Medical Tribune
30. Aug. 2013

Droht Pandemie durch neues Corona-Virus?

Die WHO hat seit Entdeckung des neuen Virus 77 laborbestätigte Infektionen und 40 Todesfälle an MERS-CoV verzeichnet. Betroffen ist vor allem der mittlere Osten. Ähnlich wie SARS domineren bei Infektionen mit dem Erreger respiratorische Symptome, es gibt eine aerogene Übertragung und die Sterblichkeit ist hoch.

Wie gefährlich ist das Corona-Virus?

Französische Wissenschaftler haben nun anhand von 55 Fällen mit einem statistischen Modell die Pandemiegefahr für das neue Coronavirus errechnet.1 Dazu konstruierten sie einen „worst case“ und ein „optimistisches“ Szenario. Als Mass der Gefahr galt die Basis-Reproduktionszahl R0. Sie repräsentiert die Anzahl der durch einen Indexfall ausgelösten Sekundärinfektionen. Liegt sie über 1, besteht das Potenzial für eine Epidemie.

In ihrem schlimmsten angenommenen Szenario erreicht MERS-CoV eine R0 von 0,69, im besten Fall 0,60. Zum Vergleich: Die R0 von SARS liegt bei 0,80 (präpandemisch) – für ein pandemisches SARS-Virus wird sie auf 2,2 bis 3,7 geschätzt.

Pandemiegefahr: Übertragungswege nachverfolgen und wachsam sein

Unter den Bedingungen des „worst case“-Szenarios müssten acht weitere Personen von einem Patienten angesteckt werden, damit die R0 von MERS-CoV mit einer Wahrscheinlichkeit von mindestens 5 % auf über 1 klettert. Das scheint aber kaum zu befürchten, weil die Höchstzahl an Sekundärinfektionen bisher bei sieben liegt.

Um die Pandemiegefahr weiterhin gering zu halten, raten die Experten zu erhöhter Wachsamkeit, aktiver Nachverfolgung der Übertragungswege und verschärfter Suche nach dem tierischen Wirt. In einem Kommentar zur Studie heisst es zudem, dass die R0 immer wieder überprüft werden sollte, denn schliesslich könnten auch milde/asymptomatische Infektionen das Risiko steigern.2 Ausserdem sind künftige Mutationen des Virus nicht ausgeschlossen.

1. Romulus Breban et al., Lancet 2013; 

2. Chris T. Bauch et al., a.a.O.; online first