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Nicht alle Folgen sind sichtbar

Brustkrebs beeinträchtigt die Sexualität der meisten Patientinnen

Überlebende von Brustkrebs haben häufig mit Problemen mit dem Körperbild, Ängsten und Depressionen zu kämpfen. Als Folge haben die meisten sexuelle Störungen, wie eine aktuelle Studie bestätigt. Helfen könnte eine Sexualtherapie sowie eine offenere Kommunikation über Sexualität seitens des behandelnden Arztes.

Die Brust ist das Symbol für Weiblichkeit schlechthin

Die Brust ist das Symbol für Weiblichkeit schlechthin

Brustkrebs ist die häufigste Krebstodesursache bei Frauen weltweit und eine der häufigsten Krebserkrankung bei Frauen. Im Rahmen einer Brustkrebsbehandlung – sei es die Chirurgie, Chemotherapie, Strahlentherapie oder Hormontherapie – kommt es zu einer Vielzahl von Veränderungen im und am Körper.

Eine sichtbare Nebenwirkung ist beispielsweise, wenn Patientinnen ihre Haare oder eine Brust verlieren – die Symbole der Weiblichkeit schlechthin. Nicht sichtbar sind hingegen Hitzewallungen, Übelkeit und psychische Störungen infolge der Krebsdiagnose und -therapien. Das Trauma der Erkrankung kann sich stark auf die Geschlechtsidentität und das Körperbild von Frauen auswirken, und die Erfahrung einer Brustkrebserkrankung nagt an vielen – oft haben Frauen die eigentlich „austherapiert“ sind mit einer ausgeprägten Störung ihres Selbstbildes zu kämpfen.

Die Hälfte der Frauen hat nach einer Brustkrebsbehandlung Probleme mit ihrem Körper

Eine aktuelle italienische Studie untersuchte, wie stark eine Brustkrebstherapie die sexuelle Gesundheit von Frauen beeinträchtigt (1). Die untersuchten Patientinnen hatten sich alle einem chirurgischen Eingriff unterzogen, und einen strukturierten Fragebogen mit vier Fragen zum Selbstbild, der sexuellen Aktivität und der sexuellen Zufriedenheit vor und nach ihren Brustkrebsbehandlungen ausgefüllt. Von den 139 Teilnehmerinnen wiesen 68 (48,92%) Anzeichen für Störungen des Körperbildes auf, 26 (18,7%) waren in ihrer Sexualität stark beeinträchtigt und 103 (74,1%) waren in irgendeiner Form sexuell unzufrieden.

135 (97%) gaben an, die Hilfe eines Psychoonkologen in Anspruch zu nehmen. Dagegen suchten nur 38 Patientinnen (27,3%) einen Sexualtherapeuten auf.

Kommunikation über Sexualität fördern

Überraschend war für die Forscher der vorliegenden Arbeit, dass trotz der negativen Auswirkungen auf das Körperbild und die Sexualität nur so wenige Patientinnen einen Sexualtherapeuten aufsuchten. Als ersten Schritt fordern die Autoren der Studie deshalb, alle diese Frauen zu ermutigen, sich ihren Problemen im Zusammenhang mit Sexualität zu stellen. Behandelnden Ärzten raten sie, das Thema direkt anzusprechen. «Die meisten Patienten haben Schwierigkeiten, bei  Problemen im Zusammenhang mit Sexualität um Hilfe zu bitten. Der Aspekt der Sexualität sollte aber nach jeder Brustkrebsbehandlung Teil der Nachbehandlung sein», schreiben sie. Nur so schaffen es Frauen, langfristig ihre Lebensqualität zurückzugewinnen.

Vor allem bei jüngeren Brustkrebs-Überlebenden ist das Selbstbild meist schwer beschädigt

Bereits vor der Studie war bekannt, dass Brustkrebs Depressionen und Angstzustände begünstigt, und sich negativ auf die Arbeitsfähigkeit, das Sozialleben und des Funktionierens von Beziehungen auswirkt. (2).

Wie die Brustkrebserfahrung gelebt wird, hängt in hohem Masse vom Alter zum Zeitpunkt der Diagnose ab (3, 4). Unter 40 haben Frauen etwa meist Sorge in Bezug die Bewältigung der Familienrolle, die berufliche Laufbahn, und die Veränderung des Körperbildes, die nicht selten auch zu Spannungen in der Ehe führt. Sie neigen daher dazu, die Krebserkrankung als aggressiver zu empfinden als Frauen über 40.

Die physischen und psychischen Veränderungen kommen bei jüngeren Frauen in einem Lebensabschnitt, in dem im Allgemeinen von guter Gesundheit ausgegangen wird. Manchmal sind sie dramatisch und plötzlich eingetreten und können und weitreichende psychologische Auswirkungen haben: Etwa der teilweise oder vollständige Verlust der Brust, die vorzeitige Menopause und anschliessende Veränderungen der sexuellen Funktionsfähigkeit und der Fruchtbarkeit.

Wenig überraschend gibt es daher Hinweise darauf, dass jüngere Frauen nach der Diagnose einer Krebserkrankung eine höhere psychische Morbidität und eine geringere Lebensqualität aufweisen als ältere Frauen. Bei jungen Brustkrebs-Überlebenden besteht das Risiko für eine Beeinträchtigung der Lebensqualität bis zu mehreren Jahren nach der Diagnose (5). Sie benötigen möglicherweise also Massnahmen, die speziell auf ihre Bedürfnisse im Zusammenhang mit Wechseljahrsbeschwerden und Problemen in Bezug auf Beziehungen, Sexualität und Körperbild ausgerichtet sind.

Referenzen

1) Gozzi E, et al. What hides beneath the scar: sexuality and breast cancer what women don’t say: A single-center study. Clin Ter 2022;173(4):342-346.

2) Hungr C, et al. Self-image and sexuality issues among Young women with breast cancer:pratical recommendation. Rev Inves Clin. 2017;69:114-22.

3) Victoria L, et al. Comparison of younger and older breast cancer survivors and age-matched controls on specific and overall QoL domains. Cancer. 2014 August 1;120(15):2237–2246.

4) Campbell-Enns HJ, Woodgate RL. The psychosocial experiences of women with breast cancer across the lifespan: A systematic review. JBI Database System Rev Implement Rep. 2015;13:112-21.

5) Avis NE, Crawford S, Manuel J. Quality of life among younger women with breast cancer. J Clin Oncol. 2005;23:3322-30.

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