Medical Tribune
1. Apr. 2024Patienten erstmals über einen Zeitraum von 20 Monaten untersucht

Post-Covid-Prognose hängt vom begleitenden ME/CFS ab

Je länger die Coronapandemie zurückliegt, desto mehr Daten liegen zum Langzeitverlauf bei Patienten mit Post-Covid vor. Die Prognose dieser Patienten hängt offenbar stark davon ab, ob sie die Diagnosekriterien des ME/CFS erfüllen.

Verzweifelter Mann liegt auf Bett und hält sich die Hände an den Kopf
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Laut den Kriterien der WHO entwickelt sich das Post-Covid-Syndrom innerhalb von drei Monaten nach einer mutmasslichen SARS-CoV-2-Infektion, dauert mindestens zwei Monate an und beeinträchtigt die Alltagsfunktionen der Betroffenen, ohne dass eine andere Ursache gefunden werden kann.

Schätzungsweise leiden zwei bis zehn Prozent der Covid-19-Patienten noch ein Jahr nach der akuten Infektion an den entsprechenden Beschwerden. Es gibt jedoch immer noch einen Mangel an umfangreichen Daten zum Langzeitverlauf des Post-Covid-Syndroms.

Tachykardiesyndrom blieb nur bei ME/CFS bestehen

In einer prospektiven Beobachtungsstudie untersuchten deutsche Wissenschaftler über einen Zeitraum von 20 Monaten 106 Patienten mit Post-Covid, die über mässige bis schwere Fatigue und Belastungsintoleranz klagten. Die Forscher erfassten die Symptome, verschiedene Laborwerte, die kardiovaskuläre Funktion und die Griffkraft der Teilnehmer bei drei Terminen (3-8, 9-16 und 17-20 Monate nach der Infektion).

Die Teilnehmer wurden genauer nach den Canadian-Consensus-Kriterien (CCC) für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS) untersucht. Eine Untergruppe von 55 Patienten erfüllte diese Kriterien.

Während sich der allgemeine Gesundheitszustand in der Post-Covid-Gruppe ohne ME/CFS im Verlauf eher verbesserte, berichteten Personen mit ME/CFS über anhaltend starke Symptome. Erschöpfung und Belastungsintoleranz dominierten insgesamt. Hinzu kamen funktionelle Einschränkungen, emotionale Probleme, soziale Probleme sowie Muskel-, Gelenk- und Kopfschmerzen. Das posturale orthostatische Tachykardiesyndrom persistierte ausschliesslich in der ME/CFS-Gruppe. Bei allen Patienten stellten die Autoren eine Abnahme der anfänglich erhöhten inflammatorischen Biomarker im Laufe der Zeit fest. Die antinukleären Antikörper (ANA), die bei etwa 25 Prozent der Teilnehmer gefunden wurden, blieben jedoch auf dem gleichen Niveau.

Reduzierte Griffkraft mit anhaltend hoher Krankheitslast assoziiert

Die Forscher halten es daher für sinnvoll, Post-Covid-Patienten anhand der CCC zu unterteilen, da diejenigen mit ME/CFS langfristig stärkere Beschwerden haben. Nur sieben der 55 Betroffenen zeigten eine deutliche Verbesserung der Schlüsselsymptome Fatigue und postexertionelle Malaise. Ein möglicher prognostischer Biomarker, insbesondere für ME/CFS-Betroffene, könnte die Griffkraft sein. Eine anfänglich reduzierte Griffkraft war bei ihnen mit einer anhaltend hohen Krankheitslast verbunden. Dieser Zusammenhang muss jedoch noch von den Autoren bestätigt werden.