Wenn Hautkrankheiten ins Auge gehen
Viele genetische, autoimmune und systemische Erkrankungen sowie Infektionen können sowohl Haut als auch Augen betreffen. Dazu kommt, dass gängige dermatologische Therapeutika okuläre Nebenwirkungen hervorrufen können. Eine aktuelle Übersichtsarbeit fasst die Überschneidungen zusammen.

Haut und Auge teilen sich denselben embryonalen Ursprung aus dem Ektoderm, sind daher sowohl genetisch als auch funktionell eng verbunden und weisen viele Gemeinsamkeiten und Wechselwirkungen auf, schreiben Dr. Gyanesh Rathore, Militärspital Dimapur, Indien, und Kollegen.
Etliche Erkrankungen manifestieren sich in beiden Organen, wobei dermatologische Krankheitsbilder nicht selten okuläre Begleiterscheinungen aufweisen, die in der Praxis leicht übersehen werden können.
Ehlers-Danlos-Syndrom kann auch Augen betreffen
Zahlreiche genetische Syndrome illustrieren die gemeinsame Pathogenese von Haut und Auge, u. a.:
- Oculocutaner Albinismus führt häufig zu Sehstörungen, einschliesslich Nystagmus, Schielen und Photophobie.
- Beim Waardenburg-Syndrom treten neben typischen Haut- und Haarpigmentstörungen Heterochromie der Iris, Linsenveränderungen bis hin zu Makuladegeneration und Visusverlust auf.
- Das Hermansky-Pudlak-Syndrom ist neben Blutungsneigung okulär oft mit verminderter Sehschärfe, und Nystagmus vergesellschaftet.
- Beim Marfan-Syndrom treten okuläre Komplikationen häufig in Form von Linsenverlagerung, Myopie, Glaukom und Netzhautablösung auf.
- Die Neurofibromatose Typ 1 kann zu verschiedenen Augenkomplikationen führen, darunter Optikusgliome, Tumoren entlang des Sehnervs und Lisch-Knötchen.
- Neben Haut- und Gelenkbeteiligung kann das Ehlers-Danlos-Syndrom auch die Augen betreffen: okuläre Myopie, Keratokonus, Netzhautablösungen und Angioid streaks sind charakteristisch.
Unter den erworbenen Erkrankungen finden sich ebenfalls zahlreiche dermatologische Entitäten mit ophthalmologischen Manifestationen (s. Kasten).
Okuläre Begleitmanifestationen bei erworbenen dermatologischen Erkrankungen
- Toxische epidermale Nekrolyse: Okuläre Komplikationen können schwerwiegend sein und von einer Konjunktivitis bis hin zu einer irreversiblen Erblindung reichen. Ophthalmologische Betreuung mit Lubrikation, Verbandskontaktlinsen und in schweren Fällen Amnionmembran-Transplantation ist essenziell.
- Atopische Dermatitis: Begleitende okuläre Allergien mit Konjunktivitis, Blepharitis und Keratokonjunktivitis sicca. Chronisches Augenreiben begünstigt Keratokonus, der infolge von Hornhautvernarbungen zu Sehverlust führen kann, und subkapsuläre Katarakte.
- Psoriasis und Psoriasis-Arthritis: Während Psoriasis in erster Linie die Haut und Gelenke befällt, kann sie in bis zu 20 % der schweren Fälle auch zu einer Uveitis führen.
- Rosazea: Okuläre Rosazea betrifft vorwiegend die Augenlider und die vordere Augenoberfläche wie Hornhaut und Bindehaut; Blepharitis, Keratitis, Bindehauthyperämie, chronische Konjunktivitis und in schweren Fällen Bindehautvernarbung.
- Vitiligo: Okuläre Beteiligung ist selten, u. a. Hypopigmentierung von Iris und Fundus, peripapilläre Atrophie oder choroidale Ausdünnung. Besonders relevant bei Vitiligo-Läsionen im periorbitalen Bereich.
Starke Augentrockenheit beim Sjögren-Syndrom
Auch Bindegewebserkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes können die Augen beeinträchtigen und zu Lupus-Retinopathie, trockenen Augen oder Vaskulitis führen. Das Sjögren-Syndrom führt häufig zu starker Trockenheit der Augen.
