Medical Tribune
29. Aug. 2025Weniger Myokardinfarkte und Schlaganfälle

Schützt Gürtelrose-Impfung auch die Gefässe?

Personen, die gegen Herpes zoster («Gürtelrose») geimpft sind, haben ein signifikant niedrigeres Risiko für Myokardinfarkte und Schlaganfälle. Das zeigt eine weltweite systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse.

Herpes zoster/Gürtelrose-Impfung
Sherry Young/stock.adobe.com

Frühere Studien hatten ergeben, dass nach durchgemachter Gürtelrose das Risiko für Schlaganfälle und Myokardinfarkte kurzfristig erhöht ist (siehe Kasten). Ob eine Impfung gegen das Varizella-zoster-Virus dem kardiovaskulären Risiko entgegenwirken kann, ist aber noch nicht abschliessend geklärt.

Herpes zoster, Gürtelrose und Gefässe

Die Gürtelrose wird durch eine Reaktivierung des Herpes-zoster-Virus (VZV) verursacht. Die Erstinfektion mit dem Erreger findet meist schon in der Kindheit statt (Windpocken). Nach der Primärinfektion nistet sich das Virus im Nervensystem ein, wo es dormant verbleibt. Einer von drei VZV-Infizierten leidet später mindestens einmal an einer Gürtelrose infolge einer Varizella-zoster-Reaktivierung.

Das Varizella zoster-Virus kann auch grosse und kleine Blutgefässe im Gehirn infizieren, was zu Entzündungen und Gefässumbildungen führt. Dies dürfte der Hintergrund des erhöhten kardiovaskulären Risikos bei Patienten mit Gürtelrose sein.

Die vorliegende Untersuchung ist die erste globale Übersichtsarbeit, die sich mit der vorliegenden Gesamt-Evidenz zur Gürtelrose-Impfung und kardiovaskulären Ereignissen befasste.

Weniger kardiovaskuläre Ereignisse nach Zoster-Impfung

Insgesamt 19 Studien aus drei wissenschaftlichen Datenbanken gingen in die Übersichtsarbeit ein. Acht Beobachtungsstudien und eine Sicherheitsanalyse von zwei gepoolten randomisierten kontrollierten Phase-III-Studien erfüllten alle Einschlusskriterien für die Meta-Analyse. Das mediane Alter der Teilnehmer über alle neun Studien hinweg belief sich auf 53,6 bis 74,0 Jahre, 53,3 % waren Männer.

Mindestens eine Dosis einer Gürtelrose-Impfung (sowohl die rekombinante als auch die attenuierte Lebendvakzine-gegen Herpes zoster wurden berücksichtigt) reduzierte in der Meta-Analyse die kardiovaskulären Ereignisse in der Altersgruppe der 18- bis 50-jährigen gegenüber Ungeimpften um 18% (RR; 0,82; 95% KI: 0,76–0,87), bei über 50-jährigen um 16 % (RR: 0,84; 95%-KI: 0,82–0,87).

Ähnliche Ergebnisse ergaben sich, wenn nur Studien eingeschlossen wurden, die sich mit der rekombinanten Herpes-zoster-Impfung befassten (RR bei ≥18-jährigen: 0,79; 95%-KI: 0,65–0,97; RR bei ≥50-jährigen: 0,79; 95%-KI: 0,64–0,97). In den Studien, die das absolute kardiovaskuläre Risiko untersucht hatten, zeigte sich ein absoluter Unterschied von 1,2 bis 2,2 weniger Ereignissen pro 1.000 Personenjahre.

Kausalität bleibt unklar

Da der Grossteil der Daten, die in die Meta-Analyse eingingen, aus Beobachtungsstudien stammten, ist es aktuell noch nicht möglich, einen kausalen Zusammenhang zwischen kardiovaskulärem Risiko und Varizella-zoster-Impfung zu ziehen, betont Studienautor Dr. Charles Williams, stellvertretender Global Medical Director im Bereich Global Medical Affairs – Impfstoffe bei GSK. Weitere Forschungsarbeiten sollen diesen nun bestätigen.