Suizidrisiko: Entwarnung für SSRI
Bisher galt die Anwendung von SSRI1 und SNRI2 bei Kindern und Jugendlichen wegen der evtl. vermehrten Suizidgefahr als umstritten. US-Forscher initiierten deswegen eine grosse retrospektive Kohortenstudie. Sie verglichen die SSRI Sertralin, Paroxetin, Citalopram und Escitalopram sowie den SNRI Venlafaxin mit dem als weniger riskant geltenden SSRI Fluoxetin. Die Probanden, fast 37 000 Kinder im Alter von sechs bis 18 Jahren, wurden zwischen 1995 und 2006 erstmals damit behandelt.
Erhöhtes Suizidrisiko nur bei Kombination mehrerer Antidepressiva
Während der Therapie unternahmen 419 Teilnehmer einen Suizidversuch, der in vier Fällen tödlich endete. Für die einzelnen Antidepressiva errechneten die Wissenschaftler Suizidversuchsraten zwischen 24,0 und 29,1 Fällen pro 1000 Patienten, ein signifikanter Unterschied zwischen den neueren Wirkstoffen und Fluoxetin liess sich nicht nachweisen. Lediglich Patienten, die eine Kombination mehrerer Antidepressiva benötigten, zeigten ein erhöhtes Risiko.
1 selektive Serotonin-Reuptakehemmer
2 Serotonin-Noradrenalin-Reuptakehemmer
Quelle: William O. Cooper et al., Pediatrics 2014; online first