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Warum so viele Allgemeinmediziner unter einem Burn-out leiden

Hausärzte spielen mit dem Feuer

Viel zu viel zu tun und obendrauf noch ein riesiger Berg an Bürokratie-Kram – wo soll da noch Zeit für die Patienten bleiben? Abgesehen davon wird die Arbeit von Allgemeinmedizinern häufig nicht wertgeschätzt. Das nagt an der Psyche.

Fast jeder zweite Kollege bewegt sich am Rande eines Burn-outs. Zwar stammt diese Information aus den USA, doch dürften hierzulande sicher ähnlich viele Ärzte mit einer chronischen Erschöpfung kämpfen. In der Allgemeinmedizin nehmen Forscher sogar einen noch weit höheren Anteil an. Ein Grund mehr, sich die Ursachen eines Burn-outs genauer anzusehen, dachten sich Dr. Sumit­ D. Agarwal­ von der Division of General Internal Medicine and Primary Care, Brigham and Women’s Hospital in Boston, und seine Kollegen.

Aus den Antworten von 21 Ärzten, drei Pflegekräften sowie zwei klinischen Fachspezialisten aus zehn allgemeinmedizinischen Einrichtungen erhofften sich die Wissenschaftler Antworten darauf, warum die Zahl «ausgebrannter» Mediziner stetig zunimmt. In Diskussionen und semistrukturierten Interviews besprachen die Teilnehmer ihre Erfahrungen mit Burnout, Hindernissen im Job plus mögliche Lösungsansätze. Im Schnitt konnten die Befragten auf 19,4 Jahre klinische Erfahrung zurückblicken.

Denkleistung wird weniger beachtet als Eingriffe

Sechs Themen kristallisierten sich heraus, mit denen sie am meisten haderten. Als externe Barrieren nannten viele Kollegen eine extrem hohe Arbeitsbelastung («unrealistisch», «nicht zu schaffen») sowie den wachsenden Berg von bürokratischen Aufgaben. Diese hätten häufig nichts mit der ursprünglichen Tätigkeit eines Arztes zu tun und seien unnötig komplex – was wiederum zulasten der Patientenversorgung gehe.

Solche Ärgernisse demoralisieren die Kollegen in zunehmendem Masse. Hinzu komme das Gefühl, nicht die Gesundheit der Patienten stünde im Mittelpunkt ihrer Arbeit, sondern eher der geschäftliche Teil daran, sprich: das Geld. In dem Mass, wie die Verantwortung im Klinikalltag zunehme, schwinde die Möglichkeit, Patienten umfassend zu behandeln.

Weiterhin beklagten die Diskutanten, lokale Institutionen und das Gesundheitssystem schätzten Allgemeinmediziner zu wenig. Häufig werde ihre Arbeit, der in der Regel einiges an Kopfzerbrechen vorangeht, weniger beachtet als «tatsächliche» Eingriffe. Dazu passt, dass viele Kollegen eine klaffende Lücke zwischen ihrem Gehalt und der Arbeitsbelas­tung sahen. Kaum Chancen, sich etwas von Verantwortlichkeiten abzugrenzen, die mangelnde Kommunikation mit Vorgesetzten und anderen Fachärzten sowie die fehlende Anerkennung der speziellen Herausforderungen ihrer Fachrichtung zählten zu den weiteren Belastungen.

So verwunderte es die Forscher nicht, dass die Work-Life-Balance ebenfalls diskutiert wurde. Oder eher die mangelnde Balance. Beides miteinander vereinen? Selten möglich. Es gebe nur vereinzelt Gelegenheit dazu, unbeschwert in die Ferien zu fahren oder einfach nur nach Hause zu gehen, ohne an das Chaos nach der Rückkehr zu denken. In Anbetracht dessen forderten die Teilnehmer, «mehrdimensional» gesehen zu werden. Als Menschen, für die mehr zählt als ihre Arbeit. Dies könne geschehen, indem man beispielsweise die beschriebenen Belastungen reduziert: Abläufe verändern, familienfreundlichere Arbeitszeiten schaffen, Verantwortlichkeiten klären. Und die Disziplin der Allgemeinmedizin endlich mehr wertschätzen.

Agarwal SD et al. JAMA Intern Med 2020; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.6326.

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