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Orale Ernährung steigert Lebensqualität

Mit Schlagsahne und Gewürzen Mangelernährung verhindern

Seniorin mit Mangelernährung

Rund die Hälfte aller älteren Menschen weist ein erhöhtes Risiko für Mangelernährung auf, in Heimen sind es sogar etwa zwei Drittel. Allerdings fehlt bis jetzt eine allgemeingültige Definition von Mangelernährung. Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Fachgesellschaften für Ernährung (DGE) und Geriatrie (DGG) definiert sie als unbeabsichtigten Gewichtsverlust von

  • mehr als 5 % in drei Monaten oder
  • mehr als 10 % in sechs Monaten beziehungsweise
  • ein deutlich reduzierter Body-Mass-Index (< 20 kg/m2).

Mangelernährung droht bereits, wenn die Nahrungsmenge eines älteren Patienten drei Tage lang unter 50 % des Bedarfs sinkt.

Gefährdet sind auch Personen mit mehreren Risikofaktoren für einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf beziehungsweise für eine reduzierte Essmenge. Dazu zählen z.B. Kau- oder Schluckstörungen, neuropsychologische Probleme, Immobilität oder akute Erkrankungen.

Orale Ernährung steigert Lebensqualität

Orale Ernährung kann bei älteren Menschen sehr anspruchsvoll und zeitintensiv sein, betonen die Autoren unter der Federführung von Professor Dr. Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Aber: Sie liefert nicht nur Ener­gie, sondern erfüllt darüber hinaus wichtige soziale Funktionen und ist ausserdem ein Mediator für Genuss und Wohlbefinden.

Ziel aller Ernährungsmassnahmen ist bei Senioren vor allem der "Erhalt von Funktion, Selbstständigkeit und Lebensqualität", heisst es in der Leitlinie. Reduktion von Morbidität und Mortalität haben dabei weniger Gewicht. Verschiedene Interventionen können zu einer adäquaten Nahrungsaufnahme beitragen.

Ermunterung zum Essen statt salzarmer Kost

Doch zunächst gilt es, jenseits des physiologisch nachlassenden Appetits mögliche Ursachen einer Mangelernährung zu beseitigen (s. Kasten). Darüber hinaus sollten vorbestehende strenge Diätvorschriften (z.B. salzarme Kost) gelockert werden. Angemessene pflegerische Massnahmen können die Nahrungsaufnahme unterstützen. Dazu gehören:

  • Aufforderung und Ermunterung zum Essen,
  • Patienten in angenehmer Umgebung gemeinsam an den Tisch setzen,
  • genügend Zeit lassen und
  • bei Bedarf helfen.

Eine Auswertung in 16 Pflegeheimen ergab, dass in Einrichtungen mit wenig Gewichtsverlusten häufiger verbale Aufforderungen und soziale Interaktionen bei den Mahlzeiten stattfanden als in Heimen mit hoher Prävalenz von Gewichtsverlust. Auch bei Demenzkranken beeinflussten spezifische Kommunka- tionsstrategien das Essverhalten und die Nahrungsmenge positiv.

Hilfreich ist es zudem, die Mahlzeiten an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. Bei 18 Bewohnern einer Pflegeeinrichtung erhöhte die Verbesserung von Geschmack, Textur und Aussehen pürierter Kost über einen Zeitraum von 16 Tagen die Zufuhr um 15 % – im Vergleich zu den vorausgehenden 16 Tagen mit der üblichen prürierten Nahrung.

Alzheimer-Patienten essen abends gern Kohlenhydrate

Alzheimerpatienten profitierten von einer abendlichen kohlenhydratreichen Mahlzeit. "Fingerfood" fördert selbstständiges Essen. Und kleine, aber energie- und proteinangereicherte Mahlzeiten steigerten bei geriatrischen Rehapatienten und akutkranken Senioren die Zufuhr signifikant.

Auch bezüglich möglicher Interventionen gilt der Leitsatz: individuell anpassen! Zu diesem Konzept gibt es mehrere Studien mit älteren Patienten nach Schlaganfall, Hüftfraktur oder mit internistischen Erkankungen. Dabei fanden sich positive Effekte in Bezug auf Ernährungszustand, Energiezufuhr, Komplikationen, Antibiotika-Einsatz, Wiedereinweisung und Lebensqualität.

Aus einer Untersuchung mit Pflegeheimbewohnern geht z.B. hervor, dass individuelle Pflegepläne und energiereiche, volumenreduzierte Ernährung bei 60 % von 48 unterernährten Senioren zur Gewichtszunahme führten.

Nahrung mit Öl, Sahne oder Butter anreichern

Reicht die Nahrungsaufnahme durch normale Speisen nicht aus, sollten diese z.B. mit Öl, Sahne oder Butter angereichert werden. Idealerweise arbeiten Betroffene, Ernährungsexperten, Pflegekräfte, Hauswirtschaftspersonal, Ärzte, Therapeuten und Angehörige zusammen.

Ein derartiges "Teamwork" führt bei akut kranken geriatrischen Patienten zur Verbesserung des Körpergewichts und mindert nosokomiale Infektionen, wie aus Interventionsstudien hervorgeht.

Dank guter Ernährung weniger im Delir

Patienten nach Hüftfraktur zeigten eine erhöhte Nahrungsaufnahme und bessere Lebensqualität. Auch demente Pflegeheimbewohner profitierten von der o.g. Vorgehensweise: Ernährungszustand, Wohlbefinden und die Qualität der Mahlzeiten schnitten besser ab. Andere Untersuchungen fanden z.B. eine reduzierte Inzidenz und Dauer deliranter Zustände oder geringere Mortalitätsraten.

Quelle: Dorothee Volkert et al., Aktuel Ernährungsmed 2013; 38: e1-e48

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