Aufklärung über NSAR-Gefahren mangelhaft
Studien aus Grossbritannien und Australien hatten in den vergangenen Jahren bereits gezeigt, dass bei einem Drittel aller NSAR-Nutzer Kontraindikationen für die Einnahme bestehen und etwa ein Viertel mehr als die empfohlene Höchstdosis konsumiert. Das Team um Dr. Aafke Koffeman von der Abteilung für Allgemeinmedizin der Universität Rotterdam prüfte nun, wie es um den Bezug freiverkäuflicher NSAR (over the counter, OTC) in der niederländischen Bevölkerung steht.
Jeder 10. Risikokandidat nimmt hoch dosiertes ASS
Im Rahmen ihrer Studie befragten die Kollegen 456 stichprobenartig ausgewählte Menschen aus der Gesamtbevölkerung und 713 Hochrisikopatienten nach ihrem NSAR-Gebrauch in den vergangenen vier Wochen. 118 bzw. 264 Probanden füllten den Fragebogen aus. Als Risikofaktoren wurden Alter über 70 Jahre, peptisches Ulkus in der Anamnese und eine Therapie mit oralen Antikoagulanzien, Acetylsalicylsäure oder Steroiden gewertet.
30 % der Bevölkerungsstichprobe gaben die Einnahme von NSAR – vornehmlich Ibuprofen – an, 23 % davon länger als sieben Tage und 9 % mit Überschreitung der empfohlenen Höchstdosis. Im Risikokollektiv hatten 13 % die Medikamente (in erster Linie hoch dosiertes ASS) genutzt, jeder Dritte davon mehr als eine Woche. Die Höchstdosis überschritten dabei aber nur 3 %.
Appell an Hausärzte: Kranke gezielt warnen!
Während bei den zufällig ausgesuchten Einwohnern Kopfschmerzen vor muskuloskelettalen Beschwerden als Grund für die NSAR-Einnahme führten, lagen bei den Risikopatienten Gelenk- und Muskelschmerzen an erster Stelle.
Allen gemeinsam war, dass sie die NSAR vorzugsweise in Drogerien kauften. Ob allerdings eine Verkaufsbeschränkung auf Apotheken den Konsum eindämmen könnte, lässt sich nach Ansicht der Autoren erst durch weitere Studien klären. Derzeit halten sie den Hausarzt für den wichtigsten Part, um Abhilfe zu schaffen. Er kann nicht oft genug über die Risiken von NSAR aufklären, gerade auch, wenn er relevante Erkrankungen diagnostiziert oder eine neue Medikation die Gefährdung erhöht.
Quelle: Aafke Koffeman et al., Br J Gen Pract 2014; 64:e191-198; doi 10.3399/bjgp14X677815