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Dr. Dorothea Ranft, Foto: wikipedia/MFN24

Was Ihnen eine entzündete Eichel verrät

Brennende Plaques oder ausgedehnte Erosionen: Eine Balanoposthitis kann betroffene Männer massiv quälen, mitunter wird sogar der Geschlechtsverkehr vereitelt. Dabei können auch Sie die Diagnose oft schon auf einen Blick stellen.

Die Balanoposthitis ist definiert durch entzündliche Veränderungen an Glans (Balanitis) und innerem Präputialblatt (Posthitis). Als prädisponierend gelten z.B. höheres Alter, angeborene Phimose und mangelhafte oder übertriebene Hygiene, schreiben Professor Dr. Frank-­Michael Köhn vom Andrologicum München und Kollegen. Die Zirkumzision hingegen wirkt protektiv.

Auch übertriebene Hygiene ein Risikofaktor

Klinisch unterscheidet man zwischen akuter und chronischer Form. Die akute Balanoposthitis entsteht oft durch Infektionen, penile Dermatosen, Traumata, Smegma-Retention und Kontaktallergien. Die Behandlung von Kondylomen mit Podophyllotoxin, Imiquimod oder Grünteeextrakt kommt ebenfalls als Auslöser infrage.

Auch fixe Arzneimittelexantheme (z.B. durch verschiedene Antibiotika, Barbiturate oder Salizylate) können sich am Penis manifestieren, mit scharf begrenzten erythematösen Maculae oder Plaques, später auch Blasen. Bei wiederholter Einnahme des Medikaments tritt das Exanthem immer an derselben Stelle auf. Es heilt innerhalb von zwei bis drei Wochen mit einer Hyperpigmentierung ab.

Eine spezielle Form der chronischen Balanoposthitis, der M. Zoon, betrifft vor allem nicht zirkumzidierte Männer im 5. bis 8. Lebensjahrzehnt. Irritative Faktoren (Wärme, Verletzungen), unzureichende Hygiene und immunologische Vorgänge gehören zu den möglichen Ursachen. An der Dorsalseite der Glans und am inneren Vorhautblatt bilden sich spiegelnde, bräunlich-rote Plaques, häufig begleitet von petechialen Blutungen, ggf. auch von leichtem Brennen und Juckreiz.

Zur Lokaltherapie eignen sich vor allem steroidhaltige Externa in fettarmer Grundlage und Tacrolimus. Trockenhalten des Präputialraums (Mullstreifen) kann den Effekt unterstützen. Auch eine Zirkumzision oder Lasertherapie bessert den Befund.

Ein weiterer wichtiger Auslöser der chronischen Balanoposthitis: der Lichen sclerosus et atrophicus. Diese chronischentzündliche Bindegewebserkrankung der Haut befällt bevorzugt die Genitalregion (> 80 %). Meist erkranken unbeschnittene Männer im mittleren Lebensalter (Risikofaktoren s. Kasten). Die Dermatose beginnt mit porzellanartig weissen, derben Plaques, die später zu grösseren Flächen konfluieren. Zudem bilden sich nicht selten Adhäsionen zwischen Glans und innerem Vorhautblatt, evtl. behindert ein verengtes Orificium urethrae die Miktion.

Anfangs sind die Hautveränderungen symptomlos, später klagen die Patienten über Juckreiz, Brennen und eine verminderte Sensibilität der Glans sowie schmerzhafte Erektionen (Einreissen der verengten Vorhaut). Bei chronischem Verlauf können sich in den Herden spinozelluläre Karzinome bilden, das Risiko ist allerdings mit ca. 1 % geringer als früher angenommen.

Testosteron-Cremes obsolet beim Lichen sclerosus

Therapeutisch empfehlen die Autoren bereits frühzeitig eine Zirkumzision. Denn durch diesen Eingriff bilden sich selbst Veränderungen an der Glans penis noch zurück. Auch die lokale Applikation von ClobetasolCreme und intraläsionale Steroid-Injektionen haben sich als wirksam erwiesen. Alternativ kommen topische Immunmodulatoren (Pimecrolimus, Tacrolimus), Laser und fokussierter Ultraschall infrage. Testosteronhaltige Cremes gelten dagegen heute als obsolet.

Im Rahmen der ReiterTrias (Urethritis, Konjunktivitis, Arthritis) kann sich ebenfalls eine chronische Balanitis entwickeln. Erste stecknadelkopfgrosse grauweisse Flecken im Präputialraum verwandeln sich später in runde fleischrote Erosionen und konfluieren schliesslich zu landkartenartig erodierten Flächen. Dabei bleibt die Periurethralregion meist frei. Nicht selten wird diese Balanitis erosiva circinata, die auch spontan auftreten kann, von schmerzhaftem Jucken und Brennen begleitet. Die Behandlung erfolgt ebenfalls mit steroidhaltigen Cremes oder Tacrolimus, bei erosiven Verläufen empfehlen die Autoren austrocknende Massnahmen.

Quelle:

Köhn FM et al. Urologe 2016; 55: 829-842

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