Darüber hinaus existiert eine Vielzahl systemischer Erkrankungen mit kutan- und okulär-parallelen Manifestationen, darunter Diabetes mellitus, Hypertonie, Vaskulitiden, Amyloidose, HIV-Infektion, Morbus Basedow, Sarkoidose und Cushing-Syndrom.
Infektiöse Erkrankungen können ebenfalls zu Manifestationen in der Haut und den Augen wie Konjunktivitis, Keratitis, Blepharitis, Rötung, Juckreiz oder Photophobie führen:
- Bakterielle Infektionen: Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes, Pseudomonas aeruginosa, Haemophilus influenzae und Neisseria gonorrhoeae
- Virusinfektionen: Herpes simplex, Varizella Zoster, Masern, Röteln und Affenpocken
- Pilzinfektionen: Candida-, Aspergillus- und Trichophyton-Arten
- Parasitäre Infektionen wie Onchocerca volvulus, Loa onchocercid, Toxocara spp. und Leishmania spp. können Bindehautreizung, Hornhauttrübungen und Sehstörungen verursachen
«Bestimmte Medikamente, die in der Dermatologie häufig verwendet werden, können nachteilige Auswirkungen sowohl auf Augen als auch Haut haben, die von leichten Reizungen bis hin zu schweren Erkrankungen reichen können, die sofortige ärztliche Hilfe erfordern», schreiben die Autorinnen und Autoren. Bei der Verschreibung von Kortikosteroiden, Methotrexat, JAK-Inhibitoren oder Biologika sollte man stets auch mögliche ophthalmologische Nebenwirkungen im Blick behalten (s. Tabelle).
Okuläre Manifestationen manchmal unterschätzt
«Viele dermatologische Erkrankungen gehen mit assoziierten Augenmanifestationen einher, die in Form und Schwere variieren können. Trotz der eindeutigen Relevanz für die Patientenversorgung werden okuläre Manifestationen von Hauterkrankungen manchmal unterschätzt oder falsch diagnostiziert», heisst es in der Publikation weiter. Eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Dermatologie und Ophthalmologie ist daher wünschenswert.
| Wirkstoffklasse / Substanz | Oculäre Nebenwirkungen |
| Retinoide | Xerophthalmie, Nachtblindheit (Nyktalopie), Photophobie, Konjunktivitis, Hornhauttrübungen |
| Kortikosteroide (systemisch/topisch) | Posteriore subkapsuläre Katarakte, Glaukom, Hornhautverdünnung und Perforationsrisiko, Sekundärinfektionen, iatrogene Trockenheit |
| Hydroxychloroquin | (Irreversible) Retinopathie, Visusverlust, Gesichtsfeldausfälle |
| Methotrexat | Verschwommenes Sehen, Photophobie, Konjunktivitis, Optikusneuropathie infolge eines Folatmangels |
| Ciclosporin | Brennen, Stechen, Tränenfluss, verschwommenes Sehen |
| Botulinumtoxin | Ptosis, Diplopie, Keratitis, Epiphora |
| Dupilumab | Augenreizung, Tränenfluss, Bindehauthyperämie, Konjunktivitis, Xerophthalmie |
| Infliximab | Uveitis, Optikusneuritis, Retinitis, Chorioretinitis, orbitale Zellulitis, retinale Venenthrombose |
| Etanercept | Augenschmerzen, Sehverlust, Uveitis, okuläre Myositis |
| Adalimumab | Retinopathie, Uveitis, Sehverlust, Ophthalmoplegie |
| Secukinumab | Augenschmerzen, verschwommenes Sehen, Endophthalmitis |
| Ustekinumab | Uveitis, Skleritis, Optikusneuritis, Diplopie |
| Tofacitinib | Verschwommenes Sehen, Diplopie, gelbe Verfärbung der Augen |
| Baricitinib | Augenreizung, Sehverlust, selten Diplopie |
| Rituximab | Konjunktivitis, Retinitis, Netzhautnekrosen, Makulaödem |
Rathore G et al. The Interconnected World of Dermatology and Ophthalmology. JEADV Clin Pract. 2025; 4: 389–399. doi: 10.1002/jvc2.70014.
