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Maria Weiß, Foto: thinstock

Nierenkolik: Womit den Schmerz lindern?

Eine Nierenkolik bei Nephrolithiasis ist oft mit extremen Schmerzen und Ängsten verbunden – so tauchen Betroffene oft zuerst in der Notaufnahme auf. Doch die meisten Patienten könnten problemlos ambulant behandelt werden.

Etwa 12 % aller Männer und 6 % aller Frauen werden irgendwann im Leben einmal von Nierensteinen geplagt. Begünstigt wird die Entstehung der überwiegend kalziumhaltigen Steine durch alle Faktoren, die eine Dehydratation fördern. Dazu gehören: geringe Trinkmenge (unter einem Liter Urin), Arbeiten in warmer Umgebung und Durchfallerkrankungen.

Konkrement oder geplatztes Aneurysma?

Ebenfalls als Ursache für Nierensteine infrage kommen Erkrankungen mit erhöhtem Kalziumspiegel wie primärer Hyperparathyreoidismus, renale tubuläre Azidose und myeloproliferative Leiden, schreibt der in London niedergelassene Urologe Matthew Bultitude. Gekennzeichnet ist die Nierenkolik durch einen plötzlich einsetzenden, wehenartigen starken Schmerz in der Lendengegend, der in Leiste, Hoden oder Schamlippen ausstrahlen kann und durch einen Spasmus des Harnleiters bedingt ist.

Trotz der relativ „charakteristischen Klinik“ müssen mögliche Differenzialdiagnosen wie akute Hodenerkrankungen oder ein geplatztes Aortenaneurysma (insbesondere bei kardiovaskulären Risikopatienten) ausgeschlossen werden. Auch gynäkologische und muskuloskelettale Probleme, Divertikulitis, Cholezystitis, Appendizitis oder muskuloskelettale Probleme können mit ähnlichen Symptomen einhergehen.

Nephrolitiasis: Schmerzen ambulant oder stationär behandeln?

In einigen Fällen sollte man die Patienten mit einer Nierenkolik umgehend ins Krankenhaus einweisen. In allen anderen Fällen lassen sich die Nierenkoliken auch ambulant abklären und behandeln. Als Methode der Wahl zum Steinnachweis nennt der britische Urologe ein CT ohne Kontrastmittel, das dem intravenösen Urogramm überlegen ist. Ist der Stein auf den CT-Aufnahmen gut sichtbar, sind keine weiteren Röntgenaufnahmen von Ureter, Niere und Blase erforderlich.

Eine Alternative – vor allem bei dünneren Patienten, Schwangeren und Kindern – kann der Ultraschall sein. Damit sind aber nicht alle Steinlokalisationen einsehbar. Generell wird eine Urinuntersuchung mittels Streifentest empfohlen (Infektion, Hämaturie?). Im Blut sollten Leukozyten und Nierenfunktionsparameter bestimmt werden.

Nierenkolik: Kaum Evidenz für Spasmolytika

Bei der Akuttherapie steht die Schmerzbekämpfung im Vordergrund. Hierzu werden als Mittel der ersten Wahl NSAR wie Diclofenac empfohlen – es sei denn, es bestehen Kontraindikationen wie peptische Ulzera, Niereninsuffizienz oder schweres Asthma. Alternativ können Opiate eingesetzt werden. Für die Anwendung von Spasmolytika ist die Evidenz dagegen sehr schwach, so der Experte. Unterstützend kann eine Wärmeanwendung, z.B. mit Heizkissen, sinnvoll sein.

Wann muss der Stein entfernt werden?

Wann muss ein Stein durch aktive Maßnahmen ans Tageslicht gebracht werden? Notfallmäßig ist dies der Fall bei:

  • Obstruktion mit infizierter Niere,
  • Obstruktion einer Einzelniere,
  • bilateraler Obstruktion oder
  • unkontrollierbaren Schmerzen.

Steinabgang mit Alpha-1-Blockern beschleunigen!

Bestehen klinisch keine Einwände, kann man abwarten, bis der Stein von alleine abgeht. Dies passiert in der Regel innerhalb von vier bis sechs Wochen. Durch den Einsatz von Relaxanzien der glatten Muskulatur wie Alpha-1-Blocker oder Kalziumantagonisten kann der Steinabgang evtl. beschleunigt werden (Off-label-Indikation).

Sollte ein Stein nach sechs Wochen noch nicht spontan abgegangen sein, muss man Alternativen wie die extrakorporale Schockwellen-Lithotripsie (ESWL) oder Ureteroskopie ins Auge fassen. Und der Wunsch des Patienten – z.B. vor einer Auslandsreise – kann darüber hinaus ein Grund sein, aktiv zu werden.

Quelle:
Matthew Bultitude et al., BMJ 2012; 345: online first

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