Home / Gynäkologie und Geburtshilfe / Wie gegen die bakterielle Vaginose vorgehen?

Dr. Andrea Wülker, Foto: thinkstock

Wie gegen die bakterielle Vaginose vorgehen?

Die Scheidenflora setzt sich normalerweise aus verschiedenen Laktobazillenarten zusammen; auch Bakterien und Candidaspezies der Haut- und Darmflora finden sich transient bzw. kommensal. Der Scheiden-pH liegt üblicherweise bei 3,8 bis 4,4. Kommt es – meist durch Geschlechtsverkehr – zur bakteriellen Vaginose (BV), nehmen anaerobe Mikroorganismen rapide zu und der vaginale pH-Wert steigt an.

Mittels PCR und gentechnischer Methoden lassen sich bei der bakteriellen Vaginose vor allem verschiedene Gardnerella-vaginalis-Stämme und Atopobium vaginae nachweisen, schreiben die Leitlinienautoren unter Federführung von Professor Dr. Werner Mendling, Wuppertal. Eine BV kann zu Symptomen wie z.B. vermehrtem Ausfluss mit Vulva-Reizung führen. Doch viele Frauen fühlen sich in ihrem Wohlbefinden nicht beeinträchtigt.

Laktobazillen schwinden, Anaerobier machen sich breit

Die Diagnose „Bakterielle Vaginose“ gilt als gesichert, wenn mindestens drei der folgenden vier Kriterien vorliegen:

  • dünnflüssiger, homogener Fluor,
  • vaginaler pH-Wert über 4,5,
  • Amingeruch des vaginalen Ausflusses, vor allem nach Alkalisierung mit 10%iger Kalilauge,
  • Nachweis von mehr als 20 % Schlüsselzellen (clue cells) im Nativpräparat (die typischen, dicht mit Bakterien besetzten Epithelzellen im vaginalen Nativpräparat werden als „clue cells“ bezeichnet, weil sie den „Schlüssel“ zur Diagnose BV darstellen).

Alternativ kann eine BV auch anhand eines gramgefärbten Ausstrichs des Scheidensekrets diagnostiziert werden.

Charakteristisch sind die Abnahme bestimmter Arten der fakultativ anaeroben Laktobazillen und eine etwa tausendfache Zunahme von Anaerobiern.

Frauen mit BV haben ein erhöhtes Risiko für aufsteigende Infektionen – über die Zervix zum Endometrium bis zu den Adnexen. Auf diese Weise kann eine BV zur Salpingitis oder sogar zum Tuboovarialabszess führen.

Bei Trägerinnen eines Intrauterinpessars ist das Risiko für aszendierende Infektionen noch größer.

Als Folge einer BV-getriggerten Endometriose kann es zu Blutungsanomalien kommen; auch die Gefahr rezidivierender Harnwegs­infektionen nimmt zu.

Wann eine bakterielle Vaginose ausschließen?

  • Vor dem Einlegen einer Intrauterin­spirale und vor intrauterinen Eingriffen sollte eine bakterielle Vaginose ausgeschlossen werden.
    Liegt eine BV vor, erfolgt die antibiotische Behandlung entweder vor den geplanten Maßnahmen oder perioperativ.
  • Bei Patientinnen mit Blutungsstörungen oder rezidivierenden Harnwegsinfekten könnte eine bakterielle Vaginose vorliegen.
  • Ein BV-Screening (pH-Bestimmung und Nativpräparat des Scheidensekretes) erscheint bei Frauen mit Kinderwunsch oder möglichst früh in der Schwangerschaft sinnvoll.
  • Auch vor einem Schwangerschaftsabbruch sollte ein Nativpräparat beurteilt werden.

Frühgeburt wegen aufsteigender Vaginalinfektion

Für Schwangere birgt eine BV besondere Risiken: Aufsteigende Infektionen erhöhen das Risiko für vorzeitigen Blasensprung, zu frühe Wehen und Frühgeburt. Auch Fieber während oder nach der Geburt treten ggf. häufiger auf.

Studiendaten zufolge ist ein BV-Screening – mit anschließender oraler oder intravagnialer Antibiose – auch bei Schwangeren ohne Frühgeburt in der Anamnese effizient. Die Selbstmessung des Scheiden-pH-Werts kann dazu beitragen, Frühgeburten zu vermeiden: So sind pH-Wert-Abweichungen frühzeitig erkennbar und die relevanten Risikofaktoren können ausgeschaltet werden.

Akzeptable Heilungsraten mit Metronidazol-Einmalgabe

Zur Behandlung einer bakteriellen Vaginose wird nicht schwangeren Frauen Metronidazol oral 2 x 500 mg täglich über einen Zeitraum von sieben Tagen empfohlen. Akzeptable Heilungsraten lassen sich auch mit einer oralen Einmalgabe von 2 g Metronidazol oder von 2 x 2 g im Abstand von 48 Stunden erzielen, heißt es in den Leitlinien. Ebenfalls erfolgreich ist die intravaginale Behandlung mit ein- bis zweimal 500 mg Metronidazol Vaginaltabletten über sieben Tage.

Als weitere Therapieoption gilt 2%ige Clindamycin-Vaginalcreme (5 g täglich, sieben Tage lang). Schwangere können nach dem ersten Trimenon Metronidazol systemisch oder in Form einer vaginalen Behandlung erhalten (500 bis 1000 mg für sieben Tage).

Auch eine orale Clindamycin-Behandlung ist nach dem ersten Trimenon möglich (2 x 300 mg täglich, eine Woche lang). Eine Alternative bietet die tägliche lokale Applikation von 5 g 2%iger Clindamycin-Vaginalcreme über sieben Tage, heißt es in der Leitlinie.

Quelle: Werner Mendling et al., S1-Leitlinie Bakterielle Vaginose in Gynäkologie und Geburtshilfe, AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/028, online unter www.awmf.org

LOGIN