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Helicobacter-pylori-Infektionen bei Kindern: Wann ist eine Therapie nötig?

Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Infektion mit Helicobacter pylori bei Kindern nur selten symptomatisch. In besonderen Fällen ist dennoch eine Suche nach einer Infektion mit dem Keim angezeigt und möglicherweise sogar eine Therapie erforderlich.

Helicobacter pylori

Helicobacter pylori kann bei Kindern auch positive immunregulatorische Effekte haben.

Die Infektion mit Helicobacter pylori ist eine der häufigsten bakteriellen Infektionskrankheiten. Die Prävalenz beträgt weltweit 50 Prozent, in den Industrienationen 10–30 Prozent. Die Schweiz gehört mit 18,9 Prozent in Europa zu den Ländern mit der geringsten Prävalenz. In Drittweltländern ist die Infektion am verbreitetsten. Die Prävalenz nimmt allerdings weltweit seit einigen Jahren tendenziell ab.

Immunregulatorische Effekte von Helicobacter pylori bei Kindern

Eine Rolle für das Infektionsrisiko spielt das Alter. «Beim Säugling und beim Kleinkind lässt sich noch kaum eine Seroprävalenz nachweisen», erklärt Professor Dr. Carsten Posovszky, Leiter Gastroenterologie und Ernährung am Universitäts-Kinderspital Zürich*. Erst ab dem Schulkindalter nimmt sie allmählich zu. Bei den 17-Jährigen beträgt die Seroprävalenz 11–12 Prozent, bei den 70- bis 80-Jährigen 60–70 Prozent. Neben dem Alter sind auch ein niedriger sozioökonomischer Status, schlechte Hygienebedingungen und eine genetische Prädisposition Risikofaktoren für eine Helicobacter-pylori-Infektion.

«Bei Kindern ist Helicobacter pylori eher ein Kommensal als ein Parasit und hat auch positive immunregulatorische Effekte», erläutert der Referent. Laut Daten geht eine Infektion mit weniger Atopien, weniger Asthma und weniger Gastroenteritiden einher. «Im Gegensatz zu Erwachsenen ist eine Helicobacter-pylori-Infektion im Kindesalter nur selten symptomatisch», erklärte der Experte. Sie kann zwar eine Schleimhautreaktion auslösen. Diese führt aber in der Regel beim Kind nicht zu einer Läsion. Erst im Alter entwickelt sich eine chronische Infektion gelegentlich zu einem Ulkus oder ein Magenkarzinom weiter.

Eine Helicobacter-pylori-Infektion ist auch mit extraintestinalen Erkrankungen assoziiert, die nicht primär mit Magenschmerzen einhergehen müssen. Dazu gehören eine Eisenmangelanämie, ein Vitamin-B12-Mangel oder eine Immunthrombozytopenie (ITP).

«In der neuen deutschen AWMF-Leitlinie (1) wird eine Diagnostik nur empfohlen, wenn bei einem positiven Ergebnis auch eine Therapie durchgeführt würde», betonte Prof. Posovszky. Der Entscheid für oder gegen eine Abklärung und Therapie werde beim Kind aufgrund einer Nutzen-Risiko-Abwägung gefällt unter Berücksichtigung des Alters sowie der Wünsche und Sorgen der Eltern.

Behandlung frühestens ab Vorschulalter

Die Diagnostik erfolgt nichtinvasiv mit einem C13-Harnstoff-Atemtest oder einem monoklonalen ELISA-Stuhltest und invasiv mit einer Gastroduodenoskopie. «Die Magen-Dünndarm-Spiegelung wird frühestens ab Schulalter durchgeführt» so der Experte. Sie ist auch angezeigt, wenn das Kind starke epigastrische Beschwerden oder Blutungen hat oder wenn eine therapierefraktäre Eisenmangelanämie, ein Vitamin-B12-Mangel, eine chronische Urtikaria, eine chronische ITP oder eine Familienanamnese mit Magenkarzinom bei Eltern oder Grosseltern besteht.

Zwei Wochen vor einer Gastroduodenoskopie sollten Protonenpumpenhemmer abgesetzt und vier Wochen vorher keine Antibio­tika mehr eingenommen werden. Ein Monat nach der Therapie wird der Behandlungserfolg mit einem H2- oder Stuhltest kontrolliert. Ein positives Ergebnis hat bei einem asymptomatischen Kind allerdings keine Konsequenz.

«Nach der neuen Leitlinie wird eine Therapie nur nach einem endoskopischen Nachweis einer Helicobacter-pylori-Gastritis durchgeführt», betont Prof. Posovszky. Nicht zu empfehlen ist eine Behandlung bei Säuglingen und Kleinkindern, da es in diesem Alter häufig zu einer spontanen Elimination der Infektion kommt. Bei kleineren Kindern sollte deshalb auch kein Test durchgeführt werden.

Ab dem Vorschulalter ist eine spontane Elimination selten und es ist eine Behandlung angezeigt, auch wenn neben der Infektion ein Ulkus oder eine Erosion besteht», so der Experte. Eine Therapie kann zudem bei einem Zufallsbefund einer Helicobacter-pylori-Gastritis sinnvoll sein.

Resistenztestung vor der Eradikationstherapie

Das Behandlungsziel ist eine primäre Eradikationsrate von mindestens 90 Prozent. «Das kann nur mit einer individuellen, nach der Resistenzlage ausgerichteten Dreifachtherapie über 14 Tage erreicht werden», so Prof. Posovszky. Falls vor der ersten Eradikationstherapie keine Resistenztestung gelingt, kann über zwei Wochen mit PPI, Metronidazol und Amoxicillin in höherer Dosierung oder bei Jugendlichen mit einer Bismut-basierten Kombination behandelt werden.

Bei einem Therapieversagen, einer Penicillinallergie oder bei einer Helicobacter-pylori-Infektion mit einem gegen Clarithromycin und Metronidazol doppelt resistenten Keim ist die Zuweisung an einen Gastroenterologen sinnvoll, da dieser auf Reserveantibio­tika zurückgreifen kann.

«Für die Therapieadhärenz ist eine gute Aufklärung zur Medikamenteneinnahme wichtig», erinnert der Referent. Eine Hilfestellung bieten die Eltern-Patienten-Informationen, die auf der Homepage der europäischen kindergastroenterologischen Fachgesellschaft in verschiedenen Sprachen heruntergeladen werden können. Antibiotika-assoziierte Durchfälle lassen sich mit Probiotika vermindern. «Die meisten Daten gibt es für Laktobazillen und Saccharomyces», erklärt Prof. Posovszky.

Referenz
  1. Fischbach W et al. Aktualisierte S2k-Leitlinie Helicobacter pylori und gastroduodenale Ulkuskrankheit der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Juli 2022 – AWMF-Registernummer: 021 – 001.

Quelle: Forum für medizinische Fortbildung, Pädiatrie Update Refresher

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