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Dr. Barbara Kreutzkamp, Foto: thinkstock

Erfolgsrezepte gegen Riechstörungen

Die Inzidenz der funktionellen Anosmie, also des (nahezu) völligen Verlusts von Geruchswahrnehmungen, beträgt in der Bevölkerung etwa 5 %. Bei älteren Menschen sind Riechstörungen häufiger, etwa jeder vierte über 50-Jährige berichtet über entsprechende Einschränkungen. Klinisch sind Riechstörungen als Frühsymptom von M. Parkinson und Alzheimer-Demenz besonders zu beachten.

Bei der Anamnese sollte man gezielt folgende Befunde abfragen:

  • Behinderung der Nasenatmung
  • Rhinorrhö
  • Rauchgewohnheiten
  • Medikamenteneinnahme
  • Allergien
  • Infektionen
  • Operationen und Unfälle
  • Exposition gegenüber Atemwegs-noxen (Arbeitsplatz, Freizeit).

Auch die zeitliche Abfolge klinisch relevanter Ereignisse gilt es zu eruieren, um einen Zusammenhang mit dem Auftreten der Riechstörung aufzuspüren.

Leberzirrhose kann ursächlich sein

Bei neurodegenerativen Erkrankungen (Alzheimer, Parkinson) ist evtl. die Familienanamnese hilfreich.

Auch internistische Erkrankungen wie Leberzirrhose, Hypothyreose, Niereninsuffizienz oder perniziöse Anämie können in seltenen Fällen den Geruchssinn stören.

Das gleiche gilt für Multiple Sklerose, Epilepsien und die Alkoholenzephalopathie.

Zur Diagnostik erfolgen neben HNO-ärztlichen Spiegeluntersuchungen und Nasenendoskopie Riechtests bzw. eine Olfaktometrie. Für die bildgebende Abklärung wird vorrangig die CT empfohlen.

3 Formen der Riechstörung:

  • Posttraumatisch:

    Bei olfaktorischen Störungen infolge eines Schädelhirntraumas erreichen nur etwa 20 % der Patienten spontan wieder ihr ursprüngliches Riechvermögen.
  • Sinunasal:

    Meist kommt es innerhalb von Monaten bis Jahren durch entzündliche Veränderungen oder mechanische Verlegung des Duftstroms (Septumdeviation, Polyposis nasi) zu Riechminderungen. Bei adäquater Therapie ist die Prognose gut.

  • Nicht sinunasal:

    Virale Infektionen der oberen Atemwege können zum Verlust der Riechfunktion führen, v.a. bei Patienten über 50 Jahre.

    In rund 60 % der Fälle bessert sich das Riechvermögen langsam wieder, erreicht aber selten das Niveau vor der Infektion. Eine günstigere Prognose haben jüngere Patienten und Nichtraucher.

    Auch neurodegenerative Erkrankungen (Parkinson, Alzheimer), Chemotherapien oder toxische Einflüsse (Metalldämpfe, Gase, Lösungsmittel) können mit Riechstörungen einhergehen.

Bei Schleimhautschäden kann auch Vitamin A helfen

Riechstörungen sind meist konservativ behandelbar, bei entzündlicher Ursache (s. Kasten) helfen akut abschwellende Nasentropfen und langfristig topische Kortikoide sowie schleimhautpflegende Lokaltherapeutika (Nasensalben, Sprays mit physiologischer Kochsalzlösung).

Bei postviralen, posttraumatischen und idiopathischen Störungen hat sich ein etwa einjähriges Riechtraining mit Zitronen-, Eukalyptus-, Nelken- und Rosenduft in mehreren Studien als erfolgreich erwiesen. Dabei riecht der Patient morgens und abends für etwa zehn Sekunden an allen vier Düften.

Ebenfalls studienbasiert können bei Schleimhautschäden orales Vitamin A (10 000 I.E./Tag), Zink sowie bei Frauen Östrogene empfohlen werden. Als weitere Option kommt die Akupunktur infrage.

Eine chirurgische Therapie ist am ehesten indiziert bei ausgeprägten Veränderungen der Nasenanatomie oder raumfordernden Prozessen, bei Schädelhirntrauma oder Tumor kann eventuell ein neurochirurgischer Eingriff helfen.

Was ist bei Kindern anders?

Häufigste Ursachen für Riechstörungen im Kindesalter sind Adenoide. Aber auch genetische Erkrankungen oder Fehlbildungen kommen als Auslöser in Betracht. Zu diesen zählen beispielsweise das Kallmann-Syndrom, die Mikrodeletion 6q27, mit einer Holoprosenzephalopathie assoziierte Erkrankungen sowie die isolierte kongenitale Anosmie.

Neurologische und HNO-ärztliche Diagnostik sowie ggf. ein MRT sind bei der Abklärung obligatorisch. Ein Riechtest ist ab dem 5. bis 6. Lebensjahr möglich, beachtet werden sollten aber die verminderte Aufmerksamkeitsspanne und mangelnde Kenntnis von einigen Gerüchen.

Quelle: Michael Kühn et al., HNO 2013; 61: 975-986

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