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Interview mit Prof. Peter Schmid-Grendelmeier, Universitätsspital Zürich

Mit dem Interleukin-4/13-Hemmer wie «neu geboren»

Dupixent® (Dupilumab) hat den Prix Galien Suisse 2021 als innovativstes Medikament in der Kategorie Primary & Speciality erhalten. Welche Bedeutung messen Sie diesem Medikament bei?

Professor Peter Schmid Grendelmeier

Prof. Peter Schmid-Grendelmeier Leiter Allergiestation, Dermatologische Klinik, Universitäts­spital Zürich

Prof. Schmid-Grendelmeier: Seit fast 20 Jahren werden mit dem Prix Galien Suisse jährlich herausragende, von Swissmedic zugelassene und in der Schweiz eingesetzte Arzneimittel ausgezeichnet. Dass Dupilumab diesen Preis erhalten hat, unterstreicht seine beachtliche Bedeutung – inzwischen in drei Indikationen: schwere atopische Dermatitis, schweres Asthma bronchiale und chronische Rhinosinusitis mit nasaler Polyposis. Der monoklonale Antikörper überzeugt durch hohe Wirksamkeit, bei sehr günstigem Nebenwirkungsprofil. Vor diesem Hintergrund hat Dupilumab gerade für uns als Allergologen, aber auch für Pneumologen, Dermatologen und HNO-Spezialisten einen bedeutenden Stellenwert.

Wie häufig ist die mittelschwere und schwere atopische Dermatitis bei Jugendlichen und Erwachsenen in der Schweiz?

Mit einer Prävalenz von ca. 8–10 % ist die atopische Dermatitis wohl die häufigste entzündliche Hauterkrankung in dieser Altersgruppe. In etwa 10–20 % der Fälle handelt es sich um eine schwere atopische Dermatitis, womit die Patienten für eine Therapie mit Dupilumab qualifizieren.

Welche Symptome belasten die Patienten am meisten und gibt es altersabhängige Unterschiede?

Im Vordergrund steht in allen Altersgruppen der oft sehr quälende Juckreiz, der durch die meist trockene Haut noch verstärkt wird; aber auch die entzündlichen Hautveränderungen können sehr belasten, insbesondere wenn sie generalisiert und/oder unübersehbar im Gesicht, am Hals und den Händen auftreten. Jugendliche Patienten leiden vor allem unter den stigmatisierenden Hautveränderungen.

Mit welchen therapeutischen Herausforderungen sehen sich Dermatologen konfrontiert?

Bei der atopischen Dermatitis handelt sich um eine chronisch-rezidivierende Erkrankung, die glücklicherweise nur selten zu lebensbedrohlichen Komplikationen führt. Trotzdem erfordert die angestrebte Krankheitskontrolle eine konsequente rückfettende Basistherapie, die hohe Anforderungen an die Compliance stellt.

Wie wirkt Dupilumab?

Dupilumab inhibiert die beiden Schlüsselzytokine IL-4 und IL-13. Dadurch werden sogenannte ­Typ-2-gesteuerte immunologische Erkrankungen deutlich gebessert.

Welche Erfahrungen konnten Sie mit Dupilumab bei Jugendlichen und Erwachsenen mit atopischer Dermatitis machen? Entsprechen diese den Studienresultaten?

In unserem Zentrum erzielten resp. erzielen wir bei mittelschwerer und insbesondere schwerer atopischer Dermatitis überzeugende Resultate. Wir beobachten Patienten, die über Jahre bis Jahrzehnte intensive topische und immunsuppressive Therapien benötigten und erst jetzt unter Dupilumab eine relevante Besserung bis weitgehende Beschwerdefreiheit erleben. Unsere persönlichen Erfahrungen decken sich also durchaus mit den Studienresultaten, die bei 70–80 % der Fälle über eine markante oder zumindest mässige Besserung berichten.

Wie beurteilen sich das Sicherheitsprofil von Dupilumab?

Bei Dupilumab handelt es sich um ein ausgesprochen sicheres Medikament. Es gibt kaum heikle Nebenwirkungen; am ehesten kommt es zu einer Konjunktivitis, die sich jedoch oft konservativ behandeln lässt und nur selten zu einer Unterbrechung oder einem Absetzen der Therapie führt.

Wie sind die langfristigen Erfahrungen mit Dupilumab?

Auch hier decken sich unsere eigenen Erfahrungen mit den publizierten Daten: Der Effekt hält langfristig an – ohne zusätzliche Probleme hinsichtlich Sicherheit und Verträglichkeit.

Auf was sollte beim Therapiebeginn mit Dupilumab geachtet werden?

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (SCORAD* > 50) qualifizieren für diese exzellente, aber auch kostenintensive Therapie. Rückfettende, phototherapeutische, topisch-antientzündliche und immunsuppressive Massnahmen müssen jedoch ausgeschöpft werden, bevor man mit Dupilumab startet.

Gibt es Fall unter Dupilumab, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ja, dazu mir fällt unsere erste Patientin (59 Jahre) ein, die wir bereits seit vier Jahren mit Dupilumab behandeln. Sie litt seit über 30 Jahren an schwerer atopischer Dermatitis und Asthma. Therapiemassnahmen wie Cyclosporin A, topische und teilweise auch systemische Steroide kamen zum Einsatz, doch das dermatologische Ansprechen war unzureichend. Erst unter Dupilumab zeigte sich innert weniger Monate eine deutliche Besserung des Hautbefunds. Der SCORAD* verbesserte sich von 56 auf 12. Die Patientin hatte erstmals – soweit sie sich erinnern konnte – eine praktisch erscheinungsfreie Haut, mit deutlich weniger Pruritus. Diese Patientin hat sich als «wie neu geboren» bezeichnet, womit auch die grosse subjektive Dimension des Therapieerfolgs sehr gut aufgezeigt werden konnte.

Besten Dank für das Gespräch!

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