Home / Oto-Rhino-Laryngologie / Akute Otitis externa: Schmerzen lindern und lokal behandeln

Dr. Andrea Wülker; Foto: thinkstock

Akute Otitis externa: Schmerzen lindern und lokal behandeln

Verschiedene Faktoren bereiten der akuten Entzündung des äußeren Gehörgangs den Weg: z.B. intensives „Ohrenputzen“ mit Wattestäbchen, Wasser im Gehörgang, hohe Luftfeuchtigkeit oder immunsupprimierende Erkrankungen wie Diabetes mellitus. Allen gemeinsam ist, dass sie den Fettsäureschutzmantel der Gehörgangshaut stören und den pH-Wert auf > 6 anheben, schreiben Dr. Miloš Fischer von der HNO-Universitätsklinik Leipzig et al.

Zu den typischen Otitis-externa-Erregern zählen Pseudomonas aeruginosa, Staphylococcus aureus, Proteus mirabilis, Escherichia coli, Streptokokken und auch Pilze. Bei etwa einem Drittel der Gehörgangsentzündungen liegt eine Mischinfektion vor. In der Regel entwickelt sich eine Otitis externa innerhalb von 48 Stunden.

Otitis Externa entwickelt sich innerhalb 48 Stunden

Die Patienten berichten über starke Ohrenschmerzen, Kauschmerzen oder Juckreiz und ein „Völlegefühl“ mit oder ohne Hörminderung. Charakteristisch ist ein Tragusdruckschmerz und/oder Ohrmuschelzugschmerz. Zusätzlich kann eine Otorrhö bestehen. Zur klinischen Untersuchung gehört die Inspektion von Gehörgang, Ohrmuschel und umgebender Haut, Palpation der regionalen Lymphknoten und Ohrspiegelung.

Bei der Otoskopie fällt ein entzündliches Ödem der gesamten Gehörgangshaut auf oder aber eine entzündliche Schwellung einer oder mehrerer Haarbalgdrüsen, meist im äußeren Anteil des Gehörgangs (Otitis externa circumscripta). Zur Behandlung der unkomplizierten akuten Gehörgangsentzündung gehören die folgenden Komponenten:

  • Schmerztherapie,
  • Gehörgangsreinigung,
  • Anwendung topischer Substanzen und
  • Patientenanleitung.

Der Schmerztherapie kommt große Bedeutung zu, denn eine Otitis externa kann enorm schmerzhaft sein – was daran liegt, dass das empfindliche Periost des knöchernen Gehörgangs direkt unter der Haut liegt und infolge der entzündlichen Ausbreitung mitbeteiligt ist. Bei leichten bis mäßigen Schmerzen helfen Paracetamol oder NSAR.
Liegen stärkere Schmerzen vor oder ist eine Gehörgangsreinigung notwendig, kann man ein topisches Lokal­anästhetikum oder ein Opioidderivat einsetzen.

Analgesie: Gehörgangsperiost extrem empfindlich

Zur topischen Anästhesie steht eine Kombination aus einem lokalen NSAR (Phenazon) und einem Lokalanästhetikum (Procainhydrochlorid) zur Verfügung (Otalgan® Lösung). Kommt zur vorübergehenden Schmerztherapie ein lokales Betäubungsmittel zum Einsatz, muss der Patient sich nach 48 Stunden zu einer Kontrolluntersuchung erneut vorstellen. Denn die Schmerzunterdrückung maskiert möglicherweise das Fortschreiten der Entzündung.

Damit topische Substanzen auch wirklich bis an den „Ort des Geschehens“ gelangen, muss zunächst eine Gehörgangsreinigung vorgenommen werden, um entzündlichen Detritus, Zerumen und eventuell vorhandene Fremdkörper zu entfernen. Dazu dient entweder eine Spülung mit körperwarmem sterilem Wasser, Wasserstoffperoxid, Kochsalzlösung oder – wenn eine Trommelfellperforation nicht ausgeschlossen werden kann – vorsichtiges Absaugen unter mikroskopischer Sicht.

Topische Medikation zentraler Therapieansatz

Bei unkomplizierter akuter Otitis externa ist im Allgemeinen kein orales Antibiotikum erforderlich, eine topische Therapie mit reinen Antiseptika, Antibiotika, Glukokortikoiden oder mit einer Kombination aus diesen Substanzen reicht aus. Um die lokale Wirksamkeit zu verbessern, kann es sinnvoll sein, einen Tamponadestreifen in den Gehörgang zu legen.

Oft werden bei der Otitis externa lokale Aminoglykoside (z.B. Neomycin), Polymyxine (Polymyxin B oder Colistin) bzw. Tetrazykline und Chinolone (z.B. Ciprofloxacin) verwendet.
Zu den häufig eingesetzten Antiseptika zählen Essigsäure-Präparate, die auch mit einem Kortikoid kombiniert erhältlich sind. Falls keine Überempfindlichkeit gegenüber Aminoglykosiden vorliegt und das Trommelfell intakt ist, kann eine Kombination aus Neomycin, Polymyxin B und einem Kortikoid gegeben werden. In Deutschland werden jedoch Aminoglykoside wegen der ototoxischen Nebenwirkungen eher selten verordnet. Alternativ stehen Ciprofloxacin-Ohrentropfen, teilweise kombiniert mit einem Kortikoid, zur Verfügung.

Systemische Antibiotikatherapie nur in Einzelfällen

Patienten mit Diabetes oder Abwehrschwäche benötigen zusätzlich eine systemische Antibiose. Das gilt auch für Patienten, deren Entzündung sich nicht mehr auf den Gehörgang beschränkt. Am besten wirken Chinolone (z.B. Ciprofloxacin) oder Breitspektrum-Penicilline (z.B. Piperacillin), weil diese das typische Keimspektrum um Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus abdecken.

Alle Patienten müssen darüber informiert werden, wie die topischen Medikamente korrekt anzuwenden sind: Seitwärtslagerung, Tropfen ins Ohr träufeln und drei bis fünf Minuten in der Seitenlage bleiben. Keine zusätzliche Manipulation im Gehörgang! Die meisten Patienten bemerken nach zwei bis drei Tagen eine deutliche Besserung. Falls nicht, sollte sich der Patient erneut vorstellen. Eine akute Otitis externa ist meist nach etwa einer Woche ausgestanden. Wichtig ist, den Patienten darauf hinzuweisen, wie er prädisponierende Faktoren für eine Otitis externa in Zukunft vermeiden kann.

Quelle:
Miloš Fischer und Andreas Dietz, Laryngo-Rhino-Otol 2015; 94: 113-128, DOI 10.1055/s-0034-1396837

LOGIN