Medical Tribune
30. Aug. 2019Der E-Sport füllt ganze Sporthallen

Berufswunsch Computerspieler

E-Sport ist hartes Training, bietet aber die Chance auf Prominenz und Spitzengehälter. Spielsuchtgefährdet sind die Profis dabei kaum – wohl aber die Amateur-Gamer, die ihren Idolen nacheifern.

Der E-Sport füllt ganze Sporthallen. In China wurde vor zwei Jahren sogar die erste eigene «Battle-Arena» errichtet, ausschliesslich für den E-Sport konzipiert, berichtete Professor Dr. Pawel Sleczka von der Deutschen Hochschule für Gesundheit und Sport in Ismaning bei München.

In Deutschland wird die Zahl der E-Sportler etwa auf über eine Million geschätzt. Dazu kommt ein deutlich grösseres Publikum, das in Stadien oder im Internet die Wettkämpfe verfolgt. Da lässt sich erahnen, dass E-Sport auch ein Wirtschaftsfaktor ist. Der E-Sport-Markt machte laut Prof. Sleczka 2019 weltweit mit Sponsoren, Werbung und dem Verkauf von Übertragungsrechten einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar. Die jährliche Wachstumsrate wird auf 40 % geschätzt. In Südkorea soll es bereits 200 000 Arbeitsplätze in Verbindung mit dem digitalen Sport geben. Erst kürzlich machte der E-Sport auch ausserhalb der Szene wieder von sich reden, als der Spielehersteller Epic Games über zehn Wochen hinweg «die bes­ten Fortnite-Gamer der Welt» gegeneinander antreten liess und alles in allem 30 Millionen US-Dollar an Preisgeldern auslobte.1

Gefragt sind verschiedene kognitive Fähigkeiten

Hinter dem Begriff E-Sport verbirgt sich «das sportwettkampfmässige Spielen von Video- bzw. Computerspielen, insbesondere auf Computern und Konsolen, nach festgelegten Regeln». So beschreibt es der eSport-Bund Deutschland. Es gibt Wettkämpfe sowohl mit Strategiespielen als auch Ego-Shootern, Sport- und Rennsimulationen. Wie Prof. Sleczka erklärte, sind beim E-Sport eine ganze Reihe kognitiver Fähigkeiten gefragt. So muss sich der Sportler etwa an wechselnde Gegebenheiten und Gegner anpassen. Teamfähigkeit und Vertrauen in die Mitspieler sind gefordert, denn es wird häufig im Team gespielt. Zudem muss der Spieler in der Lage sein, eine Metaperspektive über kurzfristige und langfristige Ziele einzunehmen. E-Sportler demonstrieren über eine längere Zeit überdurchschnittliche Leistungen im visuell-räumlichen Bereich und müssen hoch konzentriert bei der Sache sein.

In der Szene wird von der Notwendigkeit einer Spiel-Life-Balance gesprochen, um die Wettkämpfe erfolgreich durchstehen zu können. Es wird also nicht Tag und Nacht gespielt, wie landläufig angenommen wird. Neben dem Training der jeweiligen Spieldisziplin gehören auch physische und mentale Trainingseinheiten zur Wettkampfvorbereitung. Die Motivation der E-Sportler, das Streben nach Verbesserung und Erfolg und das sys­tematische Training unterscheidet die Profis nach Meinung von Prof. Sleczka klar von den Amateur-Gamern.

Einen Beleg für einen Zusammenhang zwischen E-Sport und psychischer Störung durch Glücks- oder Comuterspiele gibt es derzeit nicht, ebenso wenig existieren Beweise für negative Folgen des E-Sports für die Sportlerinnen und Sportler, betonte der Referent. Er gab aber zu, dass der E-Sport auch das nicht wettkampfmässige Gaming noch populärer macht als bisher. Von der wachsenden Zahl der Spieler schaffen es wenige bis nach ganz oben. Da bleibe es nicht aus, dass einige Computerspielbegeisterte dann doch im Lauf der Zeit die Kriterien einer Spielsucht erfüllen.

Referenzen:

fortnite

Inter­disziplinärer Kongress für Suchtmedizin