Home / Medizin / Gynäkologie und Geburtshilfe / Wie wirkt die «Pille danach» und die «Spirale danach»?

Kontrazeption im Notfall

Wie wirkt die «Pille danach» und die «Spirale danach»?

Die "Pille danach" mit Levonorgestrel ist bis 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zugelassen.

Zum Thema Notfallkontrazeption bestehen Wissenslücken. Dr. Arianne Carrié, Assistenzärztin an der Frauenklinik im Inselspital Bern, erörterte am Kongress für Praktische Gynäkologie und Geburtshilfe (KPGG) einige wichtige Aspekte.

In der Schweiz ist für eine Notfallkontrazeption eine «Pille danach» mit Levonorgestrel und eine mit Ulipristalacetat zugelassen. Hinzu kommen die Kupferspirale und -kette. «Die Wahl der Methode richtet sich nach den Richtlinien der Interdisziplinären Expert_innengruppe Notfallkontrazeption (IENK), angepasst nach der individuellen Situation», erklärte Dr. Carrié.

Wann anwenden?

Eine Notfallkontrazeption ist indiziert nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr (uGV) ab 21 Tage nach Geburt, ab 5 Tage nach Abort oder Schwangerschaftsabbruch und bei einem Schwangerschaftsrisiko, wenn die Frau sowohl ungeschützt Verkehr hatte und die hormonelle Verhütung nicht korrekt eingenommen hat.

Ohne Verhütung ist das allgemeine Schwangerschaftsrisiko abhängig vom Zyklustag. Bei einem standardisierten 28-Tage-Zyklus fällt die Ovulation auf den Tag 14. «Kommt es dann zum ungeschützten Geschlechtsverkehr, besteht ein Schwangerschaftsrisiko von 12 Prozent. Zwei bis drei Tage zuvor beträgt es 30 Prozent, vier Tage zuvor 15 Prozent, und nach dem Eisprung beträgt es nur noch etwa ein Prozent», erklärt die Referentin.

Trotz des geringen Risikos sollte auch in der zweiten Zyklushälfte immer eine Notfallkontrazeption angeboten werden. «Denn die Zyklen sind variabel und wir wissen nicht, wo die Frau genau im Zyklus steht.»

Die sicherste Notfallkontrazeption ist mit weniger als einem Prozent Risiko für eine Schwangerschaft die Kupferspirale. Ulipristalacetat und Levonorgestrel unterscheiden sich puncto Effektivität nur marginal und werden als gleichwertig angesehen. Das Schwangerschaftsrisiko beträgt mit Ulipristalacetat 0,8 bis 1,8 Prozent, mit Levonorgestrel 1–2,3 Prozent.

Auch mit Notfallkontrazeptiva ist noch eine Verhütung nötig

Für die Wirksamkeit muss die Pille danach mit Levonorgestrel vor Beginn des LH-Anstieges eingenommen werden; Ulipristalacetat hingegen kann auch noch während des LH-Anstieges geschluckt werden – aber nicht mehr während des LH-Peaks selbst.

Mit den beiden hormonellen Notfallkontrazeptiva wird der Eisprung um etwa fünf Tage nach hinten verschoben. «Für den Zyklus ist deshalb noch eine Verhütung nötig», betonte Dr. Carrié. Zudem sollte die Patientin wissen, dass auch die Periode fünf Tage später zu erwarten ist.

Zugelassen ist die «Pille danach» mit dem synthetischen Gestagen Levonorgestrel bis 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. «Sie verursacht keine Interaktionen mit einer bestehenden hormonellen Verhütung», betont die Referentin. Wird Levonorgestrel während der Stillzeit eingenommen, muss allerdings die Muttermilch für sechs Stunden verworfen werden.

Der synthetische selektive Progesteron-Rezeptormodulator Ulipristalacetat ist bis 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zugelassen und, anders als Levonorgestrel, interagiert der Wirkstoff mit einer bestehenden hormonellen Kontrazeption. «Diese sollte deshalb fünf Tage lang pausiert werden, da sonst die Wirksamkeit von Ulipristalacetat herabgesetzt ist», erläutert die Referentin.

Auch bei einem Quickstart sollte mit der neuen Pille erst fünf Tage nach einer hormonellen Notfallkontrazeption mit UPA begonnen werden. «Die Patientin muss zudem für diese fünf Tage und auch für die folgenden 14 Tage nach Neubeginn einer Pille zusätzlich mit einer Barrieremethode verhüten», sagte Dr. Carrié. Bei einer Einnahme von Ulipristalacetat in der Stillzeit muss die Muttermilch für eine Woche verworfen werden.

Kupferspirale auch postovulatorisch wirksam

Die Kupferspirale wirkt spermizid und nidationshemmend und ist zugelassen bis maximal 120 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr. «Sie ist die einzige wirksame Methode, die auch postovulatorisch noch wirksam ist und zudem während des ganzen Zyklus eingesetzt werden kann», so die Referentin. Die Kupferspirale sei insbesondere für Frauen, die noch keine Kontrazeption haben, eine attraktive Methode.

Sie ist kontraindiziert bis sechs Wochen postpartal, bei einer Uterusfehlbildung, einer bekannten genitalen Infektion und bei einer Schwangerschaft. Die hormonellen Notfallkontrazeptiva sind ebenfalls bei Schwangerschaft sowie bei schweren Leberfunktionsstörungen kontraindiziert, Ulipristalacetat zudem bei einer systemischen Glukokortikoid-Therapie.

Zu beachten sind auch Wechselwirkungen mit CYP3A4-induzierenden Medikamenten wie Carbamazepin und Rifampicin. «Bei Frauen mit einem BMI ab 30 kg/m2 ist eine hormonelle Kontrazeption nicht mehr als sicher gewertet, weshalb diesen Patientinnen zu einer Kupferspirale geraten werden sollte», führt Dr. Carrié aus.

LOGIN