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Ursachen grosszügig abklären

Blutungsstörungen in der Jugendgynäkologie

Draufsicht auf rotes Papier geschnittene weibliche Fortpflanzungsorgane mit Blutstropfen auf rosa Hintergrund

Hinter Blutungen bei Jugendlichen können verschiedene Ursachen stecken.

Ein häufiger Grund für Blutungsstörungen bei Jugendlichen ist eine hormonelle Dysregulation. Manchmal steckt aber auch eine organische Ursache oder Koagulopathie dahinter. Wann und wie Blutungsstörungen bei Mädchen abzuklären sind, erläuterte Dr. Ruth Drahts, Frauenpraxis-Buchenhof in Sursee, am Forum für medizinische Fortbildung Gynäkologie Update Refresher.

Eine Amenorrhö sollte gemäss Dr. Draths bei Mädchen immer abgeklärt werden, wenn die Monatsblutung nach primär regelmässigen Zyklen ausbleibt oder sich die Periode über 90 Tage nicht wieder einstellt. Denn ausser einem harmlosen Grund wie ein Auslandaufenthalt kann sich auch einmal eine Anämie oder eine Hyperprolaktinämie dahinter verbergen.

Bei einer Hypermenorrhö sollte nach der Ursache gesucht werden, wenn die Periode länger als sieben Tage andauert und/oder die Blutungen so stark sind, dass die Jugendliche Tampons und Binden alle ein bis zwei Stunden wechseln muss.

Abnorme uterine Blutungen (AUB) sind bei Jugendlichen nichts Aussergewöhnliches. «Sie sind häufiger als in der Allgemeinbevölkerung, reduzieren die Lebensqualität und fördern die schulische und berufliche Chancenungleichheit. Sie sind bei den Mädchen auch oft sehr negativ mit der Weiblichkeit assoziiert und sollten deshalb immer ernst genommen werden», betonte die Expertin.

Treten sie akut auf, ist eine sofortige Intervention nötig. Bei chronischen Blutungsstörungen steckt bei jungen Adoleszentinnen meist eine hormonelle Regulationsstörung dahinter. Als Ursachen kommen aber ab und an auch Medikamente (z.B. NSAR oder Hormone) und organische Gründe, wie eine Hypothyreose und ein PCO-Syndrom, eine Infektion, eine Schwangerschaft oder ein Abort in Frage.

Zyklusanamnese mit Tagebuch ist hilfreich

«Wichtigstes diagnostisches Werkzeug ist die Anamnese, mit der die Häufigkeit, Dauer und Stärke der Monatsblutung sorgfältig erfasst werden sollte», sagte Dr. Draths. Dabei hilft ein Zyklustagebuch, das die Jugendliche einmal über drei Monate führen sollte. «Denn viele Mädchen können die gynäkologischen Fragen rund um ihre Menstruation meist nicht korrekt beantworten», erklärte sie.

Sind alle wichtigen Zyklus-Fragen geklärt, steht die körperliche Untersuchung an. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Pubertätsentwicklung. Mit einer transabdominalen Ultraschalluntersuchung sollte sodann die Uterusform und der Endometriumaufbau angeschaut sowie nach Auffälligkeiten wie Ovarialzysten oder freier Flüssigkeit gesucht werden. «Bei der Labordiagnostik schliesslich stehen bei Jugendlichen mit Blutungsstörungen der Eisenmangel, die Anämie und die Thrombozytopenie im Fokus», so die Expertin. Besteht ein Verdacht auf eine Gerinnungsstörung, ist ausserdem eine frühzeitige hämatologische Abklärung sinnvoll, betonte Dr. Draths.

So selten, wie allgemein angenommen, ist eine Koagulopathie nicht, wie eine australische Studie zeigt.1 Von den 124 in die Arbeit eingeschlossenen Jugendlichen mit einer Hypermenorrhö, wurden 77 auf eine Koagulopathie untersucht. 27 davon hatten eine Gerinnungsstörung. Die häufigste Ursache war ein Von-Willebrand-Syndrom (51,6 %), gefolgt von einer Plättchenfunktionsstörung (33,3 %), einer Thrombozytopenie (11,1 %) und einem Faktor-IX-Mangel. Die Hälfte der in der Studie darauf untersuchten Mädchen hatte einen Eisenmangel und eine Anämie. Bei solchen mit einer Gerinnungsstörung waren es 70 %, so die Referentin.

Therapieoptionen mit und ohne Hormone

Die Behandlung einer Hypermenorrhö ohne Gerinnungsstörung bei Jugendlichen erfolgt individuell und nach einem altersgerechten Stufenschema. In einem ersten Schritt kommen zumeist nichthormonelle Optionen wie Tranexamsäure oder, wenn zusätzlich Periodenschmerzen bestehen, auch Prostaglandinhemmer zum Einsatz. «Ein NSAR reduziert die Blutungsstärke um 30–40 %, Tranexamsäure um 50 %», erläuterte die Gynäkologin.

Bringen diese Therapien keine Besserung oder besteht zusätzlich ein Kontrazeptionsbedarf, sind Hormone indiziert. Bei sehr jungen Mädchen gut geeignet sind Mono-Gestagene, insbesondere Norethisteronacetat. Diese Präparate können zyklisch oder kontinuierlich gegeben werden. Bei Jugendlichen mit Zyklusstörungen weniger erfolgreich sind hingegen laut Dr. Draths Depot-Präparate.

Für eine kombinierte hormonelle Therapie empfahl sie, vorzugsweise eine Pille mit 30 µg Ethinylestradiol und einem starken Gestagen wie Dienogest zu verschreiben. Geeignet ist auch die Kombination Östradiolvalerat plus Dienogest, die in der Schweiz zur Behandlung der Hypermenorrhö offiziell zugelassen ist. Andere ältere Mittel, wie Danazol oder GnRH-Agonisten, werden nicht mehr eingesetzt. Einen langfristigen Erfolg bringt die Hormonspirale mit 52 mg Levonorgestrel.

1. O’Brien B et al. J Pediatr Adolesc Gynecol 2019; 32(2):122–127.

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