Home / Medizin / Allgemeine Innere Medizin / Akupunktur doch besser als Placebo-Effekt?

Akupunktur gegen Linderung von chronischen Schmerzen

Akupunktur doch besser als Placebo-Effekt?

Erneut wurde versucht, mit einer Metaanalyse Licht in die Angelegenheit zu bringen. Die Diskussion um den Stellenwert der Akupunktur wird von beiden Seiten sehr leidenschaftlich geführt, schreibt Dr. Andrew L. Avins von der Northern California Division of Research, Oakland in einem Kommentar. Während die Befürworter den Effekt längst als erwiesen ansehen (vor allem in Studien gegen Standardtherapie), glauben die Gegner, dass es sich lediglich um einen Placeboeffekt handelt.

Akupunktur: nicht nur Placeboeffekt!

Hier werden vor allem Studien angeführt, in denen die Verum-Akupunktur im Vergleich mit einer Sham-Akupunktur kaum Vorteile aufwies. Der kleine Unterschied zur Schein-Nadelung:Wer hat nun recht? Zu den bereits existierenden 60 Metaanalysen kommt eine weitere von Dr. Andrew J. Vickers vom Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, New York, und seiner Arbeitsgruppe hinzu.

In die gepoolte Analyse gingen 31 randomisierte kontrollierte Studien bei Patienten mit chronischen Schmerzen ein, in denen die Akupunktur gegen die Standardtherapie oder gegen eine „Schein-Nadelung“ getestet wurde. In der methodisch aufwendigen Analyse konnte sowohl im Vergleich zur Standardtherapie als auch im Vergleich zur Schein-Nadelung ein signifikanter positiver Effekt beobachtet werden – auch wenn der Unterschied zur Standardtherapie deutlich grösser ausfiel. Dies galt für alle untersuchten Schmerzarten und -Lokalisationen wie unspezifische Rücken- und muskuloskelettale Schmerzen, Arthrose und chronische Kopfschmerzen.

Akupunktur hilft bei chronischen Schmerzen

Somit haben vielleicht beide Parteien recht: Die in der Metaanalyse nachgewiesene Überlegenheit gegenüber der Sham-Akupunktur zeigt, dass die Akupunktur einen Effekt bei chronischen Schmerzen hat, schreiben die Autoren. Beim Vergleich mit einer nicht genadelten Kontrollgruppe fällt die Wirkung deutlich grösser aus. Dies belegt wiederum, dass ein nicht zu unterschätzender Placeboeffekt noch oben drauf kommt.

Dem geplagten Patienten mit chronischen Schmerzen wird es wahrscheinlich im Endeffekt egal sein, schreibt Dr. Avins. Dem Kranken ist jede Methode willkommen, die Linderung bringt, ohne zu schaden. Auch wenn es natürlich schöner wäre, den genauen Wirkmechanismus zu verstehen, gehe es vor allem um die Sicht des Patienten. Und der immer wieder zitierte „Placeboeffekt“ muss nicht unbedingt das Schlechteste sein – auch andere ärztliche Massnahmen wie ein verständnisvolles empathisches Gespräch basieren letztendlich darauf.

1. Andrew J. Vickers et al., Arch Intern Med 2012; online first;

2. Andrew L Avins; Arch Intern Med 2012; online first

LOGIN