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Neue ASCO-Empfehlungen

Wann alternative Heilverfahren Krebserkrankten bei Schmerzen helfen können

Für integrative Verfahren wie Akupunktur, Massagen und Yoga in der Schmerztherapie interessieren sich viele Patienten mit Tumoren. Den Nutzen bewerten die Society for Integrative Oncology und der American Society of Clinical Oncology in einer gemeinsamen Leitlinie.

Young woman enjoying a massage in a spa center.

Leiden Menschen in der Palliativsituation unter Schmerzen, können Massagen diese lindern. Die Empfehlungsstärke hierzu fällt zwar nur schwach aus, die Evidenzqualität aber immerhin «mittel».

Krankheits- oder behandlungsassoziierte Schmerzen können die Lebensqualität von Krebspatientenstark beeinträchtigen. Der Frage, inwiefern integrative Ansätze für die Schmerzbehandlung in der Onkologie hilfreich sind, ist ein internationales, multidisziplinäres Expertenkomitee nachgegangen.

Basierend auf ihren Erkenntnissen aus systematischen Übersichtsarbeiten, Metaanalysen und randomisierten kontrollierten Studien haben Autoren um Dr. Jun J. Mao­, Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York, evidenzbasierte Empfehlungen erarbeitet (1). Diese wurden jetzt in einer gemeinsamen Leitlinie der Society for Integrative Oncology (SIO) und der American Society of Clinical Oncology (ASCO) veröffentlicht.

Interdisziplinäres Vorgehen stets notwendig

Schmerzen bei Krebserkrankten und -überlebenden werden meist durch den Tumor selbst oder die Behandlung ausgelöst; aber auch nicht krebsbedingte Schmerzen sind möglich. Darüber hinaus können sie unterschiedliche Erscheinungsformen haben – z. B. neuropathisch vs. muskuloskelettal – und von variierender Dauer sein (chronisch vs. akut). Aufgrund dieser Komplexität erfordert die Schmerzbehandlung einen interdisziplinären Ansatz und sollte gegebenenfalls sowohl pharmakologische als auch nicht-pharmakologische Massnahmen umfassen.

Unter integrativer Medizin versteht man den koordinierten Einsatz von evidenzbasierten komplementären Praktiken und konventionellen Behandlungsmethoden gegen Schmerzen wie Medikamente, Bestrahlung, Injektionen und physikalische Therapien. Sie umfasst Massnahmen wie Akupunktur, Massage, Meditation und Yoga, die in Krebszentren zunehmend verfügbar sind und für die Symptom- und Schmerzbehandlung empfohlen werden, heisst es in der Leitlinie.

Komplementäre Verfahren im Überblick

Aromatasehemmer-bedingte ­Gelenkschmerzen

  • Akupunktur sollte Brustkrebs-Erkrankten angeboten werden, die unter Aromatasehemmer-(AI-)bedingten Gelenkschmerzen leiden (Evidenzqualität: mittel; Stärke der Empfehlung: mässig).
  • Yoga kann Patientinnen mit AI-bedingten Gelenkschmerzen beim Mammakarzinom angeboten werden (Evidenzqualität: gering; Stärke der Empfehlung: schwach).

Allgemeine Krebsschmerzen / ­muskuloskelettale Schmerzen

  • Akupunktur kann Personen angeboten werden, die allgemeine oder muskuloskelettale Schmerzen aufgrund von Krebs erfahren (Evidenzqualität: mittel; Stärke der Empfehlungen: mässig).
  • Reflexzonenmassage oder Akupressur kann Betroffenen angeboten werden, die während einer systemischen Tumortherapie unter Schmerzen leiden (Evidenzqualität: mittel; Stärke der Empfehlung: mässig).
  • Massage kann Erkrankten angeboten werden, die nach einer Mammakarzinombehandlung chronische Schmerzen entwickeln (Evidenzqualität: gering; Stärke der Empfehlung: mässig).
  • Hatha-Yoga kann Patienten und Patientinnen angeboten werden, die nach einer Therapie von Brust- oder Kopf-Hals-Tumoren Schmerzen erfahren (Evidenzqualität: gering; Stärke der Empfehlung: schwach).
  • Geführte Imaginationen mit progressiver Muskelentspannung können Personen angeboten werden, die unter allgemeinen Schmerzen infolge einer Krebsbehandlung leiden (Evidenzqualität: niedrig; Stärke der Empfehlung: schwach).

Chemotherapie-induzierte periphere­ Neuropathie (CIPN)

  • Akupunktur kann Betroffenen angeboten werden, die eine CIPN infolge einer Tumortherapie entwickeln (Evidenzqualität: niedrig; Stärke der Empfehlung: schwach). Gleiches gilt für eine Reflexzonenmassage oder Akupressur (Evidenzqualität: gering; Stärke der Empfehlung: schwach).

Verfahrensbedingte oder chirurgische­ Schmerzen

  • Hypnose kann Erkrankten angeboten werden, die unter verfahrensbedingten Schmerzen bei der Krebsbehandlung oder diagnostischen Untersuchungen leiden (Evidenzqualität: mittel; Stärke der Empfehlung: mässig).
  • Akupunktur oder Akupressur kann Patienten angeboten werden, die sich einer Tumor­operation oder anderen krebsbezogenen Verfahren wie einer Knochenmarksbiopsie unterziehen (Evidenzqualität: niedrig; Stärke der Empfehlung: schwach).
  • Musiktherapie kann Personen angeboten werden, die chirurgische Schmerzen nach einer Krebs­operation erfahren (Evidenzqualität: niedrig; Stärke der Empfehlung: schwach).

Schmerzen während der Palliativversorgung

  • Massagen können Betroffenen, die während der Palliativ- und Hospizversorgung Schmerzen entwickeln, angeboten werden (Evidenzqualität: mittel; Stärke der Empfehlung: mässig).

Integrative Medizin ist beliebt

Jedes Jahr nehmen Schätzungen zufolge 40 Prozent der Krebspatienten integrative Medizin in Anspruch – sei es, weil die konventionelle medizinische Behandlung ihre Bedürfnisse nicht vollständig erfüllt, weil sie Nebenwirkungen von Pharmakotherapien befürchten oder weil sie einen ganzheitlichen Ansatz bevorzugen. Auch eine entsprechende Empfehlung von Angehörigen oder Gesundheitsdienstleistern kann ein Beweggrund sein, warum sich Betroffene für die integrative Medizin entscheiden.

Mao JJ et al. Integrative Medicine for Pain Management in Oncology: Society for Integrative Oncology-ASCO Guideline. J Clin Oncol. 2022 Dec 1;40(34):3998-4024. doi: 10.1200/JCO.22.01357

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