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Typ-1-Diabetes: Wenn Insulinpflicht auf Insulinresistenz trifft

Personen mit Typ-1-Diabetes weisen immer häufiger auch Adipositas auf. Ausser konsequentem Schulen gibt es wenige Möglichkeiten, dem entgegenzuwirken, denn viele der gängigen Thera­pien können andere Probleme nach sich ziehen.

Das Leben mit  Typ-1-Diabetes  ist ein ständiger Balanceakt

Das Leben mit Typ-1-Diabetes ist ein ständiger Balanceakt.

Natürlich fällt unter der steigenden Prävalenz übergewichtiger Menschen mit Typ-1-Diabetes die stetig wachsende Gruppe von betroffenen Kindern und Jugendlichen besonders auf, sagt Professor Dr. Bart van der Schueren­ vom Universitätshospital Leuven am EASD (1). Das Problem betrifft jedoch alle Altersklassen gleichermassen. Gründe dafür sieht er neben der glukozentrierten Therapie vor allem in häufigen und oft zu reichhaltigen Snacks, die eigentlich Hypoglyk­ämien vorbeugen sollen, aber eben auf Dauer das Gewicht erhöhen.

Betroffenen zu helfen ist gar nicht so einfach

Der Endokrinologe geht dabei von einem bidirektionalen Zusammenhang zwischen Typ-1-Diabetes und Adipositas aus: «Die Insulintherapie führt zu einer Gewichtszunahme und die Adipositas fördert eine Insulinresistenz. Das macht immer höhere Insulindosen notwendig.» Den Betroffenen zu helfen ist jedoch gar nicht so einfach. Diäten und körperliche Aktivität können bei Typ-1-Diabetes das Risiko von Hypoglykämien erhöhen, weshalb die betreuenden Diabetesteams ihre Patienten sorgsam schulen und begleiten müssen.

Medikamente zu Prävention bzw. Therapie sind für die Indikation der Gewichtszunahme nicht zugelassen und würden eine weitere langfristige Einnahme nötig machen. Zudem schwingt bei SGLT2-Inhibitoren immer auch die Gefahr von diabetischen Ketoazidosen mit, was wiederum die Notwendigkeit einer guten Schulung unterstreicht. GLP1-Rezeptoragonisten würden ausserdem zusätzliche Injektionen bedeuten, gibt Prof. Van der Schueren zu bedenken.

Zur bariatrischen Chirurgie liegen für Personen mit Typ-1-Diabetes und Adipositas kaum Daten vor, so der Experte. Man weiss aber, dass die Eingriffe neben dem ohnehin bestehenden Risiko für Komplikationen bei den Betroffenen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Hypoglyk­ämien und diabetischen Ketoazidosen einhergehen. Ausserdem ist die entstehende Nährstoffdefizienz zu beachten.

Bessere Prävention erforderlich

Aufgrund dieser Aussichten fordert der Referent mehr Studien zu diesem Thema und grössere Präventionsanstrengungen, um die Entstehung von Adipositas bei Typ-1-Diabetes möglichst zu vermeiden. Zusammen mit weiteren Forschenden hat er eine Übersichtsarbeit zum Status quo publiziert (2).

  1. European Association for the Study of Diabetes (EASD) – Annual Meeting 2021
  2. Van der Schueren B et al. Obesity in people living with type 1 diabetes. Lancet Diabetes Endocrinol. 2021 Nov;9(11):776-785. doi: 10.1016/S2213-8587(21)00246-1. 
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