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Diabetespatienten zu intensiv behandelt

Riskanter Aktionismus im Spital

Landen ältere Diabetespatienten in der Klinik, kann ihr Blutzucker vorübergehend ansteigen. Häufig wird deshalb im Anschluss eine Diabetestherapie intensiviert –mit zweifelhaftem Nutzen, wie eine retrospektive Kohortenstudie mit fast 5300 Amerikanern im mittleren Alter von 73 Jahren zeigt.

Krankenschwester prüft Diabetes Werte bei einem älteren Mann

Im ersten Monat nach der Entlassung erlitten die intensiver behandelten Diabetespatienten mehr als doppelt so häufig eine schwere Hypoglykämie wie diejenigen ohne Therapieverschärfung. Kein Unterschied zeigte sich im ersten Monat dagegen bei schweren Hyperglykämien, schreiben Dr. Timothy Anderson vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Brookline und Kollegen. Auffällig war bei ihnen eine fast halbierte Mortalität (HR 0,55), was aber offenbar nur kurz anhielt. Ein Jahr nach dem Spitalaufenthalt war der günstige Einfluss wieder verschwunden. Zu diesem Zeitpunkt liess sich auch kein Unterschied mehr im Auftreten schwerer Hypoglykämien erkennen, ebenso wenig für stark erhöhte Blutzuckerwerte. Die HbA1c-Werte als Mass für die dauerhafte Einstellung waren in beiden Kollektiven ähnlich (7,7 %).

Allerdings löste nur noch die Hälfte der Patienten Rezepte für die im Spital begonnene Medikation ein und nur 38 % für das dort neu verordnete Insulin. Laut den Autoren, keine Überraschung: Eine kurzzeitige Hospitalisierung sei nicht die richtige Zeit für eine Änderung der langfristigen Diabetestherapie.

Anderson TS et al. JAMA Network Open 2021; doi: 10.1001/jamanetworkopen.2021.28998.

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