnoe Betroffenen ein Asthma festgestellt, erläutert ein Autorenteam um Dr. Antonio­ Fabozzi­ vom Spital Policlinico Umberto I der Universität La Sapienza in Rom.

Beide Krankheitsentitäten haben mit Adipositas, gastroösophagealer Refluxkrankheit (GERD) und chronischer Rhinitis gemeinsame Risikofaktoren. Das Entzündungsgeschehen sowie mechanische Interaktionen zwischen oberen und unteren Atemwegen entsprechen sich teilweise ebenfalls. Die Autorengruppe geht deshalb davon aus, dass es nicht nur eine Koexistenz von Asthma und obstruktiver Schlafapnoe gibt, sondern ein alternatives Overlap-Syndrom (aOVS). Alternativ deshalb, weil der Terminus Overlap-Syndrom bereits durch die Kombination COPD plus OSA definiert ist.

Arousal-Schwelle meist stark herabgesetzt

Aus Sicht der Kollegen sprechen zahlreiche Charakteristika dafür, das aOVS als definierten Endophänotyp zu betrachten: Es geht z. B. etwa doppelt so häufig wie die alleinige OSA mit einer niedrigen Arousal-Schwelle einer. Diese plus die vorliegende Dysregulation des autonomen Nervensystems führen zur Fragmentation des Schlafes und zur gestörten Ventilationskontrolle. Die nächtliche Hyperreagibilität der Bronchien und eine erhöhte Resistenz der unteren Atemwege tragen zur nächtlichen Atemstörung und zu Asthma-Beschwerden bei. Die Inflammation der oberen und unteren Atemwege fördert womöglich den Rückgang der Lungenfunktion und die Verschlechterung der Schlafparameter, etwa des Apnoe-Hypopnoe-Index.

Klinisch macht sich dies alles dadurch bemerkbar, dass viele Betroffene unter einem schweren oder schwer behandelbaren Asthma und einer moderat ausgeprägten oder schweren OSA leiden. Sie haben ein höheres Risiko für Asthma-Exazerbationen und eine signifikant geringere asthmabezogene Lebensqualität. Bedingt durch anhaltende nächtliche Überaktivität des Sympathikus, häufige Hypoxien und eine schwelende systemische Inflammation ist auch ihr kardiovaskuläres Risiko deutlich gesteigert. Aufgrund ihrer Schlafstörung entwickeln sie häufiger Depressionen oder Angst.

Das alternative Overlap-Syndrom wird zu selten diagnostiziert, kritisiert die Autorengruppe in ihrem Review. Um einer gleichzeitigen OSA bei schwer erkrankten Asthma-Patienten auf die Spur zu kommen, bietet sich aus ihrer Sicht der Einsatz von Fragebögen wie dem STOP-Bang oder dem Berliner Fragebogen an. Ganz besonders gelte dies bei denjenigen mit Adipositas, GERD oder chronischer Rhinitis.

Mangels Daten für eine gezielte Therapie des aOVS wird man sowohl das Asthma als auch die OSA spezifisch behandeln und auf einen doppelten Effekt hoffen. Tatsächlich konnte gezeigt werden, dass sich unter einer konsequent durchgeführten CPAP das asthmabezogene Outcome der aOVS-Kranken, d. h. Symptomlast, Lebensqualität und Häufigkeit von Exazerbationen, bessert.

Biologika könnten Apnoe-Episoden reduzieren

Belege dafür, dass eine gute medikamentöse Asthma­kontrolle die Zahl der Apnoen und Hypopnoen reduziert, gibt es dagegen nicht. Fallberichte deuten allerdings auf einen verbesserten Apnoe-Hypopnoe-Index unter Omalizumab bzw. Benralizumab hin. Die Autorengruppe fordert dazu auf, spezifische Leitlinien zum alternativen Overlap-Syndrom zu entwickeln oder zumindest einen Expertenkonsens zu erarbeiten. Dies soll eine standardisierte Diagnostik ermöglichen und einer personalisierten Therapie Vorschub leisten.