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Die Nachtruhe Demenzkranker erfordert mehr als nur Tabletten

Schlafqualität auf vier Säulen

Demenzpatienten halten ihre Angehörigen auch nachts häufig auf Trab, was nicht selten zu einer frühzeitigen Heimeinweisung führt. Um den Schlaf-Wach-Rhythmus zurück ins Gleichgewicht zu bringen, hat sich eine Kombination aus verschiedenen Massnahmen bewährt.

Sie sind verwirrt, können nachts nicht richtig ein-, geschweige denn durchschlafen und nicken deshalb am Tag für längere Zeit weg. Bei etwa der Hälfte aller Demenzpatienten kommt es mit der Zeit zu Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus, vermutlich als Folge neurodegenerativer Prozesse. Wie eng Schlaf und Hirngesundheit miteinander zusammenhängen, betonen Forscher seit Jahren. Nicht ohne Grund plädieren sie immer wieder für eine ausreichende Nachtruhe, werden doch nur so giftige Stoffwechselprodukte wie Tau-Protein und β-Amyloid in ausreichenden Mengen abgebaut.

Umgekehrt begünstigt ein gestörter Schlaf funktionelle und neuropathologische Veränderungen im Gehirn und ebnet Demenzen damit den Weg. Erkrankte haben zudem das Problem, dass sich ihre Schlaf-Wach-Rhythmik weiter verschiebt, je mehr die Demenz zunimmt, schreiben Dr. Dirk­ Schwerthöffer­ und Professor Dr. Hans­ Förstl­ von der Klinik und Poliklinik für Psychia­trie und Psychotherapie, Klinikum rechts der Isar der TU München. Ursache dafür könnten v.a. eine stark reduzierte endogene Melatoninproduktion bei den Betroffenen sowie ein funktional und neuroanatomisch veränderter «innerer Zeitgeber» sein, der Nucleus suprachiasmaticus.

When the sun goes down

Unter dem Begriff Sundowning-Syndrom werden – je nach Definition – unterschiedliche Symptome wie Ängstlichkeit, Agitiertheit, aggressives Verhalten, Umherwandern, Schreien oder optische bzw. visuelle Halluzinationen zusammengefasst. Diese treten meist am späten Nachmittag bis frühen Abend auf, wenn die kognitiven Reserven von Demenzpatienten erschöpft sind. Das Syndrom steht in Zusammenhang mit zahlreichen Risiken wie einer raschen kognitiven Verschlechterung, erhöhten Hospitalisierungs- und Heimeinweisungsraten sowie einer stärkeren Belastung der Angehörigen.

Lichttherapie am besten mithilfe der Sonne

Um Patienten adäquat zu behandelt, sei laut Studienlage eine Kombina­tionstherapie aus

  • pharmakologischen,
  • physikalischen,
  • sozialen und
  • schlafhygienischen

Massnahmen am wirksamsten, so die Autoren. Mit Ausnahme des medikamentösen Parts finden sich die genannten Verfahren z.B. in der Chronotherapie. Diese multimodale Behandlung zielt darauf ab, den Unterschied zwischen Tag und Nacht für Demenzpatienten zu vergrössern.

Dazu gehören u.a. regelmässige Bettzeiten mit einem individuell passenden Zubettgehzeitpunkt. Ausserdem lernen sie, wie sie den ausgedehnten Tagschlaf vermeiden, indem sie z.B. mehr körperlich und sozial aktiv sind und einer festen Tagesstruktur folgen. Auch eine Lichttherapie wird von den Kollegen genannt, nach Möglichkeit mit Sonnenlicht. Wer auf spezielle Geräte setzt, könne 30 Minuten mit 10 000 Lux probieren.

Risperidon und Trazodon am ehesten geeignet

Eine alleinige medikamentöse Therapie empfehlen die Autoren aufgrund der widersprüchlichen Studienergebnisse nicht. Risperidon (0,5–1,5 mg) und Trazodon (100–150 mg) haben z.B. in einigen Arbeiten gute Effekte bei Demenzpatienten gezeigt. Eine Behandlung mit Hypnotika dagegen scheint häufig zu (Über-)Sedierung zu führen. Zudem kommt es vermehrt zu Stürzen und schlechteren kognitiven Leistungen, schreiben die Kollegen.

Jeder Demenz ihr Schlafmuster

  • Alzheimer-Demenz: verlängerte Einschlaflatenz, Tiefschlaf nimmt ab, nächtlicher Wachanteil erhöhlt, frühes Erwachen, exzessive Tagschlafepisoden, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Vaskuläre Demenz: geringere Schlafeffizienz als bei Alzheimer-Demenz, gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Demenz bei M. Parkinson: exzessive Tagesschläfrigkeit, Einschlafattacken, häufiges nächtliches Erwachen, Früherwachen, Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Lewy-Körperchen-Demenz: stärker gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus als bei Alzheimer-Demenz, Betroffene wachen nachts oft auf, ausgeprägte Tagesschläfrigkeit, verminderte Schlafeffizienz
  • Demenz bei M. Huntington: Tag-Nacht-Aktivitätsrhythmus aufgehoben, Einschlaflatenz verlängert, Schlafeffizienz verringert, Tief- und REM-Schlafanteil vermindert
  • Frontotemporale Lobärdegeneration: sowohl vorverlagerte als auch verzögerte Schlafphasensyndrome, geringere Schlafefizienz und Gesamtschlafzeit

Quelle: Schwerthöffer D, Förstl H. DNP – Der Neurologe & Psychiater 2020; 21: 18–22; doi: 10.1007/s15202-019-0002-0

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