Medical Tribune
27. März 2025Von Fehlbildungen bis zur zystischen Fibrose

Giemen bei Kleinkindern

Giemen bei Kleinkindern kann harmlos sein oder lebensbedrohlich werden. Welche Diagnosen muss man beachten, um schwere Folgen zu verhindern?

Ärztin hört Lunge eines Babies mit dem Stethoskop ab
Elroi/stock.adobe.com

Eine mögliche Ursache des pfeifenden Geräuschs des Giemens sind angeborene Fehlbildungen der Atemwege.

Diese machen sich oft schon direkt nach der Geburt oder in den ersten Lebensmonaten bemerkbar, können aber auch langfristig oder zeitlebens asymptomatisch bleiben. Typische Beispiele sind laryngopharyngeale Spalten und ösophagotracheale oder -bronchiale Fisteln.

Husten und Atemnot, mit oder ohne Zyanose beim Füttern, deuten darauf hin. Oft bestehen weitere Fehlbildungen wie Ösophagusatresie und Herzfehler. Die Diagnose gelingt mittels Röntgen-Breischluck-Untersuchung und Laryngobronchoskopie, die Echokardiografie ermöglicht den Ausschluss eines kardialen Vitiums.

Bei Verdacht auf Fremdkörperaspiration stets bronchoskopieren!

Potenziell tödlich verläuft die Fremdkörperaspiration. Das Ereignis wird jedoch nur in 50 bis 60 Prozent der Fälle beobachtet, was die Diagnose verzögern kann. Betroffene Kinder husten stark, leiden an Luftnot und zeigen je nach Lage des Fremdkörpers Stridor oder Giemen.

Bei der Auskultation kann das Atemgeräusch normal oder einseitig abgeschwächt sein. Einseitiges Giemen ist ebenfalls möglich. Verändert der Fremdkörper seine Lage, können diese Befunde wechselnd mal rechts, mal links erhoben werden. Jedes Kind mit Verdacht auf Fremdkörperaspiration muss bronchoskopiert werden, betonen PD Dr. Nikolaus Schwerk von der Medizinischen Hochschule Hannover und PD Dr. Tobias Ankermann vom Städtischen Krankenhaus Kiel (1).

Bronchiektasen können mit Asthma verwechselt werden

Eine weitere Differenzialdiagnose ist die protrahierte bakterielle Bronchitis (PBB), der häufigste Grund für chronisch feuchten Husten im Kleinkindalter. Dieser dauert über vier Wochen an, ohne erkennbare Ursache wie eine akute Infektion. Betroffene sind abgesehen von Husten und Giemen unbeeinträchtigt. Sie zeigen weder Fieber noch erhöhte Entzündungsparameter.

Als Alternative muss immer ein lmmundefekt ausgeschlossen werden. Wenn die Symptome im Säuglingsalter beginnen, sollten eine zystische Fibrose (CF) und eine primäre ziliäre Dyskinesie (PCD) abgeklärt werden. Unbehandelt kann die PBB zur Destruktion von Lungengewebe und Bildung von Bronchiektasen führen.

CF, PCD und Non-CF-Bronchiektasen können ebenfalls pfeifende Rhonchi auslösen. Allen gemeinsam ist die verminderte mukoziliäre Clearance mit chronischer Sekretretention und anhaltendem feuchtem Husten. Verdächtig ist eine Obstruktion, die auf Asthmatherapie nicht anspricht. Manche zeigen nach Bronchodilatatoren eine partielle Besserung, was als Asthma missverstanden werden kann.

Dank Neugeborenenscreening erkennt man die meisten CF-Fälle früh, doch bei etwa fünf Prozent gibt es falsch-negative Befunde. Bei PCD beginnt der Husten fast immer in den ersten Lebenstagen. Etwa 20 bis 30 Prozent leiden bei der Geburt an einem Atemnotsyndrom, oft als Pneumonie verkannt. Rund 50 Prozent haben einen Situs inversus, zehn Prozent einen Herzfehler. Non-CF-Bronchiektasen sind zu 60 Prozent im Röntgenbild nicht sichtbar; bei Verdacht ist eine CT nötig.