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Sichelzellanämie endlich dauerhaft heilbar mit neuer Gentherapie

Die genetische Ursache der Sichelzellanämie ist seit Langem bekannt: Eine Punktmutation an Position sechs des Gens für die Beta-Globin-Protein-Untereinheit führt bei Sauerstoffmangel zu einer Verklumpung des Hämoglobins, was Erythrozyten in die charakteristische Sichelform zwingt. Mögliche Folgen sind hämolytische Anämien, Thrombosen und akute Durchblutungsstörungen (sogenannte Sichelzellkrisen).

Bei Thalassämie bereits erprobt

Der junge Patient hatte vor der Gentherapie pro Jahr im Mittel 1,6 Sichelzellkrisen durchgemacht. In beiden Hüften war es bereits zu Osteonekrosen gekommen, Milz und Gallenblase mussten entfernt werden. Im Gehirn waren schon Zeichen einer Vaskulopathie erkennbar. Auf zwei Behandlungen mit Hydroxyharnstoff im Kindesalter hatte er nicht ausreichend angesprochen und ein geeigneter Knochenmarkspender wurde nicht gefunden.
Dies führte zu der Entscheidung von Dr. Jean-Antoine Ribeil vom Necker Children‘s Hospital in Paris und seinen Kollegen, bei dem Patienten eine neue Art der Gentherapie zu erproben, die bereits bei Thalass­ämie erfolgreich durchgeführt wurde. Dazu infizierten die Forscher die aus Knochenmarkproben entnommenen hämatopoetischen Stammzellen des Jungen mit Lentiviren, die die genetische Information für eine korrekte Version des Gens in den Zellen ablegten. Nach Ablation mit Busulfan wurde das Knochenmark mit den so modifizierten Stammzellen wieder neu besiedelt.

Hälfte des Hämoglobins fehlerfrei

Die gefährliche Phase der Knochenmarkdepression und Immunsuppression hatte der Junge gut überstanden – nach 50 Tagen konnte er nach Hause entlassen werden. Heute ist etwa die Hälfte seines Hämoglobins ohne Fehler – womit er sich in der gleichen Situation wie seine heterozygoten Eltern befindet. Seit der Behandlung ist über 15 Monate keine einzige Sichelzellkrise mehr aufgetreten. Zudem sind keine Bluttransfusionen mehr notwendig gewesen.
Jetzt hoffen die Wissenschaftler, dass ihr Patient auch von einer Leuk­ämie verschont bleibt, die nach früheren Versuchen einer hämatopoetischen Gentherapie mit damals noch anderen Vektorviren gehäuft aufgetreten war.

Ribeil JA et al. N Engl J Med 2017; 376: 848–855.

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