Medical Tribune
20. Feb. 2025Nahrungsergänzungsmittel-Steckbrief

Melatonin: Taktgeber der zirkadianen Rhythmik

Melatonin steuert nicht nur unseren Schlaf-Wach-Rhythmus, sondern wirkt auch als starkes Antioxidans im Körper. Seine Produktion nimmt mit dem Alter ab, während Stress und Nährstoffmängel die Synthese hemmen können. Forschungen zeigen, dass Melatonin nicht nur das Einschlafen erleichtert, sondern auch Migräne-Attacken reduzieren kann.

Weiße Flasche und Pillen, Buchstaben Melatonin, Wecker und Schlafmaske auf hellgrauem Hintergrund.
Foto: MurzikNata/GettyImages

Die regulierende Wirkung von Melatonin auf den Schlaf-Wach-Rhythmus wurde in zahlreichen Untersuchungen untersucht. Seine antioxidative Wirkung eröffnet neue Forschungsgebiete.

Physiologie

Melatonin wird in der Zirbeldrüse in mehreren Schritten aus der Aminosäure L-Tryptophan synthetisiert. Sie verläuft über 5-HTP (= 5-Hydroxytryptophan) und Serotonin zu Melatonin. Die Enzyme, die für diese Syntheseschritte nötig sind, benötigen als Co-Faktoren Folsäure, Pyridoxal-5-Phosphat und SAMe (S-Adenosylmethionin). Daraus lässt sich erkennen, wie wichtig B-Vitamine im Stoffwechselprozess sind.

Ausserdem beeinflussen Stress und Ma­gnesiummangel den ersten Schritt der Synthese negativ. Sie hemmen das dafür erforderliche Enzym Tryptophanhydroxylase.

Die höchsten Melatoninspiegel finden sich bei Kindern und Jugendlichen, während Erwachsene im Alter von 60 Jahren nur noch etwa die Hälfte der Menge einer 20-jährigen Person an Melatonin bilden.

Die Freisetzung von Melatonin aus der Zirbeldrüse wird durch ein komplexes Uhrwerk gesteuert, das im suprachiasmatischen Kern des Hypothalamus liegt. Über Melatonin-Rezeptoren erhält diese Struktur eine Rückmeldung über die Menge des zirkulierenden Melatonins und setzt dieses bei Bedarf frei. Der Blutspiegel erhöht sich zwischen 2 und 4 Uhr morgens um mehr als das 10-fache.

Wirkung als Antioxidans

Die antioxidative Wirkung von Melatonin lässt sich trotz seiner geringen Konzentration im Körper zum Teil auf seine stark lipophile Struktur zurückführen. Es leistet als Antioxidans einen wichtigen Beitrag für verschiedene Nervenstrukturen und arbeitet mit anderen Antioxidanzien, wie der körpereigenen Glutathionperoxidase, zusammen.

Zur Anwendung könnte dieser Effekt bei Migräne kommen. Es wurde eine Reduktion der Migräne-Attacken-Häufigkeit um bis zu 50 Prozent nach 3 mg Melatonin abends gezeigt.

Health Claim

Melatonin hilft die Einschlafzeit zu verkürzen und trägt zur Linderung der subjektiven Jetlag-Empfindung bei.

Steckbrief

Vorkommen: Enthalten in geringen Mengen in Walnüssen, Milch und Gemüsekeimlingen.
Symptome bei Mangel: Störungen der zirkadianen Rhythmik mit Schlafproblemen und in der Folge Tagesmüdigkeit.
Bedarf: Hilfreich zur Verkürzung der Einschlafzeit bei älteren Personen und Stress sowie zur leichteren Einstellung auf eine neue Zeitzone bei Jetlag.

Praxistipps

  • Die Einnahme von Melatonin sollte immer zum gleichen Zeitpunkt etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen erfolgen. Eine Anwendung vor dem Tagesschlaf, etwa nach einer Nachtschicht, ist zu vermeiden. Besser ist es, den Wirkstoff wieder abends zur gewohnten Uhrzeit einzunehmen.
  • Bei Jetlag kann nach der Ankunft am Zielort Melatonin für etwa eine
    Woche eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen eingenommen werden. So wird die Einstellung der inneren Uhr auf die neue Zeitzone erleichtert.
  • Bei Schlafproblem kann der Verzicht auf das Rauchen durchaus hilfreich sein, da Zigarettenrauch CYP1A2 induziert. Dieses Enzym baut Melatonin ab. Somit sinkt der Melatoninspiegel.