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Nicht nur das Brustkrebs-Rezidivrisiko, sondern auch Nebenwirkungen im Fokus behalten

Adjuvante Hormontherapie verträglicher machen

Adjuvante endokrine Therapien bei HR+ Brustkrebs können erhebliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Das gilt ganz besonders für prämenopausale Patientinnen, die die Konsequenzen einer sehr abrupten Östrogensuppression hinnehmen müssen. Was die Symptome mildern kann.

Etwa 70 % der Mammakarzinome sind HR-positiv und qualifizieren sich damit für eine endokrine Therapie. Diese geht jedoch teilweise mit unangenehmen Symptomen einher, die die Lebensqualität beeinträchtigen und die Adhärenz gefährden können.

In der Nachsorge wird häufig primär ausschliesslich auf das Rezidivrisiko geschaut, die Nebeneffekte der endokrinen Behandlungen kommen allerdings nicht zur Sprache. Und das, obwohl die Therapie über fünf bis zehn Jahre laufen soll. Ein Team um Dr. Maria A. Franzoi, Institut Jules Bordet, Brüssel, hat nun in einem Übersichtsartikel zusammengefasst, wie sich die Beschwerden verringern lassen.

Zunächst gilt es, Vorhandensein und Ausmass der Symptome zu erfragen, um eine individuelle Strategie zu entwickeln. Die Hormonersatztherapie gleicht am effektivsten das Östrogendefizit aus – sie scheidet im Kontext einer Brustkrebserkrankung aber aus, da sie das Rezidivrisiko erhöht. Doch es gibt Optionen für Patientinnen unter adjuvanter endokriner Behandlung.

Medikamentöse Optionen

So wirken Antidepressiva gegen Hitzewallungen. Am häufigsten untersucht wurde Venlafaxin, welches die Beschwerden um bis zu 60 % vermindern kann. Als ähnlich effektive Alternative haben sich die Antikonvulsiva Gabapentin und Pregabalin erwiesen. Auch Progesteron-Analoga wie Megestrol kommen in Betracht, allerdings mit der Einschränkung, dass sie möglicherweise das Rezidivrisiko erhöhen.

Patientinnen, die unter einem Aromatase-Hemmer muskuloskelettale Beschwerden entwickeln, kann der Wechsel auf eine andere Substanz dieser Klasse davon befreien. Die Gabe von Duloxetin über einige Wochen kann helfen, Gelenkschmerzen zu verringern. Die Frauen gewinnen unter der Therapie an Lebensqualität. Insgesamt sei das Medikament gegen mehrere Symptome einsetzbar, unter anderem gegen Hitzewallungen.

Die sexuelle Dysfunktion kann auf physischen Veränderungen wie vaginaler Trockenheit oder auf psychosozialen Aspekten wie einer verminderten Libido beruhen. Lokale Hormonbehandlungen, z.B. östrogenhaltige Cremes, können östrogenmangelbedingte Vaginalsymptome verringern. Solange aber nicht sicher geklärt ist, ob sie das Rezidivrisiko beeinflussen, sollten nichthormonelle Therapiemöglichkeiten bevorzugt werden.

Vaginale Lubrikanzien sind erste Wahl

Vaginale Lubrikanzien haben moderate Effekte auf Dyspareunie und vaginale Trockenheit. Da sie unbedenklich, gut verfügbar und kostengünstig sind, sollten sie als erste Option empfohlen werden. Patientinnen, die die Penetration als schmerzhaft empfinden, können auch kurz vor einem Geschlechtsverkehr den Vulvaeingang mit lidocaingetränkten Kompressen «betäuben».

Nichtmedikamentöse Optionen

Bei Frauen, die nicht vor Invasivität zurückschrecken, kann eine Stellatum-Blockade die Hitzewallungen kontrollieren. Mittels Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie lassen sich die Symptome ebenfalls besser ertragen, schreiben die Autoren. Von Letzterer profitieren ihnen zufolge auch Betroffene mit sexueller Dysfunktion und Fatigue.

Übergewichtige Patientinnen sollten abnehmen, da im Fettgewebe zusätzlich Östrogen-Vorläufer entstehen, welche potenziell die Effektivität der adjuvanten endokrinen Behandlung abschwächen. Bei der Gewichtsreduktion kann eine Verhaltenstherapie zusammen mit körperlicher Aktivität und einer Ernährungsumstellung helfen.

Verlieren die Betroffenen überflüssige Kilos, wirkt sich das zudem positiv auf Hitzewallungen aus – ebenso wie Akupunktur und Yoga. Letztgenannte Interventionen beeinflussen auch muskuloskelettale Beschwerden und Fatigue positiv. Gleiches gilt für ein körperliches Training.

Franzoi MA et al. Lancet Oncol 2021; doi: 10.1016/S1470-2045(20)30666-5.

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