Medical Tribune
7. Dez. 2025Kinder konservativ behandeln?

Antibiotika statt Operation bei Peritonsillarabszess

Einen Peritonsillarabszess bei Kindern und Jugendlichen behandelt man meist chirurgisch. Wissenschaftler zeigten nun auf, dass die alleinige Antibiotika-Therapie eine sichere Alternative darstellt, vor allem bei jüngeren Patienten ohne schwerwiegende Manifestationen.

Ein Kinderarzt inspiziert den Rachen eines Mädchens sorgfältig mit Spatel und Lampe.
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Das klinische Erscheinungsbild des Peritonsillarabszesses (PTA) umfasst Fieber, Halsschmerzen, Dysphagie und klossige Stimme. Atembeschwerden, Trismus und Torticollis zählen zu den schwerwiegenderen PTA-Symptomen. Die Diagnose erfolgt in erster Linie klinisch, in komplexen oder atypischen Fällen ist eine Bildgebung notwendig.

Antibiotika vs. Chirurgie untersucht

Traditionell wird der PTA chirurgisch behandelt, d. h. mittels Tonsillektomie oder Inzision und Drainage. Das rein konservative Management mit Antibiotika stösst jedoch auf zunehmendes Interesse. Deshalb nahm eine Forschergruppe um Dr. Francesca Hoegger vom CHUV in Lausanne die Wirksamkeit und Sicherheit der konservativen PTA-Behandlung bei pädiatrischen Patienten genauer unter die Lupe.

In der retrospektiven Beobachtungsstudie analysierten die Wissenschaftler 107 Patienten unter 18 Jahren (Durchschnittsalter 12,5 Jahre), die zwischen 2004 und 2014 in einem tertiären Zentrum eine Behandlung erhielten. Die Diagnosestellung erfolgte überwiegend klinisch, in drei Fällen mithilfe einer Computertomografie. 93 Kinder (87 %) bekamen eine konservative Therapie mit Antibiotika, 14 wurden gleich einer Operation unterzogen. Die konservative Behandlung bestand aus intravenös verabreichtem Amoxicillin/Clavulansäure, das man nach klinischer Besserung auf orale Antibiotika umstellte.

Nur in 6,4 % der Fälle frühes Therapieversagen

Primärer Endpunkt war das frühe Therapieversagen innerhalb von zwei Wochen, definiert als Notwendigkeit einer Operation oder Auftreten von Komplikationen. Sekundäre Endpunkte umfassten spätere Rezidive oder Komplikationen sowie die kombinierte Gesamtversagensrate.

Das Ergebnis: Von den konservativ behandelten Kindern zeigten nur sechs Patienten (6,4 %) ein frühes Therapieversagen, das einen chirurgischen Eingriff erforderte, aber ohne schwerwiegende Komplikationen verlief. Die Betroffenen waren signifikant älter (medianes Alter von 15,6 Jahren) und stärker symptomatisch (Atemnot, Trismus oder Torticollis) als jene, bei denen die Antibiotika-Therapie primär griff. Unterschiede in der Gesamtdauer der Antibiotika-Therapie bestanden nicht, jedoch erhielten Patienten mit frühem Versagen länger intravenöse Antibiotika (drei Tage bei primärem Therapieerfolg vs. fünf Tage bei Therapieversagen).

Ein sekundäres Versagen trat bei neun Kindern (9,6 %) auf, ausschliesslich in Form von Rezidiven, teils erst Monate bis Jahre nach der Ersterkrankung. Alle rezidivierenden Patienten wurden letztlich tonsillektomiert. Die Gesamtversagensrate lag bei 16,1 %. Sowohl primäres als auch sekundäres Versagen betraf vor allem ältere Kinder. In der multivariaten Analyse zeigte sich ein altersabhängiges Risiko (OR 1,19 pro Jahr). Komorbiditäten beeinflussten den Therapieerfolg nicht signifikant.

Etwa ein Viertel der erfolgreich konservativ behandelten Kinder erhielt später eine elektive Tonsillektomie. Alter, Komorbiditäten oder Geschlecht spielten dabei keine Rolle.

Erfolgsquote ohne OP bei Jüngeren höher

Die Ergebnisse bestätigen eine hohe Erfolgsquote der konservativen Therapie bei Peritonsillarabszess im Kindesalter, insbesondere bei jüngeren, weniger stark symptomatischen Patienten. Ein Vergleich mit Literaturdaten zeigt ähnlich niedrige Versagensraten wie bei chirurgischen Verfahren. Komplikationen wurden in dieser Studie unter rein konservativer Behandlung nicht beobachtet.

Die Autoren betonen jedoch die Bedeutung einer sorgfältigen Patientenselektion: Schwere klinische Zeichen und höheres Alter sollten als mögliche Risikofaktoren für ein Scheitern der Antibiotika-Therapie berücksichtigt werden. Künftige Studien könnten dabei helfen, Entscheidungsalgorithmen zu entwickeln, um jene Patienten zu identifizieren, die am ehesten von einer rein antibiotischen Behandlung profitieren.