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Ein Blick in die Zukunft der Osteoporose-Therapie

Mit den SERMs*, den Bisphosphonaten und Denosumab gibt es aktuell drei gut etablierte antiresorptive Therapieoptionen für die Osteoporose. Demgegenüber steht mit Teriparatid nur ein osteoanaboler Wirkstoff. Doch das wird sich bald ändern. Neue Targets erlauben neue therapeutische Optionen. In ein bis zwei Jahren werden die neuen Medikamente wohl zugelassen werden, so Dr. Rachner. Die Studienprogramme sind bereits weit fortgeschritten. Die «Neuen», das sind Romosozumab und Abaloparatid.

Sklerostin-Antikörper und Hormon-Analogon

Romosozumab ist ein Antikörper gegen Sklerostin, das im sogenannten Wnt-Signalweg eine zentrale Rolle spielt. Wnt fördert die Differenzierung und Aktivierung von Osteoblasten. Sklerostin wiederum hemmt Wnt, sodass weniger Osteoblasten gebildet werden. Inaktiviert man nun durch den Antikörper das Sklerostin, wird vermehrt neuer Knochen gebildet. In einer Phase-III-Studie (FRAME-Trail1) mit 7180 postmenopausalen Frauen konnte unter einer 12-monatigen Therapie mit 210 mg Romosozumab einmal pro Monat subkutan das Auftreten vertebraler Frakturen um 73 % reduziert werden. An allen Messorten zeigte sich ein deutlicher Anstieg der Knochendichte. Schwerwiegende Nebenwirkungen traten in der Studie nicht auf. Romosozumab wirkt auch bei Männern, wie die vorläufigen Daten der BRIDGE-Studie zeigen.2 Die Zulassung von Romosozumab ist sowohl bei der FDA als auch bei der EMA beantragt.
Abaloparatid ist ein Hormon-Analogon, das die Wirkung des PTH-related Protein (PTHrP) nachahmt. Das synthetische Peptid besteht aus 34 Aminosäuren und wirkt wie Teriparatid am PTH-1-Rezeptor. Aufgrund der 1 × täglichen Applikation kommt es zu einer kurzfristigen Aktivierung des Rezeptor mit einem anabolen Effekt. In der Phase-III-Zulassungsstudie (ACTIVE3) wurde der neue Wirkstoff (1 × tgl. 80 µg s. c.) nicht nur gegenüber Placebo, sondern auch gegenüber Teriparatid getestet. Es kam im Verlauf der 18-monatigen Behandlung an allen Messorten zu einem deutlichen Anstieg der Knochendichte, der sogar über dem unter Teriparatid lag. Im Vergleich zu Placebo traten 86 % weniger vertebrale Frakturen auf. Zwar gab es in der Abaloparatid-Gruppe die meisten Studienabbrecher (9,9 % vs. 6,8 % Teriparatid vs. 6,1 % Placebo), dafür traten aber im Vergleich zu Teriparatid weniger Hyperkalz­ämien (3,4 % vs. 6,4 %) auf. Wie Dr. Rachner berichtete, wird mit der Zulassung in den USA noch in diesem Jahr gerechnet.
*selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren

1. Cosman F et al. N Engl J Med 2016, 375: 1532–1543.
2. Amgen-Pressemitteilung 11/2016
3. Miller PD et al. JAMA 2016; 316: 722–733.

